Der Artikel setzt damit ein, dass Leid überall begegnet und der Wunsch, es zu verstehen, ein menschliches Grundbedürfnis sein kann, dieses Verstehen aber gerade bei extremem Leid wie Massengewalt, Folter oder sexualisierter Gewalt schnell an Grenzen stößt. Der Text nähert sich dem Thema aus sunnitisch muslimischer Sicht und betont, dass in solchen Situationen oft nicht eine rationale Erklärung trägt, sondern Frömmigkeit und eine tief gelebte Religiosität. Das Bemühen, Leid unbedingt verstehen zu wollen, kann dabei sogar als Auflehnung gegen Gottes Verfügung erscheinen, weil Glaube und Liebe zu Gott in erster Linie Annahme und Hingabe bedeuten, getragen von einem Urvertrauen, das nicht erst durch logische Beweise hergestellt wird. Nach einem ersten nachvollziehbaren Zugang zum Glauben werden Hoffnung und Vertrauen entscheidend, und Leid widerspricht ihnen nicht, sondern wird als Prüfung verstanden, in der sich die Tiefe des Glaubens erweist. Das wird am Beispiel Abrahams verdeutlicht, dessen Opferbereitschaft menschlich kaum so erklärbar ist, dass daraus ein rationales Einverständnis entstehen könnte. Entscheidend ist deshalb nicht die vollständige Einsicht, sondern die Ergebung, denn als Muslim gilt derjenige, der sich Gott in jeder Hinsicht ergibt.
Der Text macht weiter deutlich, dass die Bedeutung von Leid nicht immer direkt verständlich ist und dass auch der Koran Situationen kennt, in denen der größere Zusammenhang nicht das Wohlergehen des Einzelnen in den Mittelpunkt stellt. Zugleich zielt der Koran darauf, Gläubige so zu formen, dass sie Leid und Elend bekämpfen und der Versuchung widerstehen, selbst Böses zu tun. Leid wird außerdem als Folge menschlichen Handelns beschrieben. Selbst scheinbar positive Dinge wie Reichtum, Vergnügen oder Wohlstand können Leidmittel werden. Daneben wird Leid im Koran auch als göttliche Strafe erwähnt, jedoch unter der Grundannahme, dass Gott dem Menschen kein Unrecht zufügt und Menschen für ihr Tun und dessen Folgen Verantwortung tragen. Oft ist Leid daher Ergebnis ungerechten menschlichen Handelns, aktiv oder passiv. Menschen neigen dazu, Gott im Wohlergehen zu vergessen und sich im Leid wieder an ihn zu wenden. So werden Lebensumstände als Prüfungen verstanden, die zum Weg zu Gott werden können. Daraus folgt eine zentrale Aussage des Artikels: Leid muss nicht immer verstanden werden, aber es soll im Vertrauen auf Gottes Weisheit angenommen werden. Akzeptanz vom eigenen Verstehen abhängig zu machen gilt als problematisch, weil damit die eigene Erkenntnis über Gottes Weisheit gestellt würde. Zudem ist Leid relativ, weil Menschen unterschiedlich empfinden, was sie als unerträglich oder geringfügig erleben.
In der Annahme des Leids unterscheidet der Artikel zwei Stufen. Erduldung bedeutet, dass ein innerer Widerstand bleibt, man hält aus, was man nicht will. Ergebenheit meint mehr, nämlich das bewusste Annehmen von Gottes Urteil, etwa bei unheilbaren Krankheiten, Tod oder Naturkatastrophen, in denen der Sinn nicht greifbar ist. Gleichzeitig grenzt der Text diese Haltung klar ab: Geduld und Schicksalsergebenheit sind nicht gefordert, wenn Unrecht geschieht und man die Möglichkeit hat, etwas zu verändern. Dann muss eingegriffen werden, damit Religion nicht zu bloßer Vertröstung wird. Eng verbunden mit dem Umgang mit Leid ist Dankbarkeit. Das Leben selbst, das Atmen und das Bewusstsein gelten als Gaben. Gerade Leid kann zur Dankbarkeit führen, weil es die Vergänglichkeit des Irdischen zeigt und den Menschen zu Gott führen kann. Deshalb, so der Text, erfahren Propheten besonders viel Leid. Als Beispiel wird Muhammad genannt, der schwere Verluste und Verfolgung erlebte, aber nicht haderte, sondern auch in schweren Momenten Dankbarkeit zeigte. Daraus wird eine Pflicht abgeleitet, alles aus Gottes Hand anzunehmen, Leid und Glück, Gesundheit und Krankheit, und sogar die letzten Wirklichkeiten von Gericht und Heil.
Im Schluss fasst der Artikel zusammen, dass Leid im muslimischen Verständnis ein Weg zu Gott ist und Gott dabei dem Menschen kein Unrecht zufügt. Jedes Leid hat Sinn, auch wenn dieser dem Menschen nicht immer zugänglich ist. Gefordert ist daher nicht zuerst die Sinnfrage, sondern Vertrauen in Gottes Weisheit, Geduld und Ergebenheit, jedoch mit der klaren Ausnahme, dass gegen vermeidbares Unrecht aktiv gehandelt werden soll. Das ganze Leben erscheint als göttliche Prüfung, die der Gläubige dankbar annehmen soll, weil Gott im Leid Wege zu sich eröffnet. Freiheit des Menschen, die Möglichkeit zur Sünde und die daraus entstehenden Formen des Bösen werden nicht Gott angelastet, sondern der menschlichen Verantwortung. Gott die Schuld für das Böse zu geben wäre aus dieser Sicht ein Umsturz des islamischen Grundverständnisses. Abschließend wird betont, dass menschliche Erkenntnis begrenzt ist und dass Gott allein vollständig weiß, was dem Menschen nützt oder schadet.