Der Artikel geht von der Frage aus, wie das Bekenntnis von Nizäa heute verständlich und glaubwürdig erschlossen werden kann. Ausgangspunkt ist die Aussage, dass Jesus Christus wahrer Gott aus wahrem Gott und eines Wesens mit dem Vater sei. Der Verfasser macht deutlich, dass solche Formeln nicht einfach als starre Lehrsätze gelesen werden dürfen, sondern als Versuche, das Geheimnis Gottes in Sprache zu fassen. Christologische Aussagen markieren deshalb keinen Abschluss theologischen Denkens, sondern eröffnen einen Horizont, in dem weitergedacht werden muss. Bilder, Metaphern und symbolische Formen spielen dabei eine wichtige Rolle, weil sie die Transzendenz Gottes offenhalten und zugleich religiöse Orientierung ermöglichen.
Im Zentrum des Artikels steht das theologische Grundproblem der Alten Kirche. Christinnen und Christen glauben, dass Gott allein erlöst. Zugleich bekennen sie, dass die Erlösung in Jesus Christus geschieht. Daraus ergibt sich die Frage, wer Jesus eigentlich ist. Diese Frage verschärft sich im hellenistischen Denken, das Gott als unveränderlich, leidenslos und über der Welt stehend versteht. Vor diesem Hintergrund erscheint es zunächst kaum denkbar, dass Gott selbst in einem leidenden Menschen gegenwärtig sein könnte. Genau daraus entsteht die christologische Suche der frühen Kirche.
Der Autor beschreibt zunächst den judenchristlichen Adoptianismus als einen Lösungsversuch. In dieser Vorstellung wird Jesus als von Gott erwählter und angenommener Mensch verstanden. Durch seinen vollkommenen Gehorsam erhält er eine besondere Nähe zu Gott. Diese Deutung wahrt zwar die Einzigkeit Gottes, reicht aber nicht aus, um Jesus als wahren göttlichen Erlöser zu verstehen. Ein von Gott angenommener Mensch ist noch nicht Gott selbst, der erlöst.
Als zweiten wichtigen Lösungsversuch stellt der Artikel die Logoschristologie dar. Sie knüpft an jüdische und hellenistische Denktraditionen an, besonders an Philon von Alexandrien. Hier wird der Logos als Mittler zwischen Gott und Welt verstanden. Justin der Märtyrer greift dieses Modell auf und deutet Jesus Christus als Erscheinung dieses Logos. Dadurch lässt sich die Nähe Gottes zur Welt denken, ohne die Transzendenz Gottes ganz aufzugeben. Gleichzeitig entsteht aber eine neue Frage, nämlich welchen Status dieser Logos eigentlich hat. Bleibt er Gott oder ist er doch ein geschaffenes Wesen.
An dieser Stelle kommt Arius in den Blick. Arius versteht den Logos als erstes und höchstes Geschöpf Gottes. Damit will er die Einzigkeit und Unvergleichlichkeit Gottes sichern. Nach dieser Auffassung ist Christus nicht wahrhaft Gott, sondern ein von Gott hervorgebrachtes Wesen, das zwischen Gott und Welt vermittelt. Der Artikel zeigt, dass diese Position zwar einen bedeutenden Denkschritt darstellt, aber letztlich das Problem nicht löst. Wenn Christus nur ein Geschöpf ist, dann kann in ihm nicht Gottes ganze rettende Nähe gegenwärtig sein.
Außerdem erklärt der Verfasser das Problem einer Christologie, in der das Menschliche Jesu zu wenig ernst genommen wird. In der sogenannten Logos Sarx Vorstellung erscheint der göttliche Logos nur im Fleisch, ohne dass Jesus wirklich als ganzer Mensch gedacht wird. Dann wird Jesus eher als von Gott gelenkte Hülle verstanden als als wirklicher Mensch. Dadurch gerät das Gleichgewicht zwischen Göttlichkeit und Menschlichkeit aus der Balance. Auch dieses Ungleichgewicht fordert die theologische Reflexion weiter heraus.
Vor diesem Hintergrund beschreibt der Artikel das Konzil von Nizäa. Kaiser Konstantin berief es im Jahr 325 ein, vor allem um die arianische Krise zu befrieden und die Einheit des Reiches und der Kirche zu sichern. Das Glaubensbekenntnis von Nizäa erklärt gegen Arius, dass der Sohn nicht geschaffen, sondern gezeugt und dem Vater wesensgleich ist. Damit wird ausgesagt, dass der Sohn ganz zu Gott gehört und nicht nur ein Geschöpf oder ein blasses Abbild Gottes ist. Jesus Christus ist nach Nizäa nicht weniger als Gott selbst in rettender Nähe zu den Menschen.
Der Artikel betont zugleich, dass diese Formeln nicht naturalistisch missverstanden werden dürfen. Sie sind keine fertigen Beschreibungen des inneren Wesens Gottes, sondern sprachliche Annäherungen im Rahmen einer suchenden Christologie. Die Aussage von der Wesensgleichheit will deutlich machen, dass Gott sich in Jesus Christus den Menschen wirklich und radikal nahe bringt. In Jesus zeigt sich Gott nicht nur symbolisch oder abgeschwächt, sondern in einer Weise, die seine Liebe und seine Zuwendung konkret erfahrbar macht.
Für die Gegenwart bedeutet das nach Hauser, dass Christologie nicht beim Auswendiglernen alter Formeln stehen bleiben darf. Entscheidend ist, dass diese Formeln als Deutungen der Erfahrung gelesen werden, dass Gott im Handeln und in der Liebe Jesu gegenwärtig ist. Christus wird demnach besonders im Nächsten gefunden, in konkreten Beziehungen, in Liebe, Hingabe und Nachfolge. Das Konzil von Nizäa ist deshalb kein Endpunkt, sondern ein wichtiger Schritt in einem langen theologischen Lernprozess. Es fordert auch heute dazu heraus, die eigene Gottesvorstellung zu überdenken und neue sprachliche und bildhafte Zugänge zum Glauben zu suchen.