Der Artikel setzt sich mit der Frage auseinander, wie das Gottesprädikat der Allmacht heute noch sinnvoll verstanden werden kann. Ausgangspunkt ist die Spannung zwischen dem christlichen Glaubensbekenntnis, das Gott als den Allmächtigen bezeichnet, und den Erfahrungen moderner Menschen, die gerade an dieser Vorstellung Anstoß nehmen. Besonders die Katastrophen des 20. Jahrhunderts, vor allem Auschwitz, haben die Frage verschärft, wie Gott allmächtig sein kann, wenn unermessliches Leid geschieht. Darüber hinaus erscheint ein Gottesbild, das mit unmittelbaren übernatürlichen Eingriffen rechnet, im Horizont des naturwissenschaftlichen Weltbildes vielen als unplausibel. Auch das moderne Verständnis von Freiheit lässt Zweifel daran aufkommen, ob göttliche Allmacht mit menschlicher Autonomie vereinbar ist.
Der Beitrag entfaltet diese Problematik anhand von Gegensatzpaaren. Zunächst wird die Frage nach Gottes Allmacht im Licht von Leidenserfahrungen betrachtet. Hans Jonas zieht aus der Erfahrung von Auschwitz den Schluss, dass an Gottes Allmacht nicht mehr festgehalten werden könne. Wenn Gott angesichts solchen Leids allmächtig wäre, müsste entweder seine Güte oder seine Verständlichkeit bestritten werden. Da Jonas an Gottes Güte festhalten will, gibt er die Vorstellung eines allmächtigen Gottes auf. Gott habe nicht eingegriffen, weil er es nicht konnte. Demgegenüber zeigt der Artikel, dass gerade Leidenserfahrungen Menschen auch dazu gebracht haben, an Gottes Allmacht festzuhalten. Anhand von Kants Postulatenlehre wird deutlich, dass die Hoffnung auf endgültige Gerechtigkeit und Erlösung einen Gott voraussetzt, der über die Möglichkeiten dieser Welt hinaus handeln kann. Gottes Allmacht steht hier für die Hoffnung, dass Leid und Ungerechtigkeit nicht das letzte Wort behalten.
Anschließend betrachtet der Beitrag die Allmacht Gottes im Licht von Natur und Gnadenerfahrungen. David Ray Griffin lehnt ein Verständnis göttlicher Allmacht ab, das Naturgesetze durchbrechen würde. Er plädiert für einen naturalistischen Theismus, der religiösen Glauben und naturwissenschaftliche Welterklärung miteinander vereinbaren möchte. Vorstellungen von Wundern als übernatürlichen Eingriffen, von einer übernatürlichen Erschaffung des Lebens oder einer unfehlbaren Offenbarung erscheinen ihm als überholt. Demgegenüber verweist der Artikel auf Menschen, die in Not unerwartete Hilfe erfahren und dies als göttliche Gnade deuten. Kierkegaard wird hier als Beispiel genannt. Für ihn kann in äußerster Verzweiflung allein der Glaube an einen Gott retten, für den alles möglich ist. Die Allmacht Gottes wird so zur Grundlage der Hoffnung, dass auch dort Rettung möglich ist, wo menschlich gesehen kein Ausweg mehr besteht.
Ein dritter Zugang ergibt sich aus den Erfahrungen von Freiheit. Charles Hartshorne lehnt die Vorstellung eines allmächtigen Gottes ab, weil sie ihm mit echter menschlicher Freiheit unvereinbar erscheint. Ein Gott, der alles im Voraus bestimmt, würde Menschen zu bloßen Ausführenden machen. Ein solches Gottesbild sei nicht nur ontologisch problematisch, sondern auch ethisch unangemessen, weil es eher an Herrschaft als an Liebe erinnere. Dem hält der Artikel erneut Kierkegaard entgegen. Für ihn ist es gerade die Allmacht Gottes, die Freiheit ermöglicht. Nur Gott könne sich so zurücknehmen, dass der Mensch wirklich unabhängig und frei werde. Während endliche Macht immer abhängig mache, könne göttliche Allmacht Freiheit hervorbringen, weil sie nicht in Konkurrenz zum Menschen stehe. Gottes Allmacht zeigt sich dann nicht in Zwang und Kontrolle, sondern in seiner Fähigkeit, Freiheit zu schenken.
Im letzten Teil führt der Artikel diese unterschiedlichen Positionen zusammen. Er betont, dass die verschiedenen Deutungen der Allmacht Gottes aus unterschiedlichen existenziellen Erfahrungen hervorgehen und deshalb nicht vorschnell als bloße Widersprüche behandelt werden sollten. Wer Gottes Allmacht leugnet, will oft Gottes Güte oder die Realität des Leids ernst nehmen. Wer an ihr festhält, will Hoffnung auf Erlösung, Rettung oder Freiheit bewahren. Deshalb schlägt der Beitrag eine existenzielle Hermeneutik vor. Theologische Aussagen über Gottes Allmacht sollen im Zusammenhang menschlicher Erfahrungen verstanden werden. So kann deutlich werden, dass gegensätzliche Positionen nicht unbedingt einander ausschließen, sondern verschiedene Aspekte derselben theologischen Grundfrage beleuchten.
Insgesamt zeigt der Artikel, dass die Allmacht Gottes kein einfaches Lehrstück ist, sondern ein schwieriges Gottesprädikat, das nur im Horizont konkreter menschlicher Erfahrungen angemessen bedacht werden kann.