Trialogisches Lernen ist ein zeitgenössischer religionspädagogischer Ansatz, der die konstruktive Auseinandersetzung zwischen Judentum, Christentum und Islam in den Fokus nimmt und über das allgemeine interreligiöse Lernen hinausgeht. Die drei abrahamischen Religionen sind durch über tausendjahrhunderte gemeinsame Geschichte und theologische Kongruenz im monotheistischen Glauben verbunden, was sie zu Mitverantwortlichen in der Zivilisierung von Religion macht. Jerusalem dient als zentrales Realsymbol des Trialogs, da hier die drei Religionen ihre heiligen Stätten und Traditionen präsent haben: Juden verehren die Tempelmauer, Muslime den Felsendom und Christen die Wirkungsstätten Jesu. Allerdings ist die gemeinsame Geschichte auch geprägt von Hass und Gewalt, von Kreuzzügen bis zu modernen Konflikten. Der Begriff "Trialog" ist etymologisch unkonventionell, wird aber in der Religionspädagogik verwendet, um die spezifische Kommunikation zwischen drei Religionen zu beschreiben. Historische Vorläufer finden sich im Mittelalter, besonders bei Ramon Llull, der einen Trialog als Alternative zu Kreuzzügen konzipierte, und bei Gotthold Ephraim Lessing, dessen Drama "Nathan der Weise" als Prototyp eines gelungenen Trialogs gilt. Stefan Schreiner hat die diskursprägende Definition entwickelt, wonach der Islam als "drittes Kind Abrahams" gleichberechtigt zu den anderen beiden Religionen gehört. In der Neuzeit geriet der Trialog-Begriff durch europäische Judenverfolgung und Konflikte zwischen Christentum und Islam in Vergessenheit. Heute wird trialogisches Lernen an vielen Orten praktiziert und soll die gegenseitige Verantwortung der Gläubigen für Gottes Schöpfung benennbar machen.