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Eulenfisch

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Wir sind nur Fremde und Gäste auf Erden

Veröffentlichung:1.1.2024

Der Fachartikel „Wir sind nur Fremde und Gäste auf Erden. Pilgern in der Bibel“ von Beate Kowalski ist im religionspädagogischen Heft ru heute erschienen und umfasst etwa 3 Seiten (S. 24–26). Der Beitrag zeigt, dass das Motiv des Pilgerns ein zentrales biblisches Grundmotiv ist und das Selbstverständnis von Glaubenden prägt. Thematisiert werden theologische Fragen nach der Identität des Menschen als Fremder in der Welt, nach der Gottesbegegnung auf dem Weg und nach der Bedeutung von Wallfahrt, Nachfolge und Vertrauen auf Gott im Leben der Glaubenden.

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Der Artikel beschreibt Pilgern als ein zentrales Bild des jüdisch christlichen Glaubens. Die Bibel versteht das Leben des Menschen als einen Weg zu Gott. Glaubende begreifen sich dabei als Fremde und Gäste auf der Erde, die ihr Leben lang auf der Suche nach Gott unterwegs sind. Dieses Motiv zieht sich durch viele biblische Texte und prägt die Identität des Volkes Gottes ebenso wie die Nachfolge Jesu.

Der Ursprung dieser Vorstellung liegt bereits in der Geschichte Abrahams. In der Bibel wird der Ursprung Israels mit der Formulierung beschrieben, dass der Vater ein heimatloser Aramäer gewesen sei. Das Volk Israel versteht sich daher als ein Volk, das von Gott geführt wird und dessen Geschichte von Unterwegssein und Fremdsein geprägt ist. Diese Erfahrung bleibt auch dann Teil der Identität, als das Volk sesshaft wird. Auch Jesus lebt in dieser Tradition und beschreibt seine eigene Situation als Heimatlosigkeit. Wer ihm nachfolgt, lebt ebenfalls als Fremder in dieser Welt und orientiert sein Leben an Gott.

Im Alten Testament ist Pilgern eng mit Wallfahrten zu bestimmten Heiligtümern verbunden. Besonders wichtig ist Jerusalem als zentraler Ort der Gottesbegegnung. Eine Pilgerreise braucht ein Ziel, einen heiligen Ort, an dem Menschen die Nähe Gottes erfahren können. Diese Orte werden zu Begegnungsorten zwischen Gott und Mensch und sind zugleich Orte der seelsorglichen Begleitung. Ein Beispiel dafür ist die Wallfahrt von Elkana und Hanna zum Heiligtum von Schilo. Hanna bringt dort ihre persönliche Not vor Gott zum Ausdruck. Ihre Kinderlosigkeit wird zum Anlass eines intensiven Gebets und eines Gelübdes. Der Wallfahrtsort wird dadurch zu einem Ort der Hoffnung, an dem Menschen ihre tiefsten Wünsche und Sorgen vor Gott bringen können.

Wallfahrten haben neben dem Ziel auch einen Anlass und ein Anliegen. Menschen pilgern, um Gott anzubeten, um Dank auszudrücken oder um Hilfe zu erbitten. Gleichzeitig können sie auf ihrem Weg auch auf Unverständnis stoßen, wie das Beispiel des Priesters Eli zeigt, der Hannas Gebet zunächst missversteht. Dennoch bleiben solche Orte wichtige Räume der Gottesbegegnung und der inneren Klärung.

Neben bestimmten Orten spielen auch bestimmte Zeiten eine wichtige Rolle. Im Alten Testament strukturieren religiöse Feste das Leben der Glaubenden. Besonders drei große Feste werden mit Wallfahrten nach Jerusalem verbunden. Dadurch wird das religiöse Leben durch regelmäßige Pilgerbewegungen geprägt. Auch das Leben Jesu wird in den Evangelien teilweise durch solche Wallfahrten nach Jerusalem strukturiert, besonders im Zusammenhang mit dem Paschafest.

Pilgerreisen sind jedoch nicht nur äußere Reisen. Sie können zu tiefen spirituellen Erfahrungen führen. Ein Beispiel dafür ist der Prophet Elija. In einer Lebenskrise wird er auf eine Pilgerreise zum Gottesberg Horeb geführt. Dort begegnet er Gott nicht in spektakulären Zeichen, sondern in einer leisen und kaum wahrnehmbaren Erfahrung. Diese Begegnung stärkt ihn für seinen weiteren Weg.

Auch die Geschichte der Emmausjünger zeigt die Bedeutung eines Weges als Ort der Gottesbegegnung. Die beiden Jünger gehen enttäuscht und traurig von Jerusalem nach Emmaus. Unterwegs begegnen sie dem auferstandenen Jesus, erkennen ihn jedoch zunächst nicht. Erst beim Brotbrechen wird ihnen klar, wer sie begleitet hat. Ihr Weg verwandelt sich dadurch von Trauer in Hoffnung. Pilgern bedeutet daher auch, offen für unerwartete Begegnungen zu sein und Christus im eigenen Leben zu entdecken.

Ein wesentliches Element des Pilgerns ist das Gebet. Besonders die Psalmen spielen dabei eine wichtige Rolle. Einige Psalmen werden ausdrücklich als Wallfahrtslieder bezeichnet und begleiten die Pilger auf ihrem Weg nach Jerusalem. In ihnen kommen Hoffnung, Vertrauen und Freude über die Nähe Gottes zum Ausdruck. Gleichzeitig stellen sie hohe moralische Anforderungen an die Pilger. Wer zu Gott unterwegs ist, soll ein gerechtes Leben führen, wahrhaftig handeln und sich an Gottes Gebote halten.

Pilgern fordert daher eine innere Haltung der Offenheit und der Bereitschaft zur Veränderung. Es geht nicht um äußere Frömmigkeit oder religiöse Inszenierung, sondern um eine innere Reise zu sich selbst, zu anderen Menschen und zu Gott. Pilgerreisen können so zu Übungen des Glaubens werden, in denen Menschen ihre eigene Abhängigkeit von Gott erkennen und lernen, ihm zu vertrauen.

Das Leben Jesu wird in den Evangelien ebenfalls als eine Form der Pilgerschaft dargestellt. Er ist ständig unterwegs zu den Menschen und gleichzeitig auf dem Weg zu seinem Vater. Seine Nachfolgerinnen und Nachfolger ruft er zu einer radikalen Form der Nachfolge auf, die auf Besitz und Sicherheit verzichtet und ganz auf Gott vertraut. Auch der Apostel Paulus lebt diese Form des Pilgerns auf seinen Missionsreisen. Trotz vieler Schwierigkeiten bleibt er seiner Berufung treu und versteht sein Leben als Dienst an der Verkündigung des Evangeliums.

Der Artikel kommt zu dem Ergebnis, dass Pilgern ein grundlegendes Bild für den Glauben ist. Der Mensch ist unterwegs zu Gott und lernt auf diesem Weg Vertrauen, Hoffnung und Offenheit für Gottes Handeln. Pilgerreisen sind daher nicht nur religiöse Traditionen, sondern Ausdruck eines Lebensweges im Glauben.

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