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Vom Gott in uns und unter uns zum Verhältnis von Geist und Kirche

Veröffentlichung:1.1.2017

Der Artikel ist im Heft RELIGIONSUNTERRICHTheute 01/2017 enthalten unter dem Titel „Vom Gott in uns und unter uns zum Verhältnis von Geist und Kirche“ und umfasst mehrere Seiten im Schwerpunktteil, beginnend auf Seite 10. Inhaltlich fragt Bernhard Nitsche, wie heute sinnvoll von Gott und vom Geist Gottes gesprochen werden kann und wie daraus ein erneuertes Verständnis von Kirche folgt. Theologisch behandelt der Beitrag vor allem Probleme der Gottesrede in der Gegenwart, die Unterscheidung christlicher Rede vom Geist gegenüber diffuser Energiespiritualität, das trinitarische Verständnis von Vater Geist Sohn sowie die Frage, wie Kirche als vom Geist getragene Gemeinschaft und Sendung glaubwürdig Gestalt gewinnt. Außerdem geht es um das Verhältnis von Freiheit und Institution, um Erneuerung und Reform sowie um die kirchliche Communio und die Gleichwürdigkeit aller Getauften bei unterschiedlicher Beauftragung von Diensten und Ämtern.

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Der Artikel setzt bei einer Gegenwartserfahrung an, in der viele Menschen eher von Energien Kräften Stimmungen oder Schwingungen sprechen als von Gott. Solche Sprachformen eröffnen subjektive Freiräume und entlasten, weil sie keine verpflichtende Instanz benennen, vor der man sich rechtfertigen müsste. Zugleich beschreibt der Text eine prekäre Identität moderner Menschen, die sich einerseits als selbstbestimmte Subjekte verstehen, andererseits aber ihre Fragilität spüren, weil sie ihr Leben unter Beschleunigung, sozialen Erwartungen und unüberschaubaren Einflüssen ständig neu zusammensetzen müssen. In diese Lage gehören auch religiöse Gegenbewegungen, die entweder rigide Glaubenssysteme zur Stabilisierung suchen oder radikal in Protest und Gewalt abgleiten können. Daneben steht eine marktförmige Optimierungslogik, die Glück als machbar erscheinen lässt, bis hin zu esoterischen Vorstellungen von Wiedergeburt und Selbstperfektion. Nitsche fragt dann zugespitzt nach den Menschen, die Leid Grenzen Ohnmacht und Endlichkeit erfahren, nach blockierten Biografien, nach zerstörten Hoffnungen, nach dem Ruf nach Gerechtigkeit für die Opfer der Geschichte und nach einer Hoffnung, die auch angesichts von Tod und dem möglichen Ende der Welt nicht einfach verstummt. In diesem Horizont erinnert er an das kritische Potenzial biblischer Hoffnung auf Würde Gerechtigkeit und gerettetes Leben und greift eine Überlegung auf, dass es unerträglich wäre, wenn die letzten Hoffnungen der Leidenden ins Leere gingen. Christen stellt er vor die Frage, wessen Geist ihre Gedanken und Pläne prägt, und deutet christlich, dass die Energie zur Umkehr und Transformation der Geist Gottes sein kann, der lebendige und freisetzende Gott in uns.

