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Katholische Akademie Bayern

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„Von Angesicht zu Angesicht“

Veröffentlichung:1.9.2026

Der Fachartikel wurde unter dem Titel „Von Angesicht zu Angesicht“ in der Zeitschrift zur debatte, Ausgabe 3/2026, veröffentlicht und umfasst fünf Seiten (Seiten 54 bis 58). Er beschäftigt sich mit der Theologie des österreichischen Theologen Gottfried Bachl (1932 bis 2020), insbesondere mit seinem Verständnis von Jesus Christus, Glauben, Erlösung und der Beziehung zwischen Gott und Mensch. Im Mittelpunkt steht die Überzeugung, dass Glauben eine persönliche Begegnung mit Jesus bedeutet, bei der die Einzigartigkeit und Freiheit des Menschen geachtet werden. Der Artikel behandelt grundlegende theologische Probleme wie die Reduzierung Jesu auf seine Erlöserfunktion, die Bedeutung seines Leidens und Kreuzestodes, das Verhältnis von wissenschaftlicher Theologie und Spiritualität sowie die Frage nach Gottes Gegenwart angesichts von Tod, Leid und menschlicher Vernichtung. Dabei wird deutlich, dass Erlösung für Bachl vor allem bedeutet, von Gott in der eigenen unverwechselbaren Individualität wahrgenommen und anerkannt zu werden.

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Der Fachartikel beschäftigt sich mit dem theologischen Denken Gottfried Bachls und stellt dessen Verständnis des christlichen Glaubens als persönliche Begegnung zwischen Gott und Mensch dar. Ausgangspunkt ist die Bibelstelle 1 Kor 13,12, in der Paulus zwischen der gegenwärtigen unvollkommenen Erkenntnis und der zukünftigen unmittelbaren Begegnung mit Gott unterscheidet. Für Bachl ist diese Bibelstelle ein Schlüssel zum Verständnis des Glaubens. Erkenntnis bedeutet dabei nicht ausschließlich intellektuelles Wissen oder mystische Erfahrung, sondern ist wesentlich mit Liebe und persönlicher Beziehung verbunden. Der Mensch erkennt Gott, indem er ihm begegnet und sich von ihm anschauen lässt. Das Bild der Begegnung von Angesicht zu Angesicht verdeutlicht, dass Glauben eine wechselseitige Beziehung zwischen einem Ich und einem Du ist. In dieser Begegnung werden die Einzigartigkeit, die Würde und die Freiheit des Gegenübers anerkannt. Freiheit entsteht dabei nicht allein durch individuelle Selbstbestimmung, sondern auch durch die gegenseitige Anerkennung und Achtung.

Im Zentrum von Bachls Glaubensverständnis steht Jesus Christus als persönliches Gegenüber. Bachl beschreibt seine Beziehung zu Jesus durch die Erfahrung, dass er Jesus angeschaut habe und von ihm angeschaut worden sei. Diese gegenseitige Wahrnehmung bildet für ihn die Grundlage des christlichen Glaubens. Jesus ist deshalb nicht lediglich eine historische Persönlichkeit, ein Gegenstand theologischer Forschung oder eine abstrakte Glaubensvorstellung, sondern ein lebendiges Gegenüber, zu dem der Mensch in Beziehung treten kann. Bereits in seiner wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem leidenden Gottesknecht im Buch Jesaja interessierte sich Bachl besonders für das Selbstverständnis Jesu. Er wollte nicht ausschließlich untersuchen, wie die Evangelien, die Kirche oder die christliche Tradition Jesus interpretieren, sondern danach fragen, wie Jesus sich selbst verstanden hat. Dabei orientierte er sich unter anderem an dem Philosophen Søren Kierkegaard, der die persönliche Beziehung zu Jesus gegenüber einer rein theoretischen Betrachtung betonte.

Aus diesem Glaubensverständnis ergibt sich für Bachl eine besondere Aufgabe der Theologie. Sie darf sich nicht auf wissenschaftliche Analyse, historische Forschung und begriffliche Erklärungen beschränken, sondern muss zugleich eine spirituelle Dimension besitzen. Wer über Gott spricht, spricht nach Bachls Verständnis immer auch zu Gott. Wissenschaftliche Theologie und gelebter Glaube gehören deshalb untrennbar zusammen. Eine besondere Bedeutung kommt dabei der Sprache, der Dichtung und der Kunst zu. Persönliche Begegnungen und religiöse Erfahrungen lassen sich nicht vollständig durch wissenschaftliche Begriffe erfassen. Literarische und künstlerische Ausdrucksformen können solche Erfahrungen oftmals unmittelbarer vermitteln. Bachls theologisches Werk verbindet deshalb wissenschaftliche Reflexion mit poetischer Sprache und spiritueller Erfahrung.

