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Katholische Akademie Bayern

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Die Geschichtsphilosophie von Karl Marx

Veröffentlichung:1.1.2023

Der Artikel umfasst sechs Seiten. Der Fachartikel zeigt, dass Karl Marx trotz seines Anspruchs, keine Philosophie mehr zu betreiben, weiterhin eine anspruchsvolle Geschichtsphilosophie entwickelt. Im Mittelpunkt steht die These, dass Marx stärker von Hegel geprägt ist, als es die traditionelle Deutung des historischen Materialismus oft annimmt. Behandelt werden vor allem philosophische Grundprobleme wie das Verhältnis von Philosophie und Wissenschaft, die Rolle von Geschichte und Fortschritt, die Bedeutung von Entfremdung, Gattungswesen, Arbeit, Bewusstsein und gesellschaftlicher Entwicklung sowie die Frage, ob Marx eine teleologische Geschichtskonzeption vertritt.

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Der Artikel untersucht die Geschichtsphilosophie von Karl Marx und fragt, ob sein Denken trotz seines wissenschaftlichen Anspruchs weiterhin philosophisch begründet ist. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Marx Geschichte als Vorgeschichte der Menschheit versteht. Gemeint ist damit eine historische Phase, in der Menschen sich ihr eigenes Wesen und ihre Geschichte noch nicht bewusst angeeignet haben. Der Verfasser betont, dass Marx in seinem Denken eine geschichtsphilosophische Grundstruktur beibehält, die stark durch Hegel und den Linkshegelianismus geprägt ist.

Ein zentrales Thema des Artikels ist die Kritik an der traditionellen Vorstellung vom historischen Materialismus. Diese klassische Lesart stützt sich stark auf die spätere Edition der Deutschen Ideologie, besonders auf das sogenannte Feuerbach Kapitel. Der Autor zeigt jedoch, dass diese Darstellung wesentlich durch editorische Entscheidungen des 20. Jahrhunderts geprägt wurde. Die neuere kritische Edition der Texte macht deutlich, dass es sich nicht um ein fertig abgeschlossenes Werk handelt, sondern um Fragmente. Deshalb muss auch die verbreitete Vorstellung korrigiert werden, Marx habe dort bereits ein vollständiges und geschlossenes System des historischen Materialismus vorgelegt.

Stattdessen arbeitet der Artikel heraus, dass Marx und Engels in diesen Manuskripten eine empirisch informierte Geschichtsphilosophie entwerfen. Diese unterscheidet sich von idealistischen Geschichtskonzeptionen dadurch, dass Bewusstsein nicht als unabhängige oder erste Ursache der Geschichte verstanden wird. Geschichte entsteht vielmehr aus dem Zusammenspiel von Produktivkräften, gesellschaftlichen Zuständen und Bewusstsein. Dabei ist das Bewusstsein zwar wichtig, aber immer in soziale und materielle Bedingungen eingebunden. Menschen handeln geschichtlich, wenn ihr Tun Veränderungen hervorbringt, die über Generationen hinweg wirksam bleiben.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Entfremdung. Der Artikel zeigt, dass Marx diese nicht nur als soziales Phänomen, sondern als Ausdruck einer tieferen geschichtsphilosophischen Problematik versteht. Arbeitsteilung und Privateigentum führen dazu, dass Menschen sich von ihrer eigenen Tätigkeit, von anderen und von sich selbst entfremden. Marx versucht, diese Entwicklung nicht nur empirisch zu beschreiben, sondern auch philosophisch zu deuten. Deshalb sieht der Verfasser in Marx keinen reinen Empiriker, sondern einen Denker, der seine Anthropologie des menschlichen Gattungswesens weiterhin voraussetzt.

Im Anschluss wendet sich der Artikel Marx’ Kritik der politischen Ökonomie zu. Ab 1850 konzentriert sich Marx vor allem auf die Analyse des Kapitalismus. Auch hier bleibt nach Auffassung des Verfassers die geschichtsphilosophische Dimension erhalten. Das Kapital ist demnach nicht bloß ökonomische Analyse, sondern Teil einer umfassenden kritischen Sozialphilosophie. Marx versteht den Kapitalismus als letzte antagonistische Form der menschlichen Vorgeschichte. In ihm entwickeln sich die Produktivkräfte so weit, dass zugleich die Bedingungen für seine eigene Überwindung entstehen.

Der Autor setzt sich mit zwei verbreiteten Deutungen auseinander. Die erste sieht in Marx’ Methode eine logisch historische Entwicklung, bei der begriffliche und historische Entwicklung parallel verlaufen. Die zweite will Marx vor allem als empirischen Sozialwissenschaftler lesen. Beide Interpretationen hält der Verfasser für unzureichend. Dagegen betont er, dass Marx mit Aussagen arbeitet, die sich nicht allein empirisch begründen lassen. Formulierungen wie nie, alle oder letzte setzen stärkere philosophische Voraussetzungen voraus. Auch der Begriff Vorgeschichte verweist auf ein umfassendes Modell menschlicher Entwicklung.

Besonders wichtig ist deshalb die Darstellung der ursprünglichen Akkumulation im Kapital. Marx beschreibt hier die gewaltsame Trennung der Produzenten von ihren Produktionsmitteln als Voraussetzung des Kapitalismus. Gewalt spielt in dieser Vorgeschichte eine zentrale Rolle. Später stabilisiert sich das System jedoch nicht mehr nur durch offene Gewalt, sondern durch Gewöhnung, Erziehung und soziale Verhältnisse. Der Kapitalismus bringt dabei seine eigenen Widersprüche hervor, bis schließlich ein Punkt erreicht ist, an dem seine Form mit der gesellschaftlichen Entwicklung unvereinbar wird.

Am Ende zeigt der Artikel, dass Marx die geschichtliche Entwicklung mit Kategorien beschreibt, die deutlich an Hegel erinnern. Die Entwicklung erscheint als Negation und Negation der Negation. Damit wird sichtbar, dass Marx die hegelsche Dialektik nicht einfach verwirft, sondern in veränderter Form weiterführt. Seine Geschichtsphilosophie verbindet also empirische Analyse mit philosophischer Anthropologie und dialektischem Denken. Der Artikel kommt deshalb zu dem Ergebnis, dass Marx nicht als rein empirischer Theoretiker verstanden werden kann. Vielmehr bleibt seine Analyse des Kapitalismus in eine umfassende Geschichtsphilosophie eingebettet, die von Hegel ausgeht und zugleich materialistisch umgearbeitet wird.

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