Im zweiten Teil entwickelt der Artikel Grundorientierungen, wie vom Geist Gottes gesprochen werden kann und wie damit Kirche als Zeugin des Geistes verständlich wird. Erstens betont er den Geist des immer größeren Gottes, der gegen politische und religiöse Instrumentalisierungen als unverfügbar und unverzweckbar zu denken ist. Gott ist nicht belanglos fern, sondern jeweils noch einmal größer als alles, was Menschen mit guten Gründen von ihm sagen können. Zweitens beschreibt Nitsche den Geist biblisch als Geist des Lebens, als jene göttliche Lebenskraft, die die Welt belebt, trägt und im Dasein hält, und als Liebe Gottes, die die Herzen erfüllt. Daraus folgt als Kriterium, auf Orte zu achten, an denen Leben gefördert wird, Lebendigkeit wächst und Menschen aus Selbstverschlossenheit in eine offene Zuwendung herausfinden. Drittens wird der Geist als Geist der Freiheit bestimmt. Gerade weil Kirche oft als autoritär wahrgenommen wird, kann sie nur bestehen, wenn sie als Institution der Freiheit überzeugt, Orientierung begründet und nicht bevormundet. Geist achten heißt die eigene Freiheit und die des anderen zu achten, die Würde des anderen zu schützen und Gemeinschaft so zu verstehen, dass Freiheit und Gemeinschaft zusammengehören. Viertens verbindet der Text den Geist mit Erneuerung. Anknüpfend an die Rede von der neuen Geburt aus Wasser und Geist wird der Taufglaube als Ursprung für neues Leben gedeutet und zugleich die Kirche als reformbedürftig verstanden. Fünftens führt der Geist in die Wahrheit. Menschen neigen dazu, unangenehme Wahrheiten zu verdrängen und mehr sein zu wollen als sie sind. Demgegenüber eröffnet der Geist die Möglichkeit, zur eigenen Wahrheit und Endlichkeit Ja zu sagen, weil Gott selbst ein grundlegendes Ja zum Menschen gesprochen hat und dieses in Jesus bekräftigt. Darum können Christen in Treue zur Bibel und im Blick auf die Zeichen der Zeit ihr Gottesbild und ihr Kirchenverständnis immer wieder neu sehen.

Im dritten Teil entfaltet Nitsche eine Re Vision der Rede vom dreieinen Gott, die für viele Menschen sperrig ist. Er beschreibt den Vater als Ursprung gewährenden Gott vor und über uns, als den befreienden und barmherzigen Gott, der Menschen in Würde setzt, zur Verantwortung ruft und Befreiung aus Unrecht will. Der Geist erscheint als der belebende Gott in uns, als Geist der Freude Gerechtigkeit und des Friedens, der jedem Menschen Unverwechselbarkeit schenkt, aufrichtet, heilt, heiligt und Gemeinschaft stiftet. Die Energie, die Menschen spüren, kann so christlich als Gegenwart Gottes im Menschen gedeutet werden. Gottes ewige Selbstaussage, seine Liebe, wird in Jesus leibhaft und bestimmt unter uns. In Jesus wird Gott menschenfreundlich sichtbar, und im Maßstab seines Lebensvollzuges erhalten menschliche Taten und Worte ihren Maßstab, besonders für die Kirche.

Im vierten Teil wendet der Artikel diese trinitarische Sicht auf das Kirchenverständnis an. Jesus versteht sich als vom Geist erfüllter Bote, der das Heil Gottes zuspricht und Wirklichkeit werden lässt, und er sendet seine Jüngerinnen und Jünger in denselben Dienst. Nachfolge ist gemeinsamer Weg, geprägt von Vertrauen, Entäußerung und diakonischer Haltung. Nitsche greift Orientierungen des Zweiten Vatikanischen Konzils auf und beschreibt Kirche als vom dreieinen Gott her geeintes Volk Gottes und als Sakrament des Geistes. Aus dieser Perspektive wird Kirche als Communio gedacht, in der Einheit nicht durch Durchsetzung von Interessen entsteht, sondern dadurch, dass Personen am Eigenen Anteil geben und so Gemeinschaft bilden. Kirche lebt in konkreten Gemeinschaften vor Ort, die auf Eucharistie hin geordnet sind, wird in Verkündigung und Feier geleitet und in Einheit gehalten. Ihre Sendung gründet im Versprechen des Auferstandenen, den Geist zu senden, der das Werk Christi weiterführt und die Heiligung vollendet. Daraus folgt eine fundamentale Gleichheit aller Getauften in der Würde der Gotteskindschaft und zugleich eine Vielfalt von Charismen Aufgaben Diensten und Ämtern. Alle haben Anteil an der priesterlichen prophetischen und königlichen Sendung Christi und sind berufen, in Kirche und Welt Segen zu sein, Wahrheit zu bezeugen und für Gerechtigkeit einzustehen. Zugleich betont der Text die Notwendigkeit besonderer beauftragter Dienste, die öffentlich daran erinnern, dass Kirche nicht aus sich selbst lebt und nicht für sich selbst da ist, sondern aus Gottes Zusage und für das Heil der Menschen. Insgesamt entwickelt der Artikel so eine Gegenwartsdiagnose, eine theologisch verantwortete Rede vom Geist und ein daraus abgeleitetes Kirchenbild, das Freiheit Erneuerung Wahrheit und gemeinschaftliche Sendung aus dem Geist Gottes heraus miteinander verbindet.

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