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Erzbistum Köln

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Gemeinsamkeiten stärken – Unterschieden gerecht werden

Veröffentlichung:1.1.2023

Der Fachartikel ist in dem Heft "impulse" unter dem Titel „Gemeinsamkeiten stärken, Unterschieden gerecht werden. Ökumenische Impulse“ mit vier Seiten enthalten.

Der Artikel beschreibt, wie sich das ökumenische Denken verändert hat. Nicht mehr das Trennende steht zuerst im Mittelpunkt, sondern das Verbindende zwischen den christlichen Kirchen. Zugleich zeigt der Beitrag, dass echte Ökumene Unterschiede nicht verschweigt, sondern im Respekt vor dem Glauben des anderen bearbeitet. Theologisch behandelt der Fachartikel vor allem Probleme des Kirchenverständnisses, der Einheit der Kirche, der Wahrheit des Glaubens, der Anerkennung anderer Konfessionen als christlich, der Rechtfertigung, der Umkehr und Erneuerung der Kirche sowie der Versöhnung belasteter Erinnerung.

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Der Artikel zeigt, dass Ökumene erst möglich wurde, als sich der Blick der Kirchen verändert hat. Früher stand vor allem die Abgrenzung im Vordergrund. Andere Konfessionen wurden oft als Irrweg betrachtet, vor dem man sich schützen oder den man überwinden musste. In der neueren Zeit setzte sich jedoch zunehmend die Einsicht durch, dass zuerst nach dem gefragt werden muss, was die Kirchen miteinander verbindet. Darum versucht die ökumenische Bewegung von Anfang an, den gemeinsamen Kern des christlichen Glaubens zu benennen und zugleich der Vielfalt kirchlicher Traditionen gerecht zu werden. Als wichtiger Ausdruck dieses gemeinsamen Fundaments wird die Basisformel der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen genannt. In ihr bekennen sich die Kirchen gemeinsam zu Jesus Christus als Gott und Heiland und damit zu ihrer gemeinsamen christlichen Identität.

Der Artikel betont, dass diese neue Sichtweise eine wiederentdeckte Geschwisterlichkeit zwischen den Kirchen ermöglicht hat. Trotz aller Unterschiede können sich Christinnen und Christen verschiedener Konfessionen als miteinander verbunden verstehen. Daraus folgt, dass Kirche größer ist als die jeweils eigene Konfession. Außerhalb der eigenen Kirche gibt es kein kirchliches Vakuum. Deshalb kann Ökumene nicht mehr als Rückkehr zur allein wahren Kirche verstanden werden, sondern als gemeinsames Suchen nach der von Gott gewollten Einheit. Der ökumenische Partner ist also nicht nur als Mensch zu achten, sondern ausdrücklich auch in seinem Christsein ernst zu nehmen.

Gleichzeitig verschweigt der Artikel nicht, dass es weiterhin kirchentrennende Differenzen gibt. Diese werden in zahlreichen ökumenischen Dialogen offen besprochen. Ökumene bedeutet deshalb nicht Harmonie um jeden Preis, sondern schließt auch Diskussion, Ringen und Streit um das rechte Verständnis des Glaubens ein. Solche Auseinandersetzungen sind aber nur fruchtbar, wenn sie auf der Grundlage der gegenseitigen Anerkennung geführt werden. Die Kirchen sollen sich trotz bleibender Unterschiede weiterhin als christliche Gemeinschaften begegnen und miteinander im Gespräch bleiben.

Im Zentrum des Artikels stehen dann mehrere Grundhaltungen für ein gelingendes ökumenisches Miteinander. Die erste Haltung besteht darin, dem anderen zu glauben. Gemeint ist, dass man die andere Konfession nicht vorschnell aus der eigenen Sicht beurteilt, sondern zunächst ernst nimmt, wie sie selbst ihren Glauben versteht und lebt. Dies setzt Wohlwollen, Vertrauen und die Bereitschaft voraus, fremde Ausdrucksformen des Glaubens zunächst als mögliche legitime Gestalten christlichen Glaubens zu verstehen. Erst danach können kritische Nachfragen oder Widerspruch folgen. Eine zweite Haltung besteht darin, die ökumenischen Partner beim eigenen Reden und Handeln mitzudenken. Kirchliche Aussagen sollen möglichst so formuliert werden, dass sie nicht unnötig missverständlich wirken. Eine dritte Haltung fordert, keinen unnötigen Anstoß zu geben. Besonders an strittigen Punkten sollen Kirchen Rücksicht aufeinander nehmen und nicht bewusst provozieren.

Als weitere wichtige Haltung nennt der Artikel die Bereitschaft, von anderen zu lernen. Keine Kirche verwirklicht den christlichen Glauben in seiner ganzen Fülle. Darum können und sollen die Kirchen voneinander lernen. Das ökumenische Miteinander ist ein gemeinsamer Wachstumsprozess, in dem sich die Kirchen gegenseitig bereichern. Dazu gehört auch die Fähigkeit, Kritik anzunehmen. Wer wirklich ökumenisch offen ist, muss bereit sein, berechtigte Einwände der anderen Konfessionen aufzunehmen und das eigene Handeln oder Lehren zu überprüfen. Dies verbindet der Artikel mit der Einsicht, dass Kirche immer erneuerungsbedürftig ist.

Ein besonders wichtiger Gedanke des Textes ist schließlich die Versöhnung als Heilung der Erinnerungen. Die Kirchen tragen eine Geschichte gegenseitiger Verletzungen mit sich. Diese Geschichte muss wahrgenommen und aufgearbeitet werden, damit echte Gemeinschaft wachsen kann. Der Artikel nennt dafür Beispiele aus der Kirchengeschichte und aus neueren ökumenischen Versöhnungsprozessen. Solche Schritte zeigen, dass Heilung möglich ist, auch wenn sie Zeit braucht und nicht durch einzelne Worte allein erreicht wird. Insgesamt kommt der Artikel zu dem Ergebnis, dass die Ökumene nicht nur für das Verhältnis der Kirchen untereinander wichtig ist, sondern auch ein Vorbild für die Gesellschaft sein kann. Wo Gemeinsamkeiten gestärkt und Unterschiede gerecht behandelt werden, entstehen Impulse für ein gelingendes Miteinander.

Rheinland-Pfalz

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Sekundarstufe II | 12/1 Jesus Christus und die Kirche

12.1 / 5. Ökumene als Auftrag und Verpflichtung.

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