Der Artikel beschreibt ein innovatives Projekt in der Herz Jesu Kirche in Dillenburg, bei dem der Kirchenraum als Lichter und Meditationskirche neu gestaltet wurde. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Kirchen zwar das Stadtbild prägen, viele Menschen jedoch selten einen Kirchenraum betreten. Die Erfahrungen mit Gottesdiensten sind unterschiedlich. Manche Menschen erleben sie als stärkend für den Glauben, andere erinnern sich an monotone Predigten oder unverständliche Rituale. Deshalb stellt sich die Frage, wie Kirchenräume heute so gestaltet werden können, dass Menschen sie wieder bewusst aufsuchen und als Ort der Stille und Besinnung wahrnehmen.
Die Herz Jesu Kirche steht zentral am Wilhelmsplatz in Dillenburg und ist täglich geöffnet. Viele Menschen bewegen sich in diesem Bereich, darunter auch Touristinnen und Touristen. Um diese Menschen stärker einzuladen, den Kirchenraum zu betreten, entwickelte das Pastoralteam die Idee einer Lichter und Meditationskirche. Nach einem längeren Planungsprozess und mit finanzieller Unterstützung aus regionalen Fördermitteln konnte das Projekt umgesetzt werden. Im März 2024 wurde die Installation offiziell eröffnet.
Zentraler Bestandteil ist ein Terminal mit Touchscreen. Besucherinnen und Besucher können dort selbst auswählen, welche Lichtfarben den Altarraum beleuchten sollen. Unterschiedliche Farbkompositionen erzeugen jeweils eine eigene Atmosphäre im Kirchenraum. Zusätzlich können Musikstücke, Gebete, Meditationen oder Texte abgespielt werden. Dadurch wird es möglich, den Aufenthalt in der Kirche individuell zu gestalten und persönliche Formen der Meditation zu entwickeln.
Die Rückmeldungen der Besucherinnen und Besucher sind sehr positiv. Es wird berichtet, dass Menschen länger in der Kirche verweilen und auch Personen, die sonst wenig Bezug zur Kirche haben, neugierig werden. Der Kirchenraum wird so zu einem Ort der Begegnung, der Ruhe und der Inspiration.
Ein wichtiges Element des Projekts ist die Beteiligung unterschiedlicher Gruppen. Inhalte werden nicht nur vom Pastoralteam bereitgestellt, sondern gemeinsam mit Menschen aus der Pfarrei entwickelt. Auch Kooperationen mit Schulen sind geplant. Lernende können beispielsweise Podcasts zu religiösen Fragen erstellen oder einen Kirchenführer für Kinder entwickeln. Darüber hinaus sind Projekte mit kulturellen Einrichtungen, Musikgruppen und sozialen Organisationen vorgesehen.
Die Lichter und Meditationskirche verbindet somit Spiritualität, kulturelle Angebote und gemeinschaftliche Beteiligung. Ziel ist es, den Kirchenraum als besonderen Ort erfahrbar zu machen, der sich von alltäglichen Räumen unterscheidet. Menschen sollen hier zur Ruhe kommen, innehalten und neue Zugänge zu religiösen Erfahrungen entdecken. Der Kirchenraum wird dadurch zu einem offenen Ort, der sowohl Glaubende als auch Suchende anspricht und ihnen Raum für persönliche spirituelle Erfahrungen bietet.