Für den Religionsunterricht bietet das Medium zahlreiche Möglichkeiten, historisches Lernen mit religiöser und ethischer Urteilsbildung zu verbinden. Besonders geeignet ist eine Unterrichtssequenz zur Leitfrage, ob der Dreißigjährige Krieg tatsächlich als Religionskrieg bezeichnet werden kann. Zu Beginn können die Lernenden spontan Vermutungen sammeln, was unter einem Religionskrieg zu verstehen ist und welche Voraussetzungen erfüllt sein müssten, damit ein Krieg so bezeichnet werden kann. Anschließend werden ausgewählte Materialien des Mediums herangezogen, um diese erste Einschätzung zu differenzieren. Die Lernenden können untersuchen, welche Bedeutung katholische und evangelische Konfessionen besaßen, welche politischen Interessen hinzukamen und welche rechtlichen Fragen mit der Auslegung des Augsburger Religionsfriedens verbunden waren. Besonders aufschlussreich ist dabei die im Medium behandelte Frage, wer überhaupt das Recht besaß, über die Religion der Untertanen zu bestimmen. Am böhmischen Konflikt wird sichtbar, dass religiöse Gegensätze mit Fragen nach Herrschaft, Recht und politischer Selbstbestimmung verbunden waren. Auf diese Weise lernen die Lernenden, monokausale Erklärungen historischer Konflikte zu vermeiden.
Einen besonders ergiebigen Zugang bietet die Arbeit mit der Quelle zu Gustav Adolf von Schweden. Die Lernenden können untersuchen, wie der König sein militärisches Eingreifen religiös legitimiert und zugleich politische Interessen verfolgt. Dabei kann zunächst zwischen religiösen, politischen, militärischen und persönlichen Argumentationsmustern unterschieden werden. In einer anschließenden Auswertung wird gefragt, welche Funktion religiöse Sprache innerhalb einer Kriegssituation erfüllen kann. Methodisch bietet sich Partnerarbeit an, bei der eine Person die Position Gustav Adolfs und eine andere die Position seines Gesprächspartners übernimmt. Das Medium selbst schlägt eine dialogische Bearbeitung vor, durch die Einwände und Fragen entwickelt und anschließend vor der Klasse vorgetragen werden können. Diese Vorgehensweise ermöglicht zugleich eine Diagnose des Textverständnisses und eröffnet moralische sowie rechtliche Gegenpositionen. Für den Religionsunterricht kann diese Methode erweitert werden, indem die Lernenden zwischen einer religiösen Überzeugung, der Instrumentalisierung religiöser Sprache und einer politischen Legitimation durch Religion unterscheiden.
Ein weiterer Schwerpunkt kann auf dem Verhältnis von Religion und Gewalt liegen. Hier sollte darauf geachtet werden, Religion weder pauschal als Ursache von Gewalt noch grundsätzlich als friedensstiftende Kraft darzustellen. Die Materialien ermöglichen vielmehr eine differenzierte Analyse der Bedingungen, unter denen religiöse Überzeugungen zur Legitimation politischen und militärischen Handelns beitragen. Das Medium macht deutlich, dass religiöse Herrscherpflichten in der Frühen Neuzeit aus dem damaligen Weltverständnis heraus betrachtet werden müssen. Herrschaft konnte mit der Vorstellung verbunden sein, Verantwortung für den rechten Glauben und das Seelenheil der Untertanen zu tragen. Für Lernende ist dieser Perspektivwechsel besonders wichtig, weil dadurch historische Fremdheit sichtbar wird. Die Menschen des 17. Jahrhunderts werden nicht vorschnell mit heutigen Vorstellungen von Religionsfreiheit, Toleranz und der Trennung von Religion und Staat beurteilt.
Didaktisch sinnvoll ist deshalb eine Gegenüberstellung damaliger und heutiger Vorstellungen von Religionsfreiheit. Die Lernenden können zunächst die Formel „cuius regio eius religio“ erschließen und anschließend überlegen, welche Konsequenzen es hat, wenn die Konfession eines Herrschers die religiösen Möglichkeiten der Bevölkerung bestimmt. Danach kann ein Vergleich mit heutigen Vorstellungen von Gewissensfreiheit und Religionsfreiheit erfolgen. Die Lernenden können diskutieren, warum die freie Wahl einer Religion heute als individuelles Recht verstanden wird und weshalb diese Vorstellung für Menschen der Frühen Neuzeit keineswegs selbstverständlich war. Daraus ergeben sich weiterführende Fragen nach religiöser Toleranz, konfessioneller Vielfalt und dem Zusammenleben unterschiedlicher religiöser Gruppen.
Für eine vertiefende Quellenarbeit eignet sich eine arbeitsteilige Gruppenarbeit. Eine Gruppe untersucht religiöse Begründungen des Krieges, eine weitere politische Interessen, eine weitere die Perspektive der betroffenen Bevölkerung und eine weitere Friedensvorstellungen. Anschließend werden die Ergebnisse zusammengeführt. Auf diese Weise entsteht keine eindimensionale Erzählung, sondern ein mehrperspektivisches Bild des Konflikts. Gerade diese Multiperspektivität entspricht der Konzeption des Mediums, das ausdrücklich unterschiedliche Perspektiven, regionale Zugänge, interkulturelle Fragestellungen, Gegenwartsbezüge sowie produktionsorientierte und handlungsorientierte Arbeitsformen vorsieht.
Auch regionalgeschichtliche Zugänge sind sinnvoll. Die Lernenden können recherchieren, welche Spuren des Dreißigjährigen Krieges in ihrer Region vorhanden sind. Kirchen, Grabmäler, Denkmäler, Ortschroniken, Archive oder lokale Überlieferungen können dabei Ausgangspunkte sein. Das Medium verfolgt selbst das Ziel, den Krieg mit der persönlichen Umgebung der Lernenden zu verbinden und dadurch aus der Distanz einer abstrakten Nationalgeschichte herauszulösen. Für den Religionsunterricht kann besonders nach Kirchen, konfessionellen Veränderungen, religiösen Symbolen und lokalen Erinnerungen an Krieg und Frieden gefragt werden. Denkbar ist auch ein Unterrichtsgang zu einer Kirche oder einem