Der Artikel analysiert Zeit als komplexe und vielschichtige Dimension menschlichen Lebens, die sowohl objektiv messbar als auch subjektiv erfahren wird. Schlenke skizziert die philosophische Debatte von der Antike bis zur Gegenwart und zeigt, wie die Erfindung der mechanischen Uhr zu einer Rationalisierung und Ökonomisierung von Zeit führte. Die Relativitätstheorie Einsteins und zeitsoziologische Forschungen verdeutlichen, dass Zeit sozial konstruiert und kontextabhängig ist. In der Spätmoderne erleben Menschen eine beschleunigte, verdichtete und digital fragmentierte Zeitlichkeit, die zu Krisen- und Entfremdungserfahrungen führt. Der Text zeigt, dass Religionen als zeitkonstruktive Symbolsysteme fungieren, die menschliche Zeitdeutung durch theologische Konzepte wie Schöpfung, Offenbarung und Eschatologie orientieren. Monotheistische Religionen verbinden lineare und zyklische Zeitstrukturen durch ihre Festkalender, Gebetszeiten und heilsgeschichtlichen Narrative. Die biblische Tradition unterscheidet zwischen chronos (Verlaufszeit) und kairos (erfüllte Zeit) und betont Gottes zeitbestimmende Transzendenz sowie zeitlich erfahrbare Immanenz. Religiöse Zeitordnungskonzepte strukturieren sowohl individuelle Biographien als auch kollektive Vergemeinschaftung und schaffen identitätsstiftende Sinndeutung. Der Artikel verdeutlicht, dass die Pädagogik die Aufgabe hat, Kindern und Jugendlichen einen reflexiven Umgang mit Zeit im Kontext pluraler religiöser und säkularer Zeitkonzepte zu vermitteln.