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Eulenfisch

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A Heaven you may create

Veröffentlichung:1.1.2023

Der Fachartikel „A Heaven you may create. Über die Botschaft der israelischen Band Orphaned Land“ von Matthias Cameran ist im Heft ru heute unter dem Themenschwerpunkt „Krieg und Frieden“ enthalten. Der Artikel umfasst 7 Seiten, S. 43 bis 49.

Der Beitrag zeigt, wie die israelische Band Orphaned Land musikalisch und inhaltlich für Frieden, Versöhnung und ein Zusammenleben in Verschiedenheit eintritt. Dabei behandelt der Fachartikel mehrere theologische und religionsbezogene Probleme: die Frage nach Gewalt und Frieden im Nahen Osten, die Rolle religiöser Überlieferungen im jüdisch christlich muslimischen Verhältnis, die Problematik von Erwählung und Ausgrenzung, die Verantwortung des Menschen angesichts von Leid und Krieg sowie die Frage, ob Erlösung durch einen Messias oder durch eigenes verantwortliches Handeln geschieht.

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Der Artikel stellt die israelische Band Orphaned Land und ihre Botschaft im Horizont von Krieg, Frieden und interreligiösem Zusammenleben vor. Ausgangspunkt ist ein Gespräch mit dem Sänger Kobi Farhi, das durch den Terrorangriff der Hamas auf Israel in einen konkreten Kriegszusammenhang hineingezogen wird. Schon dadurch wird deutlich, dass die Musik der Band nicht losgelöst von der politischen und religiösen Wirklichkeit des Nahen Ostens verstanden werden kann.

Zunächst zeichnet der Beitrag die Geschichte der Band nach. Gegründet wurde sie 1991 zunächst unter einem anderen Namen, ehe sie sich bald in Orphaned Land umbenannte. Schon dieser Name verweist auf die Erfahrung eines verwundeten und umkämpften Landes. Musikalisch entwickelte die Gruppe einen eigenen Stil, indem sie Metal mit arabischen und jüdischen Elementen verband. Die frühen Alben gelten als wichtige Beiträge zum Oriental Metal. Spätere Veröffentlichungen verbanden diese Einflüsse immer stärker mit Progressive Rock, Jazz, Folk und weiteren Stilrichtungen. Dadurch entstand ein eigenständiger Sound, der internationale Aufmerksamkeit gewann und die Band weit über Israel hinaus bekannt machte.

Der Artikel betont, dass nicht nur die Musik, sondern auch die Themen der Band aus ihrer Herkunft geprägt sind. Kobi Farhi beschreibt den Nahen Osten als kulturell reichen, zugleich aber konfliktreichen Raum. Musik soll deshalb dazu beitragen, Menschen nicht nur mit den politischen Konflikten, sondern auch mit der kulturellen Vielfalt der Region bekannt zu machen. Besonders dem Metal schreibt Farhi die Fähigkeit zu, Menschen verschiedener Herkunft und Religion zusammenzuführen. Orphaned Land wollen dabei nicht bei Anklage, Protest und Beschreibung des Abgründigen stehen bleiben. Ihre Musik benennt Missstände, will aber Hoffnung eröffnen. Deshalb spricht Farhi von positivem und optimistischem Metal. Musik soll verbinden und nicht spalten.

Ein zentrales Motiv des Artikels ist die Haltung der Band gegenüber politischen und religiösen Konflikten. Orphaned Land vertreten keine einfache parteipolitische Position und vermeiden starre ideologische Festlegungen. Gerade diese poetische Offenheit macht ihre Botschaft wirksam. In arabischen Ländern fand die Band trotz politischer Spannungen ein großes Publikum. Ihr Erfolg beruht nicht allein auf der Verbindung orientalischer und westlicher Klänge, sondern auf einer respektvollen Auseinandersetzung mit kulturellen und religiösen Unterschieden. Die Band sucht nicht Frieden durch Auflösung aller Differenzen, sondern strebt ein Zusammenleben in Verschiedenheit an. Gemeinsamkeit wird nicht gegen Unterschiede ausgespielt, sondern in ihnen gesucht.

Der Artikel erschließt diese Botschaft vor allem durch die Analyse einzelner Lieder. Im Song Fail wird die Welt als Kreislauf von Krieg, Machtgier, Unterdrückung und Manipulation beschrieben. Das Lied benennt die Erfahrung, dass Menschen in Systeme des Bösen verstrickt sind und sich aus diesen kaum lösen können. Der Einzelne erscheint dabei zugleich als Opfer und Mitwirkender. Das Böse wirkt wie ein endloser Kreislauf, der immer neue Gewalt hervorbringt. Damit formuliert das Lied eine ernüchternde Diagnose der menschlichen Geschichte.

Im Song Children wird diese Erfahrung aus der Perspektive der jungen Generation aufgenommen. Die Kinder fragen, wie sie in einer solchen Welt leben sollen. Die Zukunft erscheint bedroht, und es steht die angstvolle Frage im Raum, ob die nächste Generation zwangsläufig dieselben zerstörerischen Muster übernehmen muss wie die vorherige. Hier zeigt sich die tiefe Skepsis der Band gegenüber festgefahrenen Gewaltstrukturen.

Besonders wichtig ist der Song Let the Truce be known. Er erzählt von zwei Jungen, die gemeinsam aufwachsen und später durch den Krieg zu Feinden gemacht werden. In einem Waffenstillstand begegnen sie sich als Erwachsene wieder und erkennen ihre frühere Verbundenheit. Erst im Moment ihres Todes wird deutlich, dass sie einander immer schon näher standen als den Kriegslogiken, in die sie hineingezogen wurden. Das Lied durchbricht damit die Vorstellung vom Feind und erinnert an eine tiefere Brüderlichkeit. Der Begriff Bruder verweist im Artikel zugleich auf die biblische Überlieferung von Isaak und Ismael und damit auf die jüdisch muslimische Konfliktgeschichte. Die Band greift also religiöse Erzählungen auf, um Gegenwart zu deuten und andere Zukunftsmöglichkeiten zu eröffnen.

Dieses Motiv wird durch das Konzeptalbum Knaan vertieft. Dort werden die familiären Konflikte in der Abrahamserzählung nachgezeichnet. Der Artikel betont, dass die Darstellung bewusst empathisch bleibt und keine der religiösen Deutungstraditionen absolut setzt. Statt Partei zu ergreifen, zeigt die Band, wie Menschen zu Gefangenen der Vergangenheit werden können, wenn sie sich immer wieder in alte Erzählungen von Blut, Schuld und Erwählung einschließen. Erlösung kann dann nur im Durchbrechen dieses Kreislaufs des Hasses liegen.

Ein Höhepunkt dieser Perspektive ist der Song Brother. In ihm spricht ein Nachfahre Isaaks zu seinem Bruder Ismael und bittet um Vergebung. Der Song deutet die biblische Vorgeschichte als Ursprung eines bis heute wirksamen Konflikts, ohne dabei die Schuld nur einer Seite zuzuschreiben. Entscheidend ist vielmehr die Einsicht, dass die Beteiligten Brüder sind. Versöhnung beginnt mit der veränderten Wahrnehmung des anderen. Wer im Gegenüber nicht mehr den Feind, sondern den Bruder erkennt, eröffnet einen neuen Weg.

Das Leitmotiv All Is One fasst diese Haltung programmatisch zusammen. Der Satz meint nicht Gleichmacherei, sondern die Einsicht in eine gemeinsame Herkunft und Verbundenheit aller Menschen. Daraus ergibt sich die Entscheidung, den Schmerz vergangener Kriege entweder fortzuschreiben oder eine neue Erzählung zu beginnen. Die Band ruft dazu auf, das Verbindende zu suchen und damit eine neue Tradition des Miteinanders zu eröffnen. Der Mensch soll sich nicht länger von Ideologien, Machtinteressen und Feindbildern bestimmen lassen.

Dabei kommt dem Einzelnen große Verantwortung zu. Im Song Simple Man beschreibt sich der Sänger als einfacher Mensch, der eine Friedensbotschaft verkündet, ohne sich selbst zu erhöhen. Er will weder Messias noch Anführer sein. Vielmehr soll jeder Mensch selbst handeln. Diese Linie wird im Song Our own Messiah weitergeführt. Dort wird kritisiert, dass Menschen sich blind Autoritäten unterwerfen und auf ein rettendes Eingreifen von außen hoffen. Die Botschaft lautet, dass Veränderung nicht durch passives Warten entsteht. Menschen müssen selbst Verantwortung übernehmen. Wenn davon gesprochen wird, dass wir selbst der Messias sind, den wir brauchen, ist das nicht als Selbstvergöttlichung gemeint, sondern als Aufruf zum Handeln.

Das Album Unsung Prophets and Dead Messiahs führt diesen Gedanken fort. Es handelt von Menschen, die prophetisch auf Missstände hinweisen, manipulierte Gesellschaften kritisieren und dennoch scheitern oder getötet werden. Das Bild erinnert an die Rolle biblischer Propheten. Der Artikel betont jedoch, dass ihr Handeln nicht vergeblich ist. Auch wenn sie die Welt nicht sofort verändern, bleibt ihr Zeugnis bedeutsam. Die Aufforderung lautet, den Auftrag zum Widerstand gegen Unheil nicht abzubrechen.

Im letzten Teil bündelt der Artikel die Botschaft der Band. Die Einsicht All Is One soll befreiend wirken. Sie ruft zu prophetischem Handeln auf und ermutigt, in den eigenen Möglichkeiten einen neuen Anfang zu wagen. Orphaned Land bezeugen dies nicht nur in ihren Texten, sondern auch in konkreten Kooperationen, etwa mit einer arabisch palästinensischen Band. Solche Schritte bleiben klein und vorläufig, sind aber getragen von der Hoffnung auf eine andere Zukunft. Der Titel A Heaven you may create bringt diese Hoffnung auf den Punkt. Frieden erscheint hier nicht als bloßer Traum, sondern als Aufgabe des Menschen, der im Handeln schon jetzt an einer anderen Welt mitbauen kann.

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