Der Artikel analysiert Subjektivierung als zentrales Konzept der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften, das sich mit der historischen Konstitution von Subjekten befasst. Zwei Hauptbedeutungen werden unterschieden: erstens Subjektivierung als methodischer Ansatz zur Untersuchung von Selbstsorge und Selbstbildung, zweitens als kritischer Begriff für neoliberale Individualisierungsprozesse. Theoretisch verankert ist das Konzept im Poststrukturalismus und bei Michel Foucault, dessen Theorie der „Technologien des Selbst" zentral ist – diese ermöglichen es dem Einzelnen, an sich selbst zu arbeiten und sich als Subjekt zu konstituieren. Das Subjekt entsteht im Wechselspiel von Selbst- und Fremdregierung und ist paradox: es ist sowohl unterworfen als auch selbsttätig. Judith Butlers Arbeiten zu Geschlechtsidentitäten zeigen, dass Subjektivierung performativ durch wiederholte Praktiken funktioniert und nicht biologisch determiniert ist. Die Postcolonial Studies erweitern diese Perspektive um Fragen von Anerkennung, Rassismus und kolonialer Unterdrückung. Somatische und psychische Techniken sind zentral für Subjektivierungsprozesse: Körperpraktiken, Gesundheitspolitiken, Fitness und Ernährung werden als Formen der Selbstsorge reguliert und normalisiert. Psychologis