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WiReLex | Deutsche Bibelgesellschaft

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Apostelgeschichte, bibeldidaktisch (Primar- und Sekundarstufe)

Veröffentlichung:26.3.2026

Der Artikel von Martina Steinkühler (WiReLex, 2018) erschließt die Apostelgeschichte bibeldidaktisch für Primar- und Sekundarstufe und fragt, welche ihrer Inhalte für welche Zielgruppen sinnvoll zu thematisieren sind. Steinkühler verbindet exegetische Grundlagenarbeit mit elementarisierungsdidaktischer Reflexion und zeigt, wie Himmelfahrt, Pfingsten, Urgemeinde, Petrus- und Pauluserzählungen sowie die „schwierigen" Texte zu Hananias/Saphira und Stephanus lebensweltlich anschlussfähig gemacht werden können. Ein besonderer Akzent liegt auf den Fragen nach Mission, religiösem Wahrheitsanspruch und dem Umgang mit weltanschaulicher Pluralität – Themen, die Steinkühler als heute brennend und für immer jüngere Zielgruppen relevant einstuft.


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Steinkühler eröffnet mit einer doppelten Diagnose: Einerseits verlieren abstrakte christliche Feste wie Himmelfahrt und Pfingsten gesellschaftlich an Relevanz, weil ihre konstitutiven Erzählungen durch innerweltliches Brauchtum verdrängt werden. Andererseits zeigen kindertheologische Gespräche, dass Kinder und Jugendliche durchaus bereit sind, sich auf christologische und pneumatologische Aporien einzulassen – wenn sie nicht überkommene Glaubensinhalte konsumieren sollen, sondern gemeinsam kreative Lösungsansätze entwickeln dürfen. Die alljährlichen Straßenumfragen zu Himmelfahrt und Pfingsten versteht sie nicht nur als Symptom mangelnder religiöser Bildung, sondern als Beleg für das Misslingen überkommener Kommunikationsstrategien.

Im elementaren Zugangsteil arbeitet Steinkühler für jede der zentralen Perikopen eine spezifische lebensweltliche Ausganglage heraus. Bei der Urgemeinde warnt sie sowohl vor verklärtem Nostalgiepatos als auch vor moralisierender Schwarzzeichnung der Gegenwart – produktiv sei der Ausblick, dass es nicht so bleiben muss, wie es ist. Bei den Petrus-Wundererzählungen mahnt sie einen „Sicherheitsabstand" an, da gerade jüngere Kinder gottgegebenen Schutz gefährlich wörtlich nehmen können. Die Erzählung von Philippus und dem äthiopischen Kämmerer identifiziert sie als Schlüsselgeschichte für Jugendliche, die sich selbstbestimmt für oder gegen den Glauben entscheiden – relevant besonders für noch nicht getaufte Konfirmanden. Die schwierigen Texte (Hananias/Saphira, Stephanus) wertet sie nicht als zu umgehende Probleme, sondern als didaktische Chance: Kinder hätten ein Recht darauf, gemeinsam mit pädagogischen Fachkräften zu erproben, wie mit Gewalt und Radikalität umzugehen ist.

Der Abschnitt zu den elementaren Fragen entwickelt vier übergreifende Diskursthemen, für die die Apostelgeschichte besonders geeignet ist: den Wettstreit der Religionen und die Freiheit des Einzelnen, die Geister zu prüfen; die Frage nach Selbstpositionierung und dem, wofür man einzustehen bereit ist; die Frage nach dem Gehorsam gegenüber höherer Autorität als Übung in Urteilskompetenz; und schließlich den Umgang mit divergierenden Wahrheitsansprüchen – ein Kernthema in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung.

Im strukturellen Teil entfaltet Steinkühler die lukanische Komposition: Apostelgeschichte als Weggeschichte der Ausbreitung von Jerusalem bis ans Ende der Welt (Apg 1,8), strukturiert durch die Bewegung der Öffnung vom jüdischen Volk hin zu den Völkern. Sie analysiert die komplementäre Anlage der Petrus- und Paulusgestalten, die Funktion der Urgemeinde-Summarien als in die Vergangenheit zurückprojizierte Norm, die schrittweise Grenzüberschreitung von Philippus über Petrus zu Paulus sowie die Missionsreden als eigene literarische Gattung. Kritisch hält sie fest, dass die judenfeindliche Stimmung, die die Apostelgeschichte erzeugt, in Kenntnis ihrer Wirkungsgeschichte heute kritischer zu beurteilen ist als zur Entstehungszeit.

Der didaktische Teil plädiert für das Arbeiten mit Narrativität und Bildersprache (Feuer, Sturm, Geist als symbolische Deutungsräume), für biografisches Lernen mit Petrus und Paulus auf Augenhöhe statt Heiligenverehrung, für die Nutzung der „anstößigen" Texte zur Erschließung von Grenzen weltanschaulicher Positionalität und für offene theologisierende Zugänge zum Heiligen Geist, die keine vorgefertigten Antworten setzen.

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