Der Artikel von Gregor Maria Hoff beschreibt den jüdisch christlichen Dialog als einen notwendigen, aber historisch belasteten Prozess, der sich nicht von der Geschichte des christlichen Antijudaismus und des Antisemitismus lösen lässt. Der Dialog ist daher sowohl theologisch geboten als auch historisch gefordert, da Christen eine Verantwortung gegenüber dem jüdischen Volk tragen. Gleichzeitig ist er nicht selbstverständlich, weil antisemitische Denkmuster bis in die Gegenwart hinein wirksam sind. Hoff betont, dass der Dialog immer auch die eigene christliche Tradition kritisch reflektieren muss, da antijüdische Vorstellungen tief in theologischen Deutungen und der Auslegung des Neuen Testaments verankert sind. Zudem zeigt die religionsgeschichtliche Forschung, dass das Verhältnis zwischen Judentum und Christentum komplex ist, da beide lange Zeit miteinander verbunden waren und sich erst allmählich voneinander getrennt haben.
Ein entscheidender Wendepunkt für den katholisch jüdischen Dialog war das Zweite Vatikanische Konzil mit der Erklärung Nostra aetate. Dieses Dokument verurteilt Antisemitismus und weist die Vorstellung zurück, dass Juden von Gott verworfen seien. Dennoch bleibt kritisch festzuhalten, dass ein klares Schuldbekenntnis fehlt und der Zusammenhang zwischen Antijudaismus und Antisemitismus nicht ausdrücklich benannt wird. Seit dem Konzil hat sich jedoch eine neue Haltung entwickelt, die sich in einer theologischen Wertschätzung des Judentums, in institutionellen Dialogformen und in der Abkehr von der Judenmission zeigt.
Besondere Bedeutung hat ein Dokument aus dem Jahr 2015, das die jüdisch christlichen Beziehungen weiter reflektiert. Darin wird betont, dass Judentum und Christentum eine gemeinsame Wurzel im Judentum zur Zeit Jesu haben und sich wie Geschwister entwickelt haben, jedoch unterschiedliche Wege gegangen sind. Diese gemeinsame Herkunft bedeutet, dass der Dialog nicht einfach als Begegnung zweier völlig getrennter Religionen verstanden werden kann. Gleichzeitig bleibt eine grundlegende Differenz bestehen, insbesondere im christologischen Verständnis und in der Auslegung der heiligen Schriften.
Das Dokument lehnt die Vorstellung ab, dass die Kirche Israel ersetzt habe, und betont die bleibende Erwählung Israels durch Gott. Zugleich hält die Kirche am Glauben fest, dass Heil durch Christus vermittelt wird. Daraus ergibt sich eine theologische Spannung, da unklar bleibt, wie das Heil für Juden ohne ausdrücklichen Christusglauben zu verstehen ist. Diese Frage wird als Geheimnis Gottes bezeichnet. Abschließend wird festgehalten, dass sowohl die Judenmission als auch die Vorstellung von zwei getrennten Heilswegen abgelehnt werden. Der Dialog bleibt daher offen und muss weiterhin zentrale theologische Fragen klären.