Wolfgang Fleckenstein analysiert in seinem Artikel die unterschätzte Bedeutung des Tafelbildes für den Religionsunterricht. Er argumentiert, dass die traditionelle Schultafel trotz der Fülle moderner Unterrichtsmedien nicht an Relevanz verliert, sondern durch ihre vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten und einfache Handhabung bestehen bleibt. Der Autor betont zudem die ökologischen Vorteile der Tafel gegenüber ressourcenintensiven Arbeitsblättern. Im Kern des Artikels werden vier Wirkweisen des Tafelbildes differenziert: didaktische, lernpsychologische, pädagogische und disziplinierende Funktionen. Fleckenstein entwickelt ein didaktisches Raumkonzept für die dreigliedrige Tafel, wobei die Haupttafel als zentraler Konzentrationspunkt für Stundenthema und Ergebnissicherung dient, während Seitentafeln für Sammlungsphasen und Hausaufgaben vorgesehen sind. Der didaktische Ort jedes Tafelteils korrespondiert mit den verschiedenen Phasen des Stundenablaufs. Besondere Bedeutung wird der entwickelnden Tafelbildgestaltung beigemessen, bei der das Tafelbild schrittweise vor den Augen der Schülerinnen und Schüler entsteht und diese aktiv einbezieht, anstatt ein fertiges Bild vorzusetzen. Diese Vorgehensweise ermöglicht Flexibilität bei gleichzeitiger Vorplanung und fördert die Beteiligung der Lernenden. Das Visualisierungsprinzip verdichtet komplexe Inhalte zu merksamen Kernaussagen und entspricht dem Unterrichtsprinzip der Anschaulichkeit. Lernpsychologisch nutzt das Tafelbild die Erkennntnis, dass Menschen primär durch Sehen und eigenständiges Handeln lernen, wobei die Verbindung von visuellen, auditiven und kinästhetischen Elementen optimale Lernbedingungen schafft. Damit setzt das Tafelbild zeitgemäße Medienpädagogik um, ohne in die Flüchtigkeit digitaler Bilderflut zu verfallen.