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Österreichisches Religionspädagogisches Forum (örf)

Österreichisches Religionspädagogisches Forum (örf)

Wie ist das heute bei euch im Islam?

Veröffentlichung:1.1.2026

Der Fachartikel umfasst die Seiten 126 bis 145 des Österreichischen Religionspädagogischen Forums 34 aus dem Jahr 2026. Der Beitrag untersucht religionsbezogene Interaktionen zwischen Lernenden im schulischen Alltag mit besonderem Blick auf muslimische Lernende. Im Mittelpunkt stehen Fragen nach religiöser Zugehörigkeit, Zuschreibungen, religiöser Vielfalt und dem Umgang mit Islam im schulischen Kontext. Theologisch behandelt der Artikel Probleme religiöser Identität, religiöser Fremdzuschreibungen, interreligiöser Begegnung, Vorurteilsbildung, religiöser Kommunikation und die Bedeutung des Islam in pluralen Gesellschaften. Außerdem wird die Frage diskutiert, wie Schule mit religiöser Diversität umgehen kann und welche Rolle Religionsunterricht für Verständigung und Anerkennung spielt.

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Der Artikel beschreibt zunächst die gesellschaftliche Situation, in der Religion und insbesondere der Islam im schulischen Alltag häufig Thema werden. Muslimische Lernende erleben dabei oft, dass sie als Vertreterinnen und Vertreter einer gesamten Religion wahrgenommen werden. Fragen wie „Wie ist das heute bei euch im Islam?“ verdeutlichen, dass religiöse Zugehörigkeit häufig pauschalisierend behandelt wird. Antigona Shabani untersucht deshalb empirisch, wie religionsbezogene Interaktionen zwischen Lernenden entstehen und welche Auswirkungen sie auf Identitätsbildung und schulische Kommunikation haben.

Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen Gespräche und Alltagssituationen in Schulen, in denen Religion thematisiert wird. Der Artikel zeigt, dass religiöse Fragen häufig spontan entstehen und eng mit gesellschaftlichen Debatten über Islam, Migration und kulturelle Vielfalt verbunden sind. Muslimische Lernende werden dabei oftmals aufgefordert, religiöse Praktiken, Traditionen oder politische Ereignisse zu erklären. Dadurch entsteht ein Spannungsfeld zwischen persönlicher Identität und öffentlicher Zuschreibung.

Die Autorin macht deutlich, dass der Islam im schulischen Kontext häufig nicht als vielfältige Religion wahrgenommen wird, sondern als vereinfachte oder stereotype Kategorie erscheint. Lernende erleben deshalb oft eine Reduktion auf ihre religiöse Zugehörigkeit. Gleichzeitig zeigen die empirischen Ergebnisse, dass Lernende differenzierte Sichtweisen entwickeln können, wenn offene Gesprächsräume vorhanden sind. Dialogische Lernformen und respektvolle Kommunikation fördern gegenseitiges Verständnis und bauen Vorurteile ab.

Ein wichtiger Schwerpunkt des Artikels liegt auf dem Begriff der religiösen Positionierung. Lernende nehmen im Gespräch unterschiedliche Rollen ein, reagieren auf Zuschreibungen und entwickeln Strategien, um mit Fragen über Religion umzugehen. Manche Lernende distanzieren sich von pauschalen Erwartungen, andere nutzen die Gespräche aktiv, um über ihre Religion aufzuklären oder Missverständnisse zu korrigieren. Der Artikel zeigt damit, dass religiöse Kommunikation in der Schule ein dynamischer Aushandlungsprozess ist.

Die Untersuchung hebt außerdem hervor, dass Lehrkräfte eine wichtige Rolle für die Gestaltung religionsbezogener Kommunikation spielen. Offene Unterrichtsatmosphäre, sensible Gesprächsführung und reflektierter Umgang mit Vielfalt können dazu beitragen, stereotype Wahrnehmungen abzubauen. Religionsunterricht und andere Unterrichtsfächer sollen Lernende dazu befähigen, religiöse Unterschiede respektvoll wahrzunehmen und differenziert zu reflektieren.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Bedeutung interreligiösen Lernens. Die Autorin betont, dass Begegnungen zwischen Lernenden unterschiedlicher religiöser Hintergründe Chancen für Perspektivenübernahme und gegenseitige Anerkennung eröffnen. Gleichzeitig wird deutlich, dass solche Lernprozesse nicht automatisch entstehen, sondern pädagogisch begleitet werden müssen. Schule wird deshalb als wichtiger Ort gesellschaftlicher Verständigung verstanden.

Darüber hinaus diskutiert der Artikel die Verbindung zwischen Religion, Zugehörigkeit und gesellschaftlicher Wahrnehmung. Muslimische Lernende erleben häufig, dass religiöse Fragen mit politischen oder kulturellen Debatten verknüpft werden. Dies kann zu Belastungen führen, eröffnet aber auch Möglichkeiten für kritische Reflexion über Vorurteile, Diskriminierung und gesellschaftliche Teilhabe.

Abschließend kommt der Beitrag zu dem Ergebnis, dass religionsbezogene Interaktionen im schulischen Alltag ein bedeutender Bestandteil pluraler Bildung sind. Schule und Religionsunterricht sollen Räume schaffen, in denen Lernende Religion nicht stereotyp oder konfliktorientiert wahrnehmen, sondern als vielfältigen Teil gesellschaftlicher Wirklichkeit verstehen. Der Artikel plädiert deshalb für religionssensible Bildung, dialogische Lernformen und eine reflektierte Auseinandersetzung mit religiöser Vielfalt.

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22.5.2026

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