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Das Ninive im Kopf der Leser

Veröffentlichung:1.1.2023

Der Artikel wurde unter dem Titel „Das Ninive im Kopf der Leser“ verfasst. Der vorliegende Fachartikel umfasst 2 Seiten. Er zeigt, dass Ninive im Jonabuch nicht einfach als historische Stadt erscheint, sondern als Erinnerungsort für Gewalt, Fremdherrschaft und Bedrohung. Theologisch behandelt der Artikel vor allem die Frage nach der Universalität der Gnade Gottes, das Verhältnis Gottes zu Israel und zu den Völkern sowie die Spannung zwischen göttlicher Barmherzigkeit und der Erfahrung politischer Gewalt.

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Der Artikel untersucht die Bedeutung Ninives im Jonabuch und zeigt, dass diese Stadt dort nicht nur als geografischer Ort, sondern vor allem als stark aufgeladener Erinnerungsraum erscheint. Im Jonabuch wird Ninive als große Stadt, als Residenz des assyrischen Königs und als Ort von Bosheit und Gewalt beschrieben. Damit ruft der Text Vorstellungen wach, die in der Geschichte Israels und Judas tief verankert waren. Die Assyrer waren durch die Eroberung Samarias, die Zerstörung weiter Teile Judas und die Bedrohung Jerusalems als traumatische Macht im kollektiven Gedächtnis präsent. Deshalb blieb Ninive auch lange nach dem Ende des assyrischen Reiches ein Symbol für Fremdherrschaft, Unterdrückung und politische Gefahr.

Der Artikel betont, dass das Jonabuch zwar viel später entstand und Ninive darin nicht als historisch genaue, sondern als literarisch gestaltete Stadt erscheint. Die Erzählung ist deutlich fiktiv geprägt, etwa durch die wundersamen Elemente und die erzählerische Überzeichnung. Dennoch wird bewusst keine erfundene Stadt gewählt, sondern eine reale Metropole der Vergangenheit, die den Lesenden bereits aus anderen biblischen Zusammenhängen bekannt war. Dadurch wird Ninive im Jonabuch zu einem Beispiel für feindliche Großmächte überhaupt. Es steht nicht nur für Assyrien, sondern kann auch spätere Fremdherrschaften mitmeinen. Die zentrale theologische Frage lautet daher, wie Gottes Gnade gegenüber solchen Mächten zu verstehen ist und was diese Gnade für Israel bedeutet.

Ein wichtiger Teil des Artikels widmet sich der neuassyrischen Selbstdarstellung in den Reliefs aus Ninive. Besonders das Lachisch Relief aus dem Palast Sanheribs wird als bedeutendes Beispiel vorgestellt. Dieses Relief zeigt die Eroberung der judäischen Stadt Lachisch im Jahr 701 vor Christus. Es veranschaulicht den militärischen Machtanspruch der Assyrer und ihre Gewaltpraxis sehr eindrücklich. Dargestellt werden der Anmarsch des Heeres, die Belagerung der Stadt, die Deportation der Bevölkerung, die Misshandlung von Gefangenen und die Vorführung der Besiegten vor dem assyrischen König. Dadurch wird sichtbar, warum Ninive im Denken der judäischen Leserschaft mit Angst, Leid und Demütigung verbunden war.

Der Artikel arbeitet heraus, dass gerade vor diesem Hintergrund die Botschaft des Jonabuches besonders provozierend ist. Wenn Gott selbst einer Stadt wie Ninive Barmherzigkeit erweist, dann übersteigt diese göttliche Gnade jede menschliche Erwartung. Das Jonabuch konfrontiert seine Lesenden somit mit der Frage, ob Gottes Erbarmen auch dem Erzfeind gelten kann. Darin liegt nach dem Artikel der eigentliche Fluchtpunkt des ganzen Buches. Die Offenheit des Endes fordert die Lesenden heraus, Stellung zu beziehen zur Weite der Gnade Gottes und zur Spannung zwischen dem besonderen Verhältnis Gottes zu Israel und seiner Zuwendung zu allen Völkern.

Für den Unterricht ist nach dem Artikel besonders die Arbeit mit dem Lachisch Relief ergiebig. Lernende können dadurch die Welt des Alten Orients anschaulich kennenlernen und besser verstehen, warum Ninive im Jonabuch eine so starke emotionale und theologische Bedeutung hat. Die Auseinandersetzung mit dem Relief macht deutlich, wie unerhört die Vorstellung von Gottes Barmherzigkeit gegenüber Ninive aus judäischer Perspektive gewesen sein muss.

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