Der Artikel analysiert den tiefgreifenden Wandel des Sterbens in modernen westlichen Gesellschaften, der durch medizinische und gesellschaftliche Veränderungen ausgelöst wurde. Autor Simon Peng-Keller dokumentiert, dass Sterbeverläufe heute wesentlich länger dauern und mit vielfältigen Entscheidungszwängen verbunden sind, während neue Institutionen wie Hospize und Palliativstationen entstanden sind. Entgegen der These von Philippe Ariès, dass der Tod durch Medikalisierung verdrängt wird, beobachtet der Autor eine neue öffentliche Thematisierung des Sterbens in Debatten zur Sterbehilfe und in medialen Darstellungen. Ein zentrales Problem besteht darin, dass wissenschaftliche Diskurse vom Außenperspektiv dominiert sind und die Sicht der Sterbenden selbst unterrepräsentiert ist. Der Autor identifiziert mit Kellehear fünf Faktoren, die zu einseitigen Bildern von Sterbeprozessen führen: die Dominanz der klinischen Perspektive, die Übertragung der Angehörigensicht, selektive Sterbeberichte, Überrepräsentation der Mittelklasse und die Scheu der Sterbenden zu berichten. Die epistemische Ungerechtigkeit im Gesundheitsbereich bevorzugt medizinische Erzählungen gegenüber den Erfahrungsberichten von Betroffenen. Der Artikel unterscheidet zwischen dem medizinisch feststellbaren Todeseintritt und dem subjektiv erlebten Beginn des Sterbeprozesses, wobei er sich auf Kastenbaums Definition stützt, die beide objektive und subjektive Kriterien berücksichtigt. Abschließend werden vier medizinisch typische Sterbeverläufe unterschieden, die je spezifische ärztliche Handlungsweisen erfordern.