Ein zentrales theologisches Problem sieht Bachl in der traditionellen christlichen Deutung Jesu als Erlöser. Bereits in den frühesten neutestamentlichen Überlieferungen wird Jesus vor allem durch seine Bedeutung für das Heil der Menschen verstanden. Sein Leben und sein Tod werden unter dem Gesichtspunkt betrachtet, dass er für die Menschen gestorben sei und sie von Schuld, Leid und Tod erlöst habe. Bachl kritisiert, dass Jesus dadurch auf eine bestimmte Funktion reduziert wird. Seine individuelle Persönlichkeit, sein eigenes Leben und sein Selbstverständnis geraten hinter der Vorstellung des Erlösers zurück. Jesus wird zu einem theologischen Prinzip, dessen Bedeutung vor allem darin besteht, für andere Menschen eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen. Bachl fordert deshalb, Jesus aus solchen festgelegten Deutungsmustern zu befreien und ihn zunächst als eigenständigen Menschen wahrzunehmen. Besonders deutlich wird diese Kritik in seinem Text „Lass mich deine Leiden nicht singen“. Darin setzt er sich mit theologischen Erklärungen auseinander, die das Leiden und den gewaltsamen Tod Jesu als notwendig darstellen. Bachl warnt davor, das tatsächliche Leiden Jesu durch religiöse Sinngebungen und abstrakte Vorstellungen eines göttlichen Heilsplans zu überdecken. Stattdessen soll Jesus in seiner menschlichen Wirklichkeit, seiner Angst, seiner Verletzlichkeit und seiner Freiheit ernst genommen werden.

Bachls Christologie setzt deshalb beim Menschen Jesus an. Entscheidend ist für ihn die Überzeugung, dass sich Gottes Wesen im konkreten menschlichen Leben Jesu zeigt. Jesus offenbart Gott nicht dadurch, dass seine Menschlichkeit hinter einer göttlichen Funktion verschwindet, sondern gerade durch seine einfache und verletzliche menschliche Existenz. In seinem Leben wird die besondere Liebe Gottes sichtbar, die sich nicht an menschlicher Macht, gesellschaftlichem Ansehen oder äußerer Größe orientiert. Jesus verkörpert vielmehr eine Liebe, die sich dem Einzelnen zuwendet und dessen unverwechselbare Würde anerkennt. Diese Sichtweise knüpft an die paulinische Vorstellung an, dass Gott gerade im Schwachen und Unscheinbaren gegenwärtig ist.

Eine besondere Bedeutung besitzt in diesem Zusammenhang das Gebet Jesu. Bachl versteht die Bitte um das Reich Gottes als grundlegenden Ausdruck seines Lebens und Handelns. Das Bittgebet ist für ihn nicht nur eine religiöse Handlung, sondern Ausdruck der persönlichen Beziehung zwischen Gott und Mensch. Der Mensch erkennt darin seine Freiheit und zugleich seine Abhängigkeit von der schöpferischen Zuwendung Gottes an. Jesus richtet seine gesamte Existenz auf das Kommen des Reiches Gottes aus. Dieses Reich steht für die Verwirklichung göttlicher Liebe, für Versöhnung, Erlösung und gelingendes Leben in Gemeinschaft mit Gott. Nach Bachl lässt sich das zentrale Anliegen Jesu deshalb in seiner Bitte um das Reich Gottes zusammenfassen. Auch sein Leiden und Sterben sind von dieser grundlegenden Ausrichtung geprägt. Damit verschiebt Bachl den Schwerpunkt der Christologie von einer ausschließlichen Betrachtung des Kreuzestodes auf das gesamte Leben und die Botschaft Jesu.

Ein weiterer Schwerpunkt des Artikels ist die Auseinandersetzung mit Tod, Leiden und Erlösung. Bachl beschäftigt sich intensiv mit der Frage, was die persönliche Beziehung zwischen Gott und Mensch angesichts des Todes bedeutet. Während der Mensch im Leben durch die Begegnung mit anderen Menschen und durch den Blick Gottes Anerkennung erfährt, scheint der Tod jede Form von Beziehung und gegenseitiger Wahrnehmung zu zerstören. Daraus ergibt sich die grundlegende theologische Frage, ob Gott den Menschen auch im Sterben und im Tod weiterhin anschaut. Der Tod erscheint als radikale Bedrohung menschlicher Existenz, weil er das Gesicht, die Sprache, das Bewusstsein und die Möglichkeit persönlicher Begegnung auslöscht. Bachl nimmt diese Bedrohung ernst und versucht nicht, sie durch einfache religiöse Trostvorstellungen aufzulösen.

Besonders eindrücklich wird diese Problematik durch Bachls Schilderung des Sterbens seines Vaters. In dessen körperlicher Schwäche, Hilflosigkeit und Verletzlichkeit erkennt Bachl eine Verbindung zum leidenden Jesus. Das Leiden Jesu wird dabei nicht als abstraktes theologisches Ereignis betrachtet, sondern mit dem konkreten Leiden eines einzelnen Menschen verbunden. Gerade in dieser Erfahrung zeigt sich für Bachl die Bedeutung der Menschwerdung Gottes. Gott begegnet dem Menschen nicht außerhalb seiner leidvollen Wirklichkeit, sondern ist in ihr gegenwärtig. Erlösung bedeutet deshalb nicht in erster Linie, das Leiden nachträglich zu erklären oder ihm einen höheren Sinn zu verleihen. Vielmehr besteht sie in der Hoffnung, dass der Mensch auch im Sterben von Gott wahrgenommen wird und seine unverwechselbare Persönlichkeit nicht verloren geht. Gottes Blick bewahrt die Einzigartigkeit des Menschen, ohne sein Leiden zu verharmlosen oder zu rechtfertigen.

Diese Gedanken vertieft der Artikel anhand von Bachls Auseinandersetzung mit den Kunstwerken des österreichischen Künstlers Herbert Friedl. Dessen Bilder erinnern an die Opfer des Konzentrationslagers Mauthausen, ohne die betroffenen Menschen unmittelbar darzustellen. Stattdessen zeigen sie zurückgelassene Gegenstände, Kleidungsstücke und Orte, die auf die Abwesenheit der Ermordeten verweisen. Bachl bezeichnet diese Darstellungen als „Ikonen der Abwesenheit“. Sie machen deutlich, dass der Tod Menschen ihrer sichtbaren Gegenwart beraubt und sie scheinbar zu Dingen oder anonymen Nummern werden lässt. Gegen diese Entmenschlichung richtet sich Bachls theologisches Denken. Jeder einzelne Mensch besitzt eine unverwechselbare Geschichte und Würde, die nicht in einer allgemeinen Erklärung des Leidens aufgehen darf. Die Erinnerung an die Opfer verlangt deshalb, ihre Individualität ernst zu nehmen und ihr Leiden nicht durch religiöse Deutungen zu relativieren.

In diesem Zusammenhang greift Bachl auch die biblische Gestalt Rahels auf, die um ihre verlorenen Kinder weint und sich nicht trösten lassen will. Ihre Klage steht für die Weigerung, den Tod und das Leiden durch vorschnelle Trostbotschaften zu überdecken. Gott erscheint dabei nicht als eine Instanz, die das Leiden einfach erklärt, sondern als derjenige, der die Klage ermöglicht und das Leid jedes einzelnen Menschen wahrnimmt. Auch die Erlösung durch Christus darf nach Bachl nicht bedeuten, die Wahrheit des Leidens zu verdrängen. Vielmehr zeigt sich Gottes Liebe darin, dass sie sich dem konkreten menschlichen Schicksal vollständig zuwendet. Die Menschwerdung Gottes bedeutet in dieser Perspektive, dass Gott selbst mit der Verletzlichkeit und dem Leiden der Menschen verbunden ist.

Insgesamt entwickelt der Artikel ein Glaubensverständnis, das die persönliche Begegnung, die Freiheit und die unverwechselbare Würde jedes Menschen in den Mittelpunkt stellt. Bachls Theologie hinterfragt traditionelle Vorstellungen von Opfer, Erlösung und Kreuzestod, ohne die zentrale Bedeutung Jesu für den christlichen Glauben aufzugeben. Sie fordert dazu auf, Jesus zunächst als Menschen wahrzunehmen und seine eigene Lebensgeschichte ernst zu nehmen. Zugleich eröffnet sie eine Sicht auf Gott, der dem Menschen in Liebe begegnet und ihn auch angesichts von Leiden und Tod nicht aus dem Blick verliert. Für den Religionsunterricht bietet dieser Ansatz die Möglichkeit, mit Lernenden über das Gottesbild, die Menschlichkeit Jesu, die Bedeutung des Kreuzes, die Hoffnung auf Erlösung und den Umgang mit Leid und Tod nachzudenken. Besonders die Fragen nach persönlicher Würde, gegenseitiger Anerkennung und der Unverfügbarkeit menschlichen Lebens können dabei einen Zugang zu grundlegenden christlichen Glaubensinhalten eröffnen.

Hessen

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Sekundarstufe II | Q1 Jesus Christus – das menschgewordene Wort Gottes

Q1.2 Die Auferstehung Jesu: Hoffnung über den Tod hinaus.

Sekundarstufe II | Q4 Kirche – Gemeinde Jesu Christi

Q4.1 Selbstverständnis der Kirche.

Rheinland-Pfalz

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Sekundarstufe II | 12/1 Jesus Christus und die Kirche

12.1 / 1. Botschaft und Anspruch Jesu und das Selbstverständnis der frühen Kirche.

12.1 / 7. Jesus Christus - wahrer Gott und wahrer Mensch.

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