Der Artikel zieht eine erste Bilanz zur katholischen Literatur und Mediengeschichte und macht deutlich, dass dieses Forschungsfeld in den vergangenen Jahrzehnten stark vernachlässigt worden ist. Große literaturwissenschaftliche Arbeiten zur besonderen Eigenart katholischer Literatur sind selten geworden und auch Studien zu einzelnen Autorinnen und Autoren oder größere Sammelbände gibt es nur vereinzelt. Dennoch hält der Verfasser daran fest, dass Literatur weiterhin ein Ort sein kann, an dem religiöse Erfahrungen, Formen von Transzendenz und eine gegenwartskritische Religiosität Ausdruck finden.
Vor diesem Hintergrund stellt der Artikel eine internationale Tagung vor, die das Forschungsfeld neu öffnen sollte. Dabei ging es nicht nur um katholische Literatur im engeren Sinn, sondern allgemeiner um katholische und christliche Spuren in Literatur und Medien. Untersucht wurden etwa Romane der Gegenwart, Fernsehserien und kulturelle Erzählmuster, in denen sich religiöse Fragen, Geheimnisse, das Numinose oder magische Elemente zeigen. Die leitende These lautet, dass jedes Medium eine gewisse Offenheit für Transzendenz in sich trägt. Deshalb wird gefragt, wie sich diese Offenheit in textuellen Strukturen, in Stoffen und in Erzählformen ausdrückt.
Ein weiterer Schwerpunkt des Artikels ist die Debatte um die Rückkehr der Religion. Der Verfasser erinnert daran, dass zu Beginn der 2000er Jahre verstärkt darüber diskutiert wurde, ob Religion im öffentlichen und kulturellen Raum wieder sichtbarer werde. Ereignisse wie das Heilige Jahr 2000, die Anschläge vom 11. September und Diskussionen über die religiöse Prägung Europas führten dazu, dass Religion erneut stärker in den Blick rückte. Diese Debatten bilden auch einen wichtigen Hintergrund für die Frage, wie religiöse Themen in Literatur und Medien der Gegenwart erscheinen.
Der Artikel nennt zudem wichtige Forschungsansätze und Autorinnen und Autoren, die sich mit Transzendenz, religiösen Spuren oder katholischer Literatur beschäftigt haben. Dabei wird deutlich, dass es zwar einzelne Vorarbeiten gibt, das Feld insgesamt aber noch keineswegs systematisch erschlossen ist. Die vorgestellte Tagung verstand sich deshalb als ein bewusstes Signal, um das Thema erneut auf die kultur und medienwissenschaftliche Agenda zu setzen.
Im weiteren Verlauf skizziert der Verfasser das Spektrum der Tagungsbeiträge. Besprochen wurden unterschiedliche literarische Werke, einzelne Autorinnen und Autoren sowie mediale Formate wie Spielfilme und Serien. Damit sollte gezeigt werden, dass das Katholische oder allgemeiner das Christliche heute nicht nur in klassischen literarischen Formen vorkommt, sondern auch in populären Medien, in Bildwelten, in Erzählmustern und in kulturellen Symbolsystemen weiterwirkt. Gerade diese Vielfalt macht das Forschungsfeld für die Gegenwart interessant.
Zum Schluss greift der Artikel die Position Martin Mosebachs auf, der bezweifelt, dass es heute noch katholische Literatur im umfassenden Sinn gibt. Nach seiner Auffassung konnte katholische Literatur nur in einer gesellschaftlichen Situation entstehen, in der christlicher Glaube kulturell selbstverständlich war. Da diese Grundierung heute weitgehend verloren gegangen sei, könne man nur noch eingeschränkt von katholischer Literatur sprechen. Der Verfasser übernimmt diese Position nicht einfach, sondern nutzt sie als Anstoß für die weiterführende Frage, wie religiöse und transzendente Motive dennoch in gegenwärtigen Texten und Medien fortleben. Gerade darin liegt für ihn das besondere Erkenntnispotential des Forschungsfeldes.