Mirjam Zimmermanns Artikel analysiert die theologischen Kategorien Sünde und Schuld als zentrale, aber unterschiedliche Konzepte der christlichen Anthropologie. Schuld wird als konkrete Erfahrung menschlichen Fehlverhaltens verstanden, während Sünde ein theologischer Reflexionsbegriff darstellt, der auf existenzielle Verfehlung verweist. Im Alten Testament werden Sünde und Schuld oft nicht klar distinkt behandelt; die semitische Sprachwurzel verweist auf menschliches Fehlverhalten, das die gottgegebene Ordnung der Gemeinschaft stört, wobei Vergebung allein Gott vorbehalten bleibt. Das Neue Testament kennt mehrere Sündenkonzepte: Bei Matthäus und Lukas dominiert das Verständnis konkreter ethisch-moralischer Verfehlung im Plural, während Johannes Sünde als Unglauben und strukturelle Gottlosigkeit versteht. Paulus entwickelt ein existenzielles Verständnis von Sünde als jeder menschlichen Existenz vorausgehende Macht mit struktureller Dimension, in die der Mensch verstrickt ist, ohne sie selbst verursacht zu haben. Der Artikel konstatiert, dass modernes Schuldbewusstsein in pluralistisch-libertären Kulturen abnimmt, gleichzeitig aber neue Phänomene der Sündigung wie Hochmut, Gier und Lüge sowie neue Schuldgefühle entstehen. Die religionspädagogische Vermittlung dieser Themen im Unterricht muss die entwicklungspsychologischen Voraussetzungen von Kindern und Jugendlichen berücksichtigen und didaktisch neu gestaltet werden.