Der Artikel untersucht den Verantwortungsbegriff als zentralen Begriff menschlichen Zusammenlebens mit rechtlich-institutionellen und individuell-ethischen Komponenten. Empirische Jugendstudien zeigen, dass die Verantwortungsbereitschaft junger Menschen primär auf den unmittelbaren Nahraum (Familie, Peers) fokussiert ist und durch familiäre Prägung, Vorbilder und Empathiefähigkeit geprägt wird. Entwicklungspsychologische Faktoren sowie materielle Ressourcen beeinflussen maßgeblich die Fähigkeit zur Verantwortungsübernahme, wobei schulischer Leistungsdruck ein Hemmfaktor darstellt. Der Autor warnt vor einer unkritischen Verklärung von Verantwortung und betont, dass nur lebensdienliche Reflexionspraktiken Verantwortung ethisch legitimieren. Theologisch wird Verantwortung als freie, gewissensorientierte Aufgabe konzipiert, die unbedingt Freiheit voraussetzt und sich auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bezieht. Die Religionspädagogik kann durch ihre inhaltliche und motivationale Dimension zur Stärkung positiver Verantwortungsübernahme beitragen, muss aber die Grenzen ihrer Wirkmacht angesichts struktureller Rahmenbedingungen anerkennen.