Der Artikel beschreibt eine Ausstellung des zeitgenössischen Künstlers Michael Morgner an der Philosophisch Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt. Morgner wurde 1942 in Chemnitz geboren und zählt zu bedeutenden Künstlern der Gegenwart. Nach seinem Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig arbeitete er als Zeichner, Grafiker, Maler und Bildhauer. Seine Werke greifen häufig Motive aus der christlichen Tradition auf und setzen sich mit grundlegenden Fragen menschlicher Existenz auseinander.
Die Ausstellung trägt den Titel Reliquie Mensch. Sie wurde im Zeitraum zwischen Ostern und Pfingsten 2024 gezeigt und umfasst mehrere Werke, die an verschiedenen Orten des Hochschulcampus ausgestellt sind. Ziel der Ausstellung ist es, Kunst, Wissenschaft und Spiritualität miteinander in Beziehung zu setzen und Themen wie Leiden, Tod und Hoffnung auf Auferstehung sichtbar zu machen. Ein wichtiges Element ist dabei ein großes Schweißtuch aus zahlreichen Seidenpapierblättern, das an mittelalterliche Fastentücher erinnert. Diese Tradition bestand darin, während der Fastenzeit den Altarraum zu verhüllen. Morgner greift diese historische Form auf und überträgt sie in eine zeitgenössische künstlerische Gestaltung.
Ein zentrales Werk der Ausstellung ist eine Skulptur mit dem Titel Kreuz Reliquie Mensch. Sie zeigt ein gleichseitiges Kreuz, in dessen Innerem sich eine menschliche Figur befindet. Diese Figur wird als aufsteigende Gestalt dargestellt, die zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit angesiedelt ist. Die Figur wirkt zugleich gefangen und aufgerichtet. Dadurch entsteht eine Spannung zwischen Leid und Hoffnung. Die Inschriften Ecce und Homo verweisen auf die biblische Szene, in der Pontius Pilatus den gequälten Jesus der Menge mit den Worten Siehe der Mensch zeigt. Die Skulptur verweist damit auf das Leiden unschuldiger Menschen und stellt zugleich die Frage nach der Hoffnung über den Tod hinaus. Im liturgischen Kontext einer Kirche gewinnt dieses Werk eine zusätzliche Bedeutung, da das Kreuz dort mit dem christlichen Glauben an die Auferstehung verbunden ist.
Ein weiteres Werk ist ein großformatiges Leinwandbild mit dem Titel Ohne Titel Israel Ukraine usw. Das Bild wirkt zunächst chaotisch und schwer zu deuten. Die Oberfläche ist bewusst verletzt und unruhig gestaltet. Verschiedene Materialien wie Zeitungspapier, Büttenpapier, Tusche und Collageelemente sind übereinander geschichtet. Durch ein künstlerisches Verfahren werden Teile der oberen Schichten wieder entfernt, sodass darunterliegende Strukturen sichtbar werden. Auf diese Weise entsteht eine Bildoberfläche, die an Verwundungen erinnert.
In dem Bild lassen sich verschiedene menschenähnliche Formen erkennen. Einige Figuren erscheinen leer oder fragmentiert. Besonders auffällig ist eine Doppelfigur, die an die Darstellung des gekreuzigten Christus erinnert. Die Hinweise auf Israel und die Ukraine im Titel verweisen auf aktuelle Kriege und politische Konflikte. Das Bild wird dadurch zu einer künstlerischen Auseinandersetzung mit Gewalt, Zerstörung und menschlichem Leid. Die leeren Figuren stehen für die vielen Opfer von Krieg und Gewalt. Gleichzeitig wird eine Verbindung zur Passion Jesu hergestellt, der ebenfalls unschuldig verurteilt und getötet wurde.
Der Artikel zeigt, dass Morgners Kunst stark von der Sorge um den Menschen geprägt ist. Seine Werke machen die Zerbrechlichkeit menschlicher Existenz sichtbar und kritisieren Gewalt und Unrecht. Durch die Verbindung von christlicher Symbolik und zeitgenössischen Themen entsteht eine Kunst, die Betrachter zum Nachdenken über Leid, Verantwortung und Hoffnung anregt. Die Ausstellung an der Hochschule macht deutlich, dass Kunst einen wichtigen Beitrag zum Dialog zwischen Religion, Wissenschaft und gesellschaftlichen Fragen leisten kann.