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Katholische Akademie Bayern

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Die Apostelgeschichte Von Jerusalem nach Rom

Veröffentlichung:1.6.2021

Der Fachartikel umfasst 3 Seiten. Der Artikel zeigt, dass die Apostelgeschichte ein zentraler und bis heute aktueller Text des Neuen Testaments ist, weil sie die Entstehung des frühen Christentums erzählt und zugleich die Gegenwart der Glaubenden anspricht. Behandelt werden dabei vor allem theologische Probleme wie die Wirkung des Heiligen Geistes, die Verkündigung des Evangeliums, die Ausbreitung der Kirche, das Verhältnis von Juden und Heiden, die Frage nach der Identität christlicher Gemeinden sowie die Bedeutung von Zeugenschaft und Nachfolge.

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Der Artikel beschreibt die Apostelgeschichte als eine spannende und zugleich theologisch bedeutsame Schrift des Neuen Testaments. Sie wird als Reiseerzählung vorgestellt, die ihre Leser nicht unbeteiligt lässt, sondern sie in die Geschichte hineinzieht. Die Apostelgeschichte ist nach Darstellung des Autors zeitlich, räumlich und inhaltlich bis in die Gegenwart hinein aktuell. Zeitlich stehen heutige Glaubende noch immer in derselben heilsgeschichtlichen Etappe wie die ersten Jünger, weil auch sie dazu berufen sind, Zeugen des Glaubens zu sein. Räumlich bewegt sich die Erzählung von Jerusalem bis nach Rom und kommt damit der Lebenswelt der Adressaten immer näher. Inhaltlich behandelt sie Fragen, die bis heute bedeutsam sind, etwa das Wachsen von Gemeinden, Konflikte, Aufbrüche, Rückschläge sowie die Weitergabe des Glaubens in neue kulturelle Kontexte.

Anschließend geht der Artikel auf die Frage nach dem Autor ein. Die Apostelgeschichte ist anonym verfasst, wird aber in der kirchlichen Tradition Lukas zugeschrieben, der als Arzt und Begleiter des Paulus galt. Der Beitrag macht jedoch deutlich, dass sich diese Zuschreibung historisch nicht sicher beweisen lässt. Weder ein besonderes medizinisches Interesse noch eine enge theologische Nähe zu Paulus lassen sich eindeutig nachweisen. Dennoch gilt es als wahrscheinlich, dass das Lukasevangelium und die Apostelgeschichte ein zusammengehöriges Doppelwerk darstellen. Beide Schriften sind an Theophilus gerichtet und stehen inhaltlich eng miteinander in Verbindung. Der Autor der Apostelgeschichte erscheint als begnadeter Erzähler, der geschichtliche Darstellung mit lebendiger, anschaulicher und teilweise auch humorvoller Erzählweise verbindet.

Ein wichtiger Abschnitt des Artikels widmet sich dem Verhältnis von Fakt und Fiktion. Die Apostelgeschichte ist nach dieser Deutung keine nüchterne moderne Geschichtsschreibung, sondern ein Werk antiker Historiografie. Das bedeutet, dass der Autor nicht nur Fakten mitteilen will, sondern die Vergangenheit so darstellen möchte, dass die Leser sich mitten im Geschehen wiederfinden. Dazu ordnet, verdichtet und gestaltet er seine Stoffe. Reden werden ausgearbeitet, Ereignisse werden erzählerisch geformt und einzelne Szenen so dargestellt, dass sie eindrucksvoll und anschaulich wirken. Der Artikel betont, dass die Apostelgeschichte deshalb nicht einfach unwahr ist. Vielmehr vermittelt sie auf erzählerische Weise eine tiefere Wahrheit über die Bedeutung der frühen christlichen Geschichte.

Danach werden die Adressaten der Apostelgeschichte beschrieben. Der Artikel nimmt an, dass sich das Werk vor allem an Christen in Rom oder in einem vergleichbaren städtischen Umfeld des römischen Reiches richtet. Diese Christen leben gegen Ende des ersten oder zu Beginn des zweiten Jahrhunderts in einer Übergangszeit. Sie sind in der Gesellschaft sichtbar geworden, gehören aber weder eindeutig zum Judentum noch zur heidnischen Mehrheitskultur. Deshalb dient die Apostelgeschichte auch der Selbstvergewisserung. Sie soll Christen zeigen, woher sie kommen, was ihr Glaube ausmacht und wie sie sich in der Welt orientieren können. Dabei spielt auch die Verteidigung des Christentums nach außen eine Rolle. Die vielen Gerichtsprozesse in der Apostelgeschichte verdeutlichen, dass Christen keine Verbrecher sind, sondern Träger einer glaubwürdigen und wertvollen Lebensform. Zugleich erinnert das Werk an die soziale Verantwortung christlicher Gemeinden. Die Idealisierung der Urgemeinde macht deutlich, dass Teilen, Fürsorge und Solidarität zum Wesen christlichen Lebens gehören.

Im nächsten Schritt erklärt der Artikel den Aufbau der Apostelgeschichte anhand der drei zentralen Orte Jerusalem, Judäa und Samaria sowie Rom. In Jerusalem beginnt alles. Dort werden die Jünger nach Ostern auf ihre neue Aufgabe vorbereitet. Die Himmelfahrt Jesu markiert einen Übergang, und mit der Sendung des Geistes an Pfingsten beginnt die neue Zeit der Kirche. Die Pfingsterzählung ist theologisch besonders wichtig, weil sie die Kraft des Geistes als Ursprung der christlichen Gemeinschaft und ihres Handelns beschreibt. Auch Konflikte gehören schon zur Jerusalemer Urgemeinde, etwa die Spannungen zwischen Hebräern und Hellenisten. Die Einsetzung der sieben Diakone zeigt, dass die Gemeinde auf soziale Probleme reagieren muss. Die Steinigung des Stephanus und die anschließende Zerstreuung der Christen werden dann zum Ausgangspunkt für die weitere Ausbreitung des Glaubens.

Im zweiten großen Abschnitt der Apostelgeschichte gelangt die Botschaft in die Regionen Judäa und Samaria. Gerade aus Konflikten und Verfolgung entsteht neues Wachstum. Der Artikel nennt als Beispiele die Bekehrung des äthiopischen Kämmerers, die Taufe des römischen Hauptmanns Cornelius und vor allem die Bekehrung des Paulus. Diese Ereignisse markieren wichtige Schritte, weil sie zeigen, dass das Evangelium über die Grenzen Israels hinaus Menschen unterschiedlichster Herkunft erreicht.

Ein entscheidender Wendepunkt liegt in der Jerusalemer Versammlung. Dort wird die Frage geklärt, ob Menschen aus der Völkerwelt erst Juden werden müssen, um Christen sein zu können. Der Beitrag hebt hervor, dass die Entscheidung zugunsten einer Öffnung fällt. Heiden müssen nicht das ganze jüdische Gesetz übernehmen, sondern nur wenige grundlegende Weisungen beachten. Damit wird der Weg frei für eine weltweite Mission. Dieser Beschluss ist theologisch von großer Tragweite, weil er das Christentum als offen für unterschiedliche Völker und Kulturen erscheinen lässt.

Der dritte Teil der Apostelgeschichte schildert dann die Missionsreisen des Paulus. Die geographische Perspektive weitet sich stark aus. Paulus bringt das Evangelium an viele Orte und zu vielen verschiedenen Menschen, zu Juden und Griechen, zu Philosophen und Handwerkern, zu einfachen Bürgern und politischen Verantwortungsträgern. Der Artikel beschreibt dies als Siegeszug des Evangeliums. Mit Rom wird das Zentrum der damaligen Welt erreicht. Dadurch erhält das Ende der Apostelgeschichte eine symbolische Bedeutung, weil nun deutlich wird, dass die Botschaft Jesu offen ist für die ganze Welt.

Besonders hervorgehoben wird im Artikel auch die große Zahl an Personen, die in der Apostelgeschichte auftreten. Insgesamt werden 117 namentlich genannte Personen erwähnt. Dies zeigt nach der Deutung des Beitrags, dass der Glaube durch konkrete Menschen weitergegeben wird. Zeugenschaft braucht Vorbilder. Neben Petrus, Paulus, Stephanus, Philippus und Cornelius nennt der Artikel ausdrücklich auch Frauen wie Lydia, Tabita und Priszilla. Damit wird deutlich, dass die Ausbreitung des frühen Christentums ohne das Wirken mutiger Frauen nicht verständlich wäre. Die Apostelgeschichte stellt den Lesenden somit zahlreiche Modelle vor Augen, an denen sie sich orientieren können.

Am Ende widmet sich der Artikel dem offenen Schluss der Apostelgeschichte. Paulus erreicht Rom, lebt dort unter Bewachung in einer Mietwohnung und verkündigt weiterhin frei das Evangelium. Sein Prozess und sein Tod werden jedoch nicht erzählt. Der Beitrag deutet dieses offene Ende bewusst theologisch. Es fehlt kein Schlussstück, sondern die Erzählung bleibt absichtlich offen. Lukas setzt keinen Schlusspunkt, sondern übergibt die Geschichte an seine Leser. Diese sollen die Verkündigung fortsetzen und an das anknüpfen, was die ersten Zeugen begonnen haben. Deshalb endet die Apostelgeschichte eigentlich nicht, sondern öffnet sich immer wieder neu auf das Leben späterer Glaubender hin. Der Artikel schließt mit der Aussage, dass wir noch immer in derselben Geschichte stehen.

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Sekundarstufe II | Q4 Kirche – Gemeinde Jesu Christi

Q4.1 Selbstverständnis der Kirche.

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Sekundarstufe II | 12/1 Jesus Christus und die Kirche

12.1 / 1. Botschaft und Anspruch Jesu und das Selbstverständnis der frühen Kirche.

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