Der Artikel untersucht den Wandel des Gottesglaubens in Deutschland anhand sozialwissenschaftlicher Studien und beschreibt eine fortschreitende Erosion des christlichen Gottesbegriffs. Zwar geben noch viele Menschen an, an Gott zu glauben, doch meint dieser Glaube immer seltener den Gott der jüdisch christlichen Überlieferung. Statt eines personalen Gottes, der den Menschen anspricht, begleitet und sich in Jesus Christus zu erkennen gibt, treten zunehmend diffuse Vorstellungen von einer höheren Macht, einer universalen Kraft oder eines Göttlichen in der Natur und im Menschen. Der Autor zeigt, dass dieser Wandel in Ostdeutschland besonders stark ausgeprägt ist, wo eine atheistisch geprägte Mentalität fortwirkt, während sich in Westdeutschland vor allem deistische und unbestimmte religiöse Vorstellungen ausbreiten.
Im Zentrum des Artikels steht die Beobachtung, dass das personale Gottesbild, also der Glaube an Gott als Gegenüber, selbst unter Kirchenmitgliedern und regelmäßigen Kirchgängern an Zustimmung verliert. Viele Menschen bejahen zwar irgendeine Form von Transzendenz, lehnen aber zentrale Aussagen des christlichen Glaubens ab oder interpretieren sie um. Dazu gehören nicht nur Aussagen über Gott, sondern auch Überzeugungen über Jesus Christus, Auferstehung, ewiges Leben und Gericht. Der Autor betont, dass der Rückgang der Zustimmung zum christlichen Gottesbild besonders deutlich bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen sichtbar wird. Für sie ist christlicher Glaube oft nur noch eine Minderheitenposition. Häufig dominieren Weltanschauungen, die entweder atheistisch, deistisch oder religiös unbestimmt sind.
Ebertz macht deutlich, dass die religiöse Entwicklung der jüngeren Generation nicht einfach mit einem Verlust von Sinn gleichzusetzen ist. Vielmehr bleibt die Suche nach Sinn bestehen, wird aber immer stärker individualisiert. Sinn wird nicht mehr in erster Linie aus kirchlicher Überlieferung empfangen, sondern durch eigenes Nachdenken, persönliche Erfahrungen und selbst gewählte Deutungsmuster gebildet. Gerade Jugendliche geben an, dass ihnen bei Glaubens und Sinnfragen vor allem eigenes Nachdenken, Gespräche mit Freunden und persönliche Erfahrungen helfen. Traditionelle kirchliche Formen der Orientierung spielen demgegenüber eine geringere Rolle.
Ein weiterer Schwerpunkt des Artikels ist die Vermischung unterschiedlicher religiöser Vorstellungen. Der Autor spricht von Synkretismus, Hybridisierung und religiöser Autozentrik. Damit meint er, dass viele Menschen Elemente des christlichen Glaubens mit außerchristlichen, esoterischen oder diffusen religiösen Vorstellungen verbinden. Selbst regelmäßige Kirchgänger vertreten nicht selten gleichzeitig den Glauben an einen persönlichen Gott, an eine unpersönliche universale Kraft, an das Göttliche im Menschen oder in der Natur sowie an Vorstellungen wie Wiedergeburt. Dadurch lösen sich viele Gläubige sowohl von der theologischen Logik als auch von der kirchlichen Lehre und entwickeln eigensinnige religiöse Mischformen.
Der Artikel zeigt außerdem, dass diese Entwicklung mit einem kulturellen Wandel zusammenhängt. Werte wie Selbstständigkeit, Selbstentfaltung, Genuss und individueller Sinngewinn gewinnen an Bedeutung, während Gehorsam, Fügsamkeit und traditionelle Pflichtwerte an Gewicht verlieren. Diese kulturelle Verschiebung begünstigt eine Religion, die sich am eigenen Bedürfnis orientiert und kirchliche Verbindlichkeit eher meidet. Daraus entsteht eine Haltung, die sich zwar oft noch formal im Raum der Kirche bewegt, aber innerlich auf Distanz zur Lehre bleibt. Viele Menschen bleiben Mitglied der Kirche, ohne sich inhaltlich an ihre Glaubensaussagen gebunden zu fühlen.
Insgesamt beschreibt der Artikel eine tiefgreifende Veränderung religiöser Kultur in Deutschland. Nicht nur außerhalb, sondern auch innerhalb der Kirchen wächst eine Form unsichtbarer, unverbindlicher und individualisierter Religiosität. Der traditionelle christliche Gottesbegriff verliert seine Selbstverständlichkeit. An seine Stelle tritt eine Vielfalt persönlicher und oft widersprüchlicher Deutungen. Der Autor macht damit deutlich, dass die Kirchen vor der Aufgabe stehen, auf diese Erosion des Gottesbegriffs und auf die wachsende religiöse Eigenständigkeit der Menschen neu zu reagieren.