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Vandenhoeck Ruprecht | Religion unterrichten

Vandenhoeck Ruprecht | Religion unterrichten

Es ist so ’ne Sache mit den Wundern

biblische Wunder verstehen

Veröffentlichung:1.1.2020

Der Artikel ist in dem Heft „Religion unterrichten“ enthalten unter dem Titel: „Es ist so ’ne Sache mit den Wundern – biblische Wunder verstehen“. Der Umfang beträgt 11 Seiten, nämlich Seite 15 bis 25.

Der Beitrag zeigt, dass Wunder in der Bibel nicht als Randthema, sondern als Zentrum der Gottesrede verstanden werden. Der Autor macht deutlich, dass biblische Wunder nicht zuerst naturwissenschaftlich oder historisch geprüft werden sollten, sondern als sprachlich und theologisch geprägte Erzählungen verstanden werden müssen, die Gottes rettende Macht und die Beziehung zwischen Gott und Mensch erschließen.

Der Fachartikel behandelt vor allem diese theologischen Probleme: das Spannungsverhältnis von Glaube und Vernunft, die Frage nach der historischen und naturwissenschaftlichen Prüfbarkeit von Wundern, das biblische Verständnis von Gottes Macht, die Bedeutung von Wundererzählungen als Ausdruck der Gottesbeziehung sowie die Frage, wie Wunder theologisch gedeutet werden können, ohne sie auf bloße Sensationen oder auf bloße Symbolik zu verkürzen.

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Der Artikel setzt sich mit der Frage auseinander, wie biblische Wunder im Religionsunterricht verstanden und erschlossen werden können. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Wundertexte oft auf Skepsis stoßen, obwohl sie literarisch meist einfach gestaltet sind. Vielen erscheinen sie als Ausdruck eines unaufgeklärten Glaubens. Der Autor möchte zeigen, dass diese Sackgasse überwunden werden kann, wenn einige grundlegende sprachliche und literarische Merkmale der Texte beachtet werden.

Zunächst betont der Beitrag, dass Wunder im biblischen Gottes, Welt und Menschenbild nicht die Ausnahme, sondern der Normalfall sind. Eine Bibel ohne Wunder wäre kaum denkbar, weil zentrale Teile der Schrift ihren Sinn verlieren würden. Die Rettung Israels, die Psalmen, die Propheten, die Evangelien und selbst die Auferweckung Jesu sind ohne Wunder nicht zu verstehen. Wunder stehen deshalb nicht am Rand, sondern im Zentrum der biblischen Überlieferung. Zugleich weist der Autor darauf hin, dass Wunder im Alltag durchaus positiv besetzt sind. Menschen sprechen selbstverständlich von Wundern des Lebens, der Liebe oder der Hoffnung. Darin sieht er eine mögliche hermeneutische Brücke für das Verstehen biblischer Wundererzählungen.

Der Autor kritisiert, dass Wunder oft vorschnell an der Frage gemessen werden, ob sie naturwissenschaftlich möglich oder historisch beweisbar seien. Diese Fragen griffen zu kurz, weil sie voraussetzen, schon zu wissen, was die biblischen Texte überhaupt sagen wollen. Stattdessen müsse zuerst gefragt werden, wie und wozu die Bibel vom Wunder spricht. Die Wundererzählungen wollen nicht in erster Linie ungewöhnliche Vorgänge beschreiben, sondern eine bestimmte Wirklichkeit deuten.

Im nächsten Schritt untersucht der Artikel die biblische Sprache. Dabei zeigt sich, dass das deutsche Wort Wunder viele unterschiedliche hebräische und griechische Begriffe zusammenfasst, die im Originaltext verschiedene Akzente setzen. Es geht um Tat, Werk, Zeichen, Machttat, Großtat, Erstaunen oder Furcht. Dadurch wird deutlich, dass in der Bibel nicht das sensationell Unerklärliche im Vordergrund steht, sondern die Erfahrung einer Macht, die das Leben verändert, Staunen auslöst und den Menschen existenziell anspricht. Wunder sind daher nicht einfach rätselhafte Ereignisse, sondern Ausdruck einer lebensbestimmenden Gotteserfahrung.

Ein erster theologischer Grundgedanke des Artikels lautet, dass Wunder eine Frage der Macht sind. Sie beantworten die Grundfrage, wer in der Welt das Sagen hat. Die biblische Antwort lautet, dass Gott rettet, Leben will und sich gegen den Tod durchsetzt. In den Psalmen wird dies besonders deutlich. Wunder stehen dort in engem Zusammenhang mit Gottes Königtum, seiner Gerechtigkeit, seiner Güte und seinem Erbarmen. Wunder sind nicht Glaubensbeweise für eine abstrakte Botschaft, sondern zeigen konkret, wie Gottes Herrschaft aussieht. Wenn Menschen geheilt werden, wenn Bedrohung überwunden wird oder wenn Leben neu möglich wird, zeigt sich darin Gottes rettendes Handeln. Der Autor deutet Wunder daher politisch und existenziell. Sie beschreiben die Veränderung von Verhältnissen zum Guten und stehen für Gottes rettende Gerechtigkeit.

Dabei macht der Artikel deutlich, dass biblische Wundererzählungen nicht aus einem naturwissenschaftlichen Interesse heraus geschrieben wurden. Sie fragen nicht nach physikalischen Ursachen, sondern nach Leben und Tod, Heil und Bedrohung, Hoffnung und Rettung. Auch Naturphänomene wie Wasser, Sturm oder Wüste werden in diesem Zusammenhang nicht nur sachlich verstanden, sondern tragen eine symbolische und existenzielle Bedeutung. Sie verweisen auf Erfahrungen von Angst, Chaos, Gefährdung und Neubeginn.

Ein zweiter theologischer Grundgedanke lautet, dass Wunder immer Beziehungsgeschehen sind. Ein Wunder ereignet sich nicht isoliert, sondern innerhalb der Beziehung zwischen Gott und Mensch. Der Autor beschreibt dafür ein Grundschema: Not, Klage oder Hilferuf, Rettung, Lob und Dank. Dieses Muster ist in vielen Psalmen und Wundererzählungen erkennbar. Damit wird deutlich, dass Wunder nicht als neutrale Tatsachen verstanden werden dürfen. Sie sind in Gebet, Vertrauen, Hoffnung und Antwort eingebettet. Erst in dieser Beziehungsdynamik entfalten sie ihren theologischen Sinn. Klage gehört deshalb ebenso zum Wunder wie Lob und Dank.

Von hier aus deutet der Autor auch einzelne biblische Erzählungen neu. Die Heilung des Bartimäus ist nicht nur eine Geschichte über Blindheit, sondern eine Erzählung von Berufung, Nachfolge, Licht und Leben. Ebenso ist die Erzählung vom Zug durch das Meer nicht als naturwissenschaftliches Problem interessant, sondern als Erzählung von Rettung aus Todesmacht. Mose deutet das Geschehen bereits vorab theologisch, und die liturgische Tradition führt diese Deutung weiter, indem sie das Geschehen vergegenwärtigt. Wunder werden so nicht bloß als vergangene Ereignisse verstanden, sondern als Texte, die neue Gotteserfahrungen in der Gegenwart eröffnen.

Der Artikel weist außerdem darauf hin, dass Wunder und Glaube eng zusammengehören, aber Wunder nicht einfach Glauben erzwingen. In der Bibel geschehen Wunder im Raum des Vertrauens und der Erwartung. Sie sind keine zwingenden Beweise, sondern werden nur im Glauben als Wunder erkannt. Darin liegt auch eine wichtige Einsicht für den Religionsunterricht: Wundererzählungen sollen nicht als Tatsachenberichte behandelt werden. Die Bezeichnung Wunderbericht führt nach Ansicht des Autors in die Irre. Wundererzählungen sind vielmehr Einladungen, die Welt mit den Augen des Glaubens zu sehen und Gottes Möglichkeiten im eigenen Leben wahrzunehmen.

Am Ende fasst der Autor zusammen, dass biblische Wundererzählungen keine Informationen liefern wollen wie ein Bericht, sondern den Blick der Lesenden verändern sollen. Sie wollen nicht informieren, sondern formen. Sie laden dazu ein, Wirklichkeit als Raum göttlicher Möglichkeiten zu sehen. Für den Religionsunterricht bedeutet das, dass Wunder nicht als peinliche Restbestände einer vorwissenschaftlichen Welt behandelt werden sollten, sondern als zentrale Zeugnisse biblischer Hoffnung, Gotteserfahrung und Lebensdeutung.

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