Der Artikel beschreibt, wie Metaphern und Lieder im Religionsunterricht genutzt werden können, um das Selbstverständnis der Kirche zu erschließen. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Metaphern nicht nur sprachliche Bilder sind, sondern Identität stiften und Gemeinschaft prägen. Dies zeigt sich beispielsweise bei Fußballvereinen, deren Namen und Symbole ein gemeinsames Selbstverständnis ausdrücken. Metaphern bündeln Eigenschaften und erzeugen starke Vorstellungen, die über eine einfache Beschreibung hinausgehen.
Übertragen auf die Kirche bedeutet dies, dass ihr Wesen nicht nur in abstrakten Begriffen beschrieben wird, sondern häufig in bildhaften Metaphern. Im novellierten Hessischen Kerncurriculum der Oberstufe spielt diese Erkenntnis eine wichtige Rolle. Dort wird betont, dass das Selbstverständnis der Kirche als Mysterium in Metaphern beschrieben wird. Besonders bedeutsam sind dabei die Leitmetaphern Leib Christi und Volk Gottes.
Der Artikel schlägt vor, diese Metaphern im Unterricht mit anderen Themen des Curriculums zu verbinden. Die Metapher des Leibes Christi kann beispielsweise mit der Entstehung der Kirche aus der Gemeinschaft der ersten Christen verbunden werden. Die Metapher des Volkes Gottes lässt sich besonders gut mit den neuen Perspektiven verbinden, die durch das Zweite Vatikanische Konzil entwickelt wurden.
Für die Erarbeitung der historischen Grundlagen können Religionsbücher sowie weitere Materialien genutzt werden. Dabei wird zunächst die Entwicklung von der Gemeinschaft der ersten Anhänger Jesu zur frühen Kirche untersucht. Lernende können diese Entwicklung durch verschiedene Lernprodukte darstellen, etwa durch ein Sequenzdiagramm oder kreative Aufgaben wie das Gestalten eines fiktiven Social Media Auftritts der Urgemeinde.
Ein zentraler Schritt ist anschließend die Auseinandersetzung mit der Metapher des Leibes Christi. Grundlage dafür kann der biblische Text aus dem ersten Korintherbrief sein, der die Kirche als einen Leib mit vielen Gliedern beschreibt. Diese Metapher verdeutlicht, dass alle Mitglieder der Kirche unterschiedliche Aufgaben haben, aber gemeinsam eine Einheit bilden.
Um das Verständnis für Metaphern zu vertiefen, empfiehlt der Artikel eine Einführung in die Theorie metaphorischer Sprache. Dadurch lernen die Lernenden, wie Metaphern funktionieren und welche Bedeutung sie für religiöse Aussagen haben.
Besonders geeignet für die Vertiefung dieser Metapher sind Kirchenlieder. Lieder können das Selbstverständnis einer Gemeinschaft besonders gut ausdrücken, weil sie emotionale und gemeinschaftsstiftende Wirkung besitzen. Im Unterricht können Lernende Kirchenlieder analysieren, die die Metapher des Leibes Christi aufnehmen. Beispiele sind Lieder, die die Gemeinschaft der Kirche als einen Leib beschreiben.
Neben der Analyse bestehender Lieder können Lernende auch eigene Texte oder Lieder entwickeln. Dabei können sie zentrale Aspekte der frühen christlichen Gemeinschaft aufnehmen, etwa Gemeinschaft, Gebet, Teilen und das Wirken des Heiligen Geistes. Der Artikel weist darauf hin, dass bei solchen kreativen Aufgaben auch digitale Werkzeuge oder künstliche Intelligenz eingesetzt werden können, sofern dies den schulischen Richtlinien entspricht.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Metapher des Volkes Gottes. Diese Metapher wurde besonders durch das Zweite Vatikanische Konzil hervorgehoben. Sie beschreibt die Kirche als eine Gemeinschaft von Menschen, die gemeinsam auf ihrem Weg des Glaubens unterwegs sind. Dieses Verständnis betont stärker die Gemeinschaft aller Gläubigen und ihre gemeinsame Verantwortung.
Als didaktischer Zugang wird das Kirchenlied Ein Haus voll Glorie schauet vorgeschlagen. Dieses Lied existiert in einer älteren Version aus dem 19. Jahrhundert und in einer überarbeiteten Version nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Der Vergleich der beiden Fassungen zeigt deutlich, wie sich das Kirchenverständnis verändert hat.
Die ältere Version betont ein starkes und kämpferisches Bild der Kirche, das stark vom historischen Kontext des Kulturkampfes geprägt ist. Die Kirche erscheint darin als feste und verteidigungsbereite Gemeinschaft. In der neueren Version verschiebt sich der Schwerpunkt. Das Kirchenverständnis orientiert sich stärker an der Communio Ekklesiologie des Konzils. Die Kirche wird nun als Gemeinschaft verstanden, die Zeugnis in der Welt gibt und aus der Verbindung mit Jesus Christus lebt.
Neue Bilder wie das wandernde Gottesvolk oder das Zelt Gottes auf Erden bringen ein dynamischeres Verständnis der Kirche zum Ausdruck. Die Kirche erscheint nicht mehr als statische Institution, sondern als Gemeinschaft auf einem gemeinsamen Weg.
Der Artikel schlägt vor, diese Veränderungen im Unterricht zu analysieren und mit Texten des Zweiten Vatikanischen Konzils zu verbinden, insbesondere mit der dogmatischen Konstitution Lumen Gentium. Dadurch können Lernende nachvollziehen, wie sich das Selbstverständnis der Kirche historisch entwickelt hat.
Abschließend wird darauf hingewiesen, dass Metaphern im Laufe der Zeit ihre Wirkung verlieren können. Deshalb sollte im Unterricht auch die Frage gestellt werden, ob die verwendeten Metaphern heute noch verständlich und aussagekräftig sind. Neue Begriffe wie der synodale Weg könnten dabei eine aktuelle Weiterentwicklung der Metapher des wandernden Gottesvolkes darstellen.