Der Artikel setzt mit dem Kreuzzugsaufruf Papst Urbans des Zweiten im Jahr 1095 ein und nimmt von dort aus die Begriffe heiliger Krieg und Reconquista kritisch in den Blick. Ausgangspunkt ist die Frage, wer überhaupt bestimmen kann, was Gottes Wille ist, und ob ein Krieg, der im Namen Gottes geführt wird, deshalb schon als heilig gelten darf. Der Autor macht deutlich, dass zeitgenössische Bezeichnungen wie bellum sacrum nicht einfach bedeuten, dass der Krieg selbst heilig sei. Gemeint war vielmehr, dass diejenigen, die an einem solchen Krieg teilnahmen, unter bestimmten Voraussetzungen geistlichen Lohn empfangen und selbst geheiligt werden konnten.
Ein zentrales Anliegen des Artikels ist die kritische Auseinandersetzung mit dem Begriff Reconquista. Dieser Begriff stammt nicht aus dem Mittelalter selbst, sondern wurde in der Neuzeit geprägt und später stark ideologisch aufgeladen. Er erzählt die Geschichte der Iberischen Halbinsel als lange christliche Rückeroberung eines ursprünglich rechtmäßigen Besitzes. Der Autor zeigt jedoch, dass diese Meistererzählung zu einfach ist. Sie blendet aus, dass die Geschichte der Halbinsel ebenso von Kooperation, Austausch und Zusammenleben zwischen Christen, Muslimen und Juden geprägt war. Deshalb plädiert der Artikel dafür, militärische Auseinandersetzungen und friedliche Koexistenz gleichermaßen zu berücksichtigen.
Im Überblick über die Entwicklung der Iberischen Halbinsel seit der muslimischen Eroberung ab 711 beschreibt der Artikel verschiedene Phasen. Nach der raschen Eroberung großer Teile der Halbinsel bildeten sich im Norden christliche Herrschaften heraus, vor allem in Asturien und Navarra. Später wurde daraus eine Erzählung des Widerstands und der göttlich gewollten Wiederherstellung christlicher Herrschaft entwickelt. Nach dem Zerfall des Kalifats von Córdoba im 11. Jahrhundert entstanden muslimische Teilreiche, die es den christlichen Herrschaften ermöglichten, stärker in die Offensive zu gehen. Dabei spielten nicht nur politische und militärische Interessen eine Rolle, sondern zunehmend auch religiöse Deutungen, die durch Kreuzzugsideen, päpstliche Unterstützung und geistliche Lohnversprechen verstärkt wurden. Zugleich brachte das Eingreifen der Almoraviden und später der Almohaden neue religiöse Strenge und neue militärische Dynamik in die Auseinandersetzungen.
Als erstes Beispiel behandelt der Artikel Covadonga und die Anfänge der Reconquista. Die Schlacht von Covadonga wurde in späteren christlichen Chroniken als erster entscheidender Sieg gegen die Muslime dargestellt und zu einem Gründungsmythos der spanischen Geschichte ausgebaut. Dabei zeigt der Autor, dass diese Erzählung stark von späteren Interessen geprägt ist. Die Niederlage der Westgoten im Jahr 711 wurde als Strafe Gottes für Sünde gedeutet. Der spätere Sieg von Pelagius in Covadonga erschien dann als Beginn einer von Gott gewollten Erneuerung. Damit verband sich ein deutlicher Providentialismus. Geschichte wurde heilsgeschichtlich gedeutet. Niederlage und Sieg galten nicht einfach als militärische Ereignisse, sondern als Zeichen göttlichen Handelns. Solche Deutungen stärkten die Legitimität des asturischen Königtums und schufen eine religiös unterlegte Erinnerungskultur.
Als zweites Beispiel untersucht der Artikel die Verbindung von Kreuzzug und Reconquista im 12. Jahrhundert. Zunächst wird am Beispiel des Cid gezeigt, dass Kämpfe auf der Iberischen Halbinsel nicht von Anfang an eindeutig religiös motiviert waren. Der historische Cid kämpfte wechselweise auf Seiten christlicher und muslimischer Herrscher. Das zeigt, dass politische und persönliche Interessen oft wichtiger waren als klare Glaubensgrenzen. Erst spätere Dichtungen machten aus ihm einen christlichen Helden im Kampf gegen die Muslime. Diese Umdeutung steht im Zusammenhang mit einer Zeit, in der religiöse Deutungen des Krieges an Gewicht gewannen. Besonders deutlich wird dies an der Predigt des Bischofs von Porto während des Zweiten Kreuzzugs. Dort werden Augustinus und Isidor herangezogen, um den Kampf gegen die Muslime in Spanien als gerechten Krieg zu begründen. Entscheidend ist dabei die Absicht der Kämpfenden. Nicht bloß das Kämpfen selbst, sondern die innere Hinwendung zu Gott und die selbstlose Motivation machen den Kriegsteilnehmer vor Gott verdienstvoll. Der Artikel betont, dass hier eine wichtige Entwicklung mittelalterlicher Theologie sichtbar wird. Die Lehre vom gerechten Krieg wird mit der Idee persönlicher Frömmigkeit und Buße verbunden. So konnte ein Krieg religiös legitimiert werden, ohne dass der Krieg als solcher heilig sein musste.
Das dritte Beispiel ist die Eroberung Granadas im Jahr 1492. Der Artikel beschreibt diese letzte Phase nicht nur als militärischen Abschluss der christlichen Expansion, sondern auch als politischen Schritt zur Vereinheitlichung der Halbinsel unter Ferdinand und Isabella. Zwar wurden zunächst vergleichsweise günstige Bedingungen für die muslimische Bevölkerung vereinbart, doch schon bald setzte sich ein härterer Kurs durch. Zwangsbekehrungen, Massentaufen und schließlich die Wahl zwischen Taufe und Auswanderung zeigen, dass politische Einheit zunehmend mit religiöser Einheit verbunden wurde. Auch die Vertreibung der Juden im selben Jahr steht in diesem Zusammenhang. Der Artikel macht deutlich, dass diese Politik nicht allein aus religiösem Fanatismus erklärt werden kann, sondern auch staatsbildende und machtpolitische Ziele verfolgte. Gleichwohl wurde der politische Einigungsprozess klar religiös aufgeladen.
Im Schluss vergleicht der Artikel die verschiedenen Phasen und betont, dass sich die religiöse Begründung von Krieg im Lauf der Zeit verändert hat. In frühen Deutungen wie bei Covadonga steht die Vorstellung von Sünde, göttlicher Strafe und göttlicher Führung im Vordergrund. Im Hochmittelalter werden dann stärker theologische Überlegungen zum gerechten Krieg wichtig, besonders unter dem Einfluss von Augustinus, Isidor und den Kreuzzügen. Gegen Ende des Mittelalters tritt neben die religiöse Legitimation stärker das Ziel politischer und staatlicher Einheit. Insgesamt zeigt der Artikel, dass der Begriff heiliger Krieg für die Iberische Halbinsel nur mit großer Vorsicht verwendet werden sollte. Treffender ist oft die Rede vom gerechten Krieg, der religiös begründet, politisch motiviert und historisch sehr unterschiedlich ausgeprägt war. Für Lehrkräfte ist der Text besonders geeignet, weil er Lernenden deutlich macht, wie eng religiöse Deutungen, politische Interessen und historische Erinnerung miteinander verflochten sind.