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Die Frage nach Gott angesichts menschlichen Leids

Veröffentlichung:1.1.2011

Der Fachartikel von Alexander Loichinger ist im Heft ru heute 01 2011 unter dem Titel „“ erschienen und umfasst die Seiten 5 bis 8. Er behandelt das klassische Theodizeeproblem, also die Frage nach Gott angesichts menschlichen Leids. Im Mittelpunkt stehen die theologischen Probleme, wie Gottes Allmacht und Güte mit der Realität von moralischem und natürlichem Leid vereinbar sind. Der Artikel stellt traditionelle und moderne Lösungsansätze vor und diskutiert deren Stärken und Grenzen.

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Der Artikel Die Frage nach Gott angesichts menschlichen Leids von Alexander Loichinger setzt beim Besuch von Papst Benedikt XVI. in Auschwitz im Jahr 2006 an, bei dem dieser die drängende Frage stellte, wo Gott angesichts eines solchen Grauens gewesen sei. Ähnliche Fragen stellen sich auch angesichts von Naturkatastrophen wie dem Erdbeben und Tsunami in Japan 2011. Damit ist das sogenannte Theodizeeproblem benannt, ein Begriff, der auf Gottfried Wilhelm Leibniz zurückgeht. Theodizee bedeutet Rechtfertigung Gottes und fragt danach, wie der Glaube an einen allmächtigen und gütigen Gott angesichts des real existierenden Leids gerechtfertigt werden kann. Das Problem entsteht aus einem scheinbaren Widerspruch zwischen Gottes Allmacht, seiner Güte und der Tatsache des Leids in der Welt. Der Philosoph Bertrand Russell formulierte zugespitzt, dass ein allmächtiges Wesen eine bessere Welt hätte erschaffen müssen, und zog daraus den atheistischen Schluss, Gott existiere nicht.

Der Artikel stellt zunächst die traditionelle Sündenfalltheodizee vor. Diese geht davon aus, dass Gott ursprünglich ein Paradies geschaffen habe und das Leid erst durch den Sündenfall des Menschen in die Welt gekommen sei. Leid wird hier moralisch gedeutet als Folge menschlicher Schuld. Diese Deutung hat jedoch durch naturwissenschaftliche Erkenntnisse an Plausibilität verloren, da es ein historisches Paradies und eine leidfreie Anfangswelt nicht gegeben hat.

Die moderne Theologie geht deshalb von einem evolutiven Universum aus, in dem Leid von Anfang an dazugehört. Innerhalb dieser Perspektive unterscheidet Loichinger zwischen theoretischen und praktischen Theodizeen. Theoretische Theodizeen versuchen Gründe zu benennen, warum Gott eine leidvolle Welt erschaffen haben könnte. Hier werden insbesondere die Ansätze von Richard Swinburne und John Hick dargestellt. Swinburne argumentiert mit der menschlichen Freiheit. Echte Freiheit bedeute die Möglichkeit, sich auch für das Böse zu entscheiden. Nur so entstehe echte Verantwortung. Hick knüpft an die sogenannte irenäische Tradition an, die auf Irenäus von Lyon zurückgeht. Danach ist die Welt kein fertiges Paradies, sondern ein Entwicklungsraum, in dem der Mensch durch Herausforderungen zu moralischer und geistiger Reife gelangt. Leid wird hier als Bedingung für personale Reifung verstanden.

Demgegenüber stehen praktische Theodizeen, die es für anmaßend halten, Gottes Gründe erklären zu wollen. Vertreter wie Dorothee Sölle, Karl Rahner, Hans Küng und Jürgen Moltmann betonen die Unbegreiflichkeit Gottes. Leid dürfe nicht funktionalisiert oder theoretisch gerechtfertigt werden. Angesichts von Ereignissen wie Auschwitz versagten rationale Erklärungen. Stattdessen stehe die praktische Solidarität, das Mitgefühl und das Vertrauen auf den mitleidenden Gott im Zentrum. Besonders das Buch Ijob wird als biblisches Beispiel genannt. Ijob klagt Gott an und ringt mit ihm, ohne eine rationale Antwort zu erhalten. Gottes Antwort verweist auf die Größe und Unbegreiflichkeit der Schöpfung und fordert Vertrauen.

Im Fazit betont Loichinger, dass weder theoretische noch praktische Theodizeen allein überzeugen. Theoretische Ansätze riskieren, Leid zu verharmlosen, während rein praktische Ansätze in ein intellektuelles Schweigen münden können. Der Weg liege in einer Balance beider Perspektiven. Eine endgültige Lösung des Theodizeeproblems gibt es nicht. Der Skandal des Leids bleibt bestehen. Dennoch könne der Glaube durch reflektierte Argumente gestützt und zugleich durch Vertrauen getragen werden.

Hessen

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