Zum lebensweltlichen Zugang verweist Heller auf die Shell-Jugendstudie: Die „pragmatische Generation" dürfte den Text zunächst als „weltfremd und unrealistisch" empfinden. Zugleich finden sich zahlreiche Analoga in der Populärkultur (Filme wie „Gran Torino", „Into the Wild", „Matrix Revolutions"; Songs wie Silbermonds „Leichtes Gepäck") sowie sprachliche Prägungen durch Bergpredigt-Wendungen (Perlen vor die Säue, Licht unter den Scheffel stellen, Auge um Auge, Goldene Regel). Das Thema Gerechtigkeit bietet den zentralen Anknüpfungspunkt: Jugendliche kennen Ungerechtigkeitserfahrungen und sehnen sich nach einer gerechteren Welt – allerdings bleibt der Gottesbezug oft fremd.
Die exegetischen Klärungen umfassen: Aufbau und Struktur der Bergpredigt (Einleitung mit Seligpreisungen und Salz-/Licht-Metaphern; erster Hauptteil mit Tora-Bestätigung und Antithesen; zweiter Hauptteil mit Almosen, Gebet, Fasten, Besitz, Richten, Goldener Regel; Abschluss mit Hausbauer-Parabel); literarische Quellen (Q, matthäisches Sondergut, Redaktion); Verhältnis zur Feldrede des Lukas. Ausgiebig referiert Heller die Auslegungsgeschichte: wortwörtlich-politisches Verständnis (Ragaz), eschatologische Engführungen (Dibelius, Thurneysen, Weiß/Schweitzer), Zwei-Stufen-Ethik (Thomas von Aquin), lutherische Unterscheidung von Amt und Person, Gesinnungsethik (Herrmann/Bultmann), Wandercharismatiker (Theißen/Merz), Sündenspiegel (usus elenchticus/tertius) und rechteologische Sicht. Als Fazit: Der Anspruch der Bergpredigt gilt allen; seine vollständige Umsetzung ist bisher nur Einzelnen gelungen, bleibt aber gesamtgesellschaftlich relevant als „evolutionärer Schmerz" (Theißen/Merz) durch ethische Minoritäten.
Zur Anschlussfähigkeit für Nicht-Christen verweist Heller auf die weisheitlichen Argumentationen der Bergpredigt sowie auf Parallelen in islamischer Scharia, buddhistischem Achtfachen Pfad und humanistischen Solidaritätskonzepten.
Didaktisch entfaltet der Artikel einen breiten Methoden-Fächer: problemorientierte Ansätze (Gewaltfreiheit nach Wink), symboldidaktische Ansätze (Salz, Licht, Hausbauer), kulturhermeneutische Ansätze (Populärfilm-Analoga), performative Ansätze (Andachten, Planspiele, Sozialprojekte, Streitschlichtung), kirchengeschichtsdidaktische Ansätze (Rezeptionsgeschichte bei Luther, Tolstoi, Müller), ökumenische und interreligiöse Ansätze (wechselseitige Perspektivübernahme). Heller betont, dass die Bergpredigt nicht „ethisiert" werden sollte – sie ist ein religiöser Text, der für ein umfassendes Gottes-, Welt- und Selbstverständnis wirbt. Für die Sekundarstufe empfiehlt er die Lektüre der Bergpredigt als Ganzschrift.