Das Jona-Buch wird als literarisch und theologisch besondere Schrift des Alten Testaments beschrieben, da es nur eine sehr kurze prophetische Botschaft enthält und stattdessen eine umfangreiche Erzählung bietet. Diese Erzählung wird als narrative Theologie verstanden, in der nicht abstrakt argumentiert wird, sondern unterschiedliche Positionen und Spannungen innerhalb einer Geschichte entfaltet werden. Die wundersamen Elemente der Handlung erscheinen dabei selbstverständlich und dienen der theologischen Argumentation.
Die Erzählung eröffnet einen Denkraum, in den sich Lernende hineinversetzen können. Sie erleben unterschiedliche Perspektiven und Haltungen, insbesondere die wechselnden Einstellungen Jonas gegenüber Gott, die von Flucht über Demut und Gehorsam bis hin zu Widerstand reichen. Gleichzeitig bleiben zentrale Fragen offen, sodass Lernende zur eigenen Stellungnahme herausgefordert werden.
Der Aufbau des Buches ist kunstvoll gestaltet und in zwei parallele Teile gegliedert, die jeweils ähnliche Szenen und Strukturen aufweisen. In allen Teilen zeigt sich ein wiederkehrendes Muster, in dem Gott Menschen aus Not rettet, nachdem sie sich an ihn wenden. Dadurch wird die theologische Aussage nicht nur inhaltlich, sondern auch formal vermittelt.
Inhaltlich behandelt das Jona-Buch mehrere miteinander verbundene Themen. Ein zentrales Problem ist die Frage nach der Verlässlichkeit prophetischer Ankündigungen, insbesondere wenn angekündigtes Unheil nicht eintritt. Damit verbunden ist die Spannung zwischen einer Gerichtsprophetie, die Strafe erwartet, und einer Umkehrtheologie, die Gottes Bereitschaft zur Vergebung betont.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Ausweitung von Gottes Gnade über Israel hinaus auf alle Völker. Diese Universalität wird aus der Vorstellung Gottes als Schöpfer der ganzen Welt begründet. Daraus ergibt sich die Frage, wie sich das Verhältnis zwischen Israel und den anderen Völkern gestaltet und ob Gottes Gnade auch den als feindlich wahrgenommenen Nationen gilt.
Der Artikel zeigt zudem, dass Nicht Israeliten im Jona-Buch in ihrer eigenen religiösen Identität ernst genommen werden und dennoch in Beziehung zu Gott treten können. Dadurch wird ein offeneres und weniger exklusives Verständnis von Gottesbeziehung entwickelt.
Schließlich wird betont, dass Gott im Jona-Buch nicht durch Zwang handelt, sondern durch einen Prozess des Fragens und Erfahrens. Die Erzählung lädt dazu ein, über Gottes Wesen nachzudenken und eigene Antworten zu entwickeln, ohne eindeutige Lösungen vorzugeben.