Der Artikel setzt bei der Beobachtung an, dass kirchliche Texte den Begriff Schöpfung häufig so verwenden, als sei er lediglich ein anderes Wort für Natur oder Umwelt. Dadurch verliert der Begriff nach Ansicht des Autors seine eigentliche theologische Tiefe. Wer religiös denkt, hört in Schöpfung mehr als Umwelt, nämlich den Bezug auf Gott. Für viele andere Menschen wirkt das Wort jedoch nur noch wie kirchliche Sondersprache, die sich problemlos durch Umwelt ersetzen lässt. Gerade in religiösen Bildungsprozessen entsteht so das Problem, dass Lernende kaum verstehen können, was mit Schöpfung überhaupt gemeint ist.
Demgegenüber entfaltet der Artikel Schöpfung als einen genuin theologischen Begriff. Schöpfung beschreibt nicht einfach die Welt als vorhandenen Lebensraum, sondern deutet die Welt als von Gott getragenen Beziehungszusammenhang. Diese Sicht wird aus der biblischen Tradition entwickelt. In den biblischen Texten ist Schöpfung nicht bloß harmonische Naturerfahrung, sondern eine Hoffnungsperspektive mitten in Leid, Bedrohung und Unordnung. Besonders die Schöpfungserzählung wird als Hoffnungslied verstanden, das Menschen in chaotischen Erfahrungen daran erinnert, dass Gott der Welt zugewandt bleibt. Schöpfung meint deshalb nicht in erster Linie Weltentstehung, sondern eine Beziehungsaussage über Gott, Mensch und Welt.
Der Autor zeigt weiter, dass sich das Verhältnis des Menschen zur Natur in der Neuzeit stark verändert hat. Natur wurde zunehmend zum Objekt der Erforschung, Nutzung und Beherrschung. Dadurch wurden biblische Texte oft missverständlich als naturkundliche Berichte gelesen. So entstanden Konflikte zwischen Theologie und Naturwissenschaft. Heute wird eher betont, dass beide unterschiedliche, sich ergänzende Perspektiven vertreten. Zugleich weist der Artikel darauf hin, dass der Glaube an Gott als Schöpfer nicht mehr selbstverständlich vorausgesetzt werden kann. Deshalb rückt die Erfahrung wieder stärker in den Mittelpunkt. Menschen machen widersprüchliche Erfahrungen von Schönheit und Gewalt, von Ordnung und Zerstörung, von Freiheit und Schuld. Schöpfungsglaube bedeutet, diese Wirklichkeit im Horizont Gottes zu deuten und durch das Chaos hindurch zu glauben.
Im nächsten Schritt plädiert der Beitrag für eine reflektierte Verwendung des Naturbegriffs. Auch Natur ist kein einfacher und eindeutiger Begriff. Je nach Zusammenhang kann Natur als Gegensatz zu Kultur, als Bereich des Lebendigen oder als ökologisches System verstanden werden. Jede dieser Deutungen hat Schwierigkeiten. Deshalb warnt der Autor vor einer romantischen, normativen oder ästhetischen Verklärung der Natur. Natur ist nicht einfach gut, rein oder schön, sondern ambivalent. Wer über Nachhaltigkeit spricht, muss deshalb sorgfältig klären, was geschützt werden soll und warum.
Von dort aus wendet sich der Artikel der religiösen Bildung für nachhaltige Entwicklung zu. Er kritisiert, dass Unterrichtsmaterialien im Religionsunterricht häufig bloß Umwelterziehung mit religiösem Etikett verbinden. Oft werde Nachhaltigkeit nur unter die Überschrift Bewahrung der Schöpfung gestellt, ohne den Schöpfungsbegriff theologisch wirklich zu entfalten. Manche Materialien unterschieden sich kaum von älteren umweltpädagogischen Ansätzen. Andere wirkten nur deshalb wie Religionsunterricht, weil sie ein kleines Kapitel zur Schöpfung eingefügt hätten. Der Autor betont deshalb, dass Religion und Theologie nicht dafür da sind, naturwissenschaftliche, soziale oder wirtschaftliche Zusammenhänge selbst zu erklären. Diese müssen von den jeweiligen Fachdisziplinen eingebracht werden. Die eigentliche Frage lautet vielmehr, was das Religiöse zu einer Bildung für nachhaltige Entwicklung beiträgt.
Dazu nennt der Artikel vier zentrale Beiträge. Erstens kann eine schöpfungstheologische Grundlegung Orientierung in Wertfragen geben. Sie hilft, über Schuld, Neuanfang und die Grenzen menschlicher Möglichkeiten nachzudenken. Zweitens bringt die theologische Anthropologie eine Reflexion über Freiheit ein. Nachhaltigkeit verlangt nicht grenzenlose individuelle Freiheit, sondern Verantwortung gegenüber anderen Menschen und ihren Lebensmöglichkeiten. Drittens kann Religion eine ideologiekritische Perspektive eröffnen. Sie hilft, problematische Entwicklungsmodelle, Konsumformen und Machtansprüche kritisch zu befragen und auch die eigene christliche Tradition selbstkritisch zu betrachten. Viertens hebt der Artikel christliche Spiritualität als Lebensform hervor. Spiritualität wird nicht nur als Naturerlebnis verstanden, sondern als Gestalt des Alltags, in der sich eine innere Haltung praktisch zeigt.
Im letzten Teil betont der Autor, dass nachhaltiges Lernen nicht nur Wissen vermitteln darf. Lernen betrifft Wahrnehmung, Haltung, Verhalten, Verstehen, Gefühle und Beziehungen. Im Blick auf die Klimakrise reicht bloßes Wissen nicht aus, weil das eigentliche Problem häufig nicht fehlende Einsicht, sondern mangelndes Handeln ist. Deshalb müssen Lernprozesse auch Haltungen, moralische Ansprüche und emotionale Dimensionen ansprechen. Ebenso wichtig ist die Verbindung von Theorie und Praxis. Lernende sollen Nachhaltigkeit nicht nur besprechen, sondern auch konkret erfahren und gestalten können, etwa im schulischen Alltag. Insgesamt versteht der Artikel religiöse Bildung für nachhaltige Entwicklung als einen Beitrag dazu, Welt, Mensch und Verantwortung im Horizont des Glaubens neu zu deuten und dadurch zu einem reflektierten und verantwortlichen Handeln zu befähigen.