Der Artikel behandelt Wahrheit als fundamentale Herausforderung für Philosophie, Wissenschaft, Religion und Religionspädagogik. Heimbrock präsentiert die Geschichte des Wahrheitsbegriffs in der abendländischen Philosophie und verdeutlicht, dass Wahrheit keine Eigenschaft von Gegenständen ist, sondern eine Relation zwischen erkennendem Subjekt und propositionalen Aussagen darstellt. Er klassifiziert die wichtigsten neuzeitlichen Wahrheitstheorien: Korrespondenz- oder Adäquanztheorie, Evidenztheorie, logisch-semantische Theorie, Konsenstheorie, Kohärenztheorie und pragmatisch-empirische Theorie, die jeweils unterschiedliche Aspekte von Verständlichkeit, Richtigkeit und Gewissheit betonen. Ein zentrales Argument ist, dass menschliche Wahrheitserkenntnis unter modernen Bedingungen nicht absolut und zeitlos sein kann, sondern nur näherungsweise und vorläufig gelingt. Heimbrock behandelt auch die Wahrheitsfähigkeit ästhetischer und fiktionaler Formen: Während traditionelle Philosophie Kunst als bloßen Schein abqualifizierte, zeigen gegenwärtige Ansätze, dass Kunstwerke gleichwohl Erkenntnis vermitteln können. Mit Adorno wird die Kunstwahrheit als kritische Potenz des Nichtpassens zur Wirklichkeit gedeutet, während Gadamer den Wahrheitsanspruch an ästhetische Erfahrung bindet. Fiktionen haben Wahrheitswert, insofern sie das Mögliche entwerfen. Der Artikel verbindet diese philosophischen Überlegungen mit religionspädagogischen Implikationen und zeigt die Relevanz der Wahrheitsfrage für den Umgang mit konkurrierenden weltanschaulichen Wahrheitsansprüchen in der pluralen Gesellschaft.