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Eulenfisch

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Über Wunder und Wunden des Wirklichen

Veröffentlichung:1.1.2021

Der Fachartikel „Über Wunder und Wunden des Wirklichen“ von Thomas Menges ist im Heft ru-heute erschienen und umfasst etwa 5 Seiten (S. 61–65). Der Beitrag stellt den Künstler Reinhard Daßler und seinen Wiesbadener Schöpfungszyklus vor, ein bedeutendes Werk moderner sakraler Kunst. Der Artikel untersucht die künstlerischen und theologischen Überzeugungen hinter diesem Wandbild und zeigt, wie Daßler Realismus, christliche Symbolik und gesellschaftliche Fragen miteinander verbindet. Theologisch behandelt der Text insbesondere die Schöpfungstheologie, Auferstehungshoffnung, die Bedeutung der Caritas sowie das Verhältnis von Glaube und Zweifel im modernen Christentum.

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Der Artikel beschreibt Leben, Kunstverständnis und theologischen Hintergrund des Malers Reinhard Daßler. Der 1933 geborene Künstler studierte an der Akademie der bildenden Künste in Karlsruhe und wurde von Lehrern geprägt, die der realistischen Kunst verpflichtet waren. Diese Prägung führte dazu, dass Daßler sich bewusst gegen die abstrakte Kunst der Nachkriegszeit stellte und an einer realistischen Darstellung der Wirklichkeit festhielt. Sein Realismus orientiert sich an der sichtbaren Welt und verbindet naturalistische Darstellung mit symbolischen Bedeutungen.

Im Zentrum seiner Kunst steht der Mensch. Daßler malt häufig reale Personen aus seinem Umfeld und verzichtet auf idealisierte Darstellungen. Seine Bilder zeigen Menschen in ihrem gesellschaftlichen und zeitlichen Zusammenhang. Neben Porträts spielen Landschaften und Stillleben eine Rolle, weil sie Teil des menschlichen Lebensumfelds sind. In seinen Werken wird deutlich, dass Wirklichkeit sowohl Wunder als auch Wunden enthält. Die Kunst soll diese Ambivalenz sichtbar machen.

Daßler versteht seine Kunst als handwerklich geprägte Arbeit in der Tradition der alten Meister. Gleichzeitig kritisiert er moderne Entwicklungen, etwa den verantwortungslosen Umgang des Menschen mit Natur und Technik. Seine Bilder spiegeln Spannungen und Gegensätze der Gegenwart. Dabei bleiben sie bewusst offen, sodass Betrachtende eigene Deutungen entwickeln können.

Durch seine Tätigkeit als Restaurator in Kirchen entwickelte Daßler ein besonderes Verständnis für den Zusammenhang von Architektur und Bildkunst. Für ihn muss Kunst in den Raum einer Kirche eingebunden sein. Deshalb gestaltet er Bilder oft so, dass sie architektonische Strukturen aufnehmen. Bei sakralen Werken versucht er nicht seine eigene Persönlichkeit in den Vordergrund zu stellen, sondern biblische Aussagen bildlich auszulegen. Seine Arbeiten können deshalb als eine Form moderner bildlicher Bibelauslegung verstanden werden.

Ein wichtiges Beispiel dafür ist der Wiesbadener Schöpfungszyklus in der Kirche Heilige Familie. Der fünfteilige Zyklus entstand zwischen 1990 und 1994 und behandelt zentrale Themen der christlichen Heilsgeschichte. Die Bilder zeigen die Schöpfung, die Sintflut als Zeichen von Untergang und Neubeginn, die Menschwerdung Christi, den Tod Jesu in einer zeitgenössischen Stadtszene und schließlich die Vision einer erneuerten Welt. Die dargestellten Figuren sind reale Menschen aus dem Umfeld des Künstlers. Dadurch wird die biblische Geschichte mit der Gegenwart verbunden.

Besonders ausführlich beschreibt der Artikel das fünfte Bild mit dem Titel „Ich mache alles neu“. Im Zentrum steht der auferstandene Christus, dessen Wundmale sichtbar bleiben. Damit wird deutlich, dass das Wunder der Auferstehung die Wunden des Leidens nicht auslöscht. Unter Christus stehen Brot und Wein als Zeichen der Gegenwart Christi im Abendmahl. Hinter ihm erscheint ein Baum, der zugleich an das Kreuz und an neues Leben erinnert. Natur und Kultur sind in der dargestellten Landschaft miteinander versöhnt.

Im Vordergrund zeigen mehrere Figuren eine lebendige und lebensspendende Schöpfung. Eine Familie mit Kind, eine schwangere Frau und eine Frau mit Früchten stehen für Hoffnung, Fruchtbarkeit und Zukunft. In den architektonischen Bildfeldern erscheinen verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Haltungen zum Glauben. Einige sind suchend oder zweifelnd, andere weisen auf Christus hin. Dadurch wird deutlich, dass Kirche ein Raum für glaubende, zweifelnde und suchende Menschen sein soll.

Weitere Figuren verweisen auf die Themen Nächstenliebe und Verantwortung für die Schöpfung. Der heilige Franziskus steht für die Versöhnung mit der Natur, Mutter Teresa für tätige Nächstenliebe. Zusammen mit Darstellungen der vier Elemente und der Jahreszeiten entsteht das Bild einer geordneten und von Gott geschaffenen Welt.

Die Vision des Zyklus verbindet Gegensätze zu einem neuen Ganzen. In dieser Zukunftsvision spielt die Caritas eine zentrale Rolle. Die Nächstenliebe wird als verbindendes Prinzip einer erneuerten Schöpfung verstanden. Angesichts von Umweltzerstörung und innerkirchlichen Spannungen erhält diese Vision besondere Aktualität.

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