Der Artikel behandelt Toleranz als ein zentrales, aber ambivalentes Phänomen der gegenwärtigen Gesellschaft und Pädagogik. Empirische Daten zeigen, dass besonders Jugendliche sich selbst als tolerant gegenüber Differenz verstehen, allerdings oft ohne tiefe Reflexion oder mit relativistischen Tendenzen. Grümme identifiziert drei Komplexitätsebenen: erstens historische Vorbehalte gegen Religion als Indoktrinationsfaktor, zweitens normative Ziele des Religionsunterrichts auf Toleranzförderung, und drittens die Gefahr der Auflösung von Geltungsansprüchen durch oberflächliche Toleranzverständigung. Der Autor differenziert zwischen verschiedenen Toleranzformen (Duldung, Akzeptanz, Respekt, Anerkennung) und zeigt auf, dass echter Toleranz mehr voraussetzt als bloße Hinnahme von Anderssein. Religionsgeschichtlich wird nachgezeichnet, wie Toleranz erst durch die Trennung von Kirche und Staat sowie durch menschenrechtliche Kodifizierung möglich wurde und nicht aus religiösen Traditionen selbst notwendig folgte. Für die Religionspädagogik fordert Grümme eine „reflektierte Toleranz" und eine „Befähigung zur Unterscheidung der Geister", die es ermöglicht, eigene Überzeugungen zu vertreten und gleichzeitig andere in ihrer Andersartigkeit anzuerkennen, ohne in Relativismus zu verfallen.",