Der Artikel analysiert Zweifel als Phänomen mit erkenntnistheoretischer Bedeutung in Wissenschaft und Religion. Historische Beispiele zeigen, dass wissenschaftlicher Fortschritt durch kritisches Hinterfragen entsteht. René Descartes etablierte den methodischen Zweifel als Prinzip der modernen Wissenschaft, indem er durch radikales Anzweifeln zur Gewissheit des Selbstbewusstseins gelangte. Im religiösen Kontext wird Glaubenszweifel als Grundmoment des Glaubens verstanden, das zwei Ebenen umfasst: die existentielle Ebene, wo Krisen- und Leiderfahrungen den Glauben in Frage stellen, und die kognitiv-erkenntnistheoretische Ebene, die sich mit der philosophischen Unbeweisbarkeit von Gottes Existenz befasst. Die empirische Studie "Jugend – Glaube – Religion" dokumentiert beide Dimensionen: Jugendliche berichten von Zweifeln aufgrund von Leid sowie aufgrund fehlender wissenschaftlicher Beweise für religiöse Aussagen. Für die Religionspädagogik ist eine genaue Differenzierung dieser Ebenen entscheidend, um angemessen auf unterschiedliche Formen von Glaubenszweifel reagieren zu können. Der Artikel erörtert historische Gottesbeweise (apriorisch und aposteriorisch), deren Grenzen im modernen Denken und die Ambivalenz geschichtlicher Offenbarung als theologische Gründe für kognitiven Zweifel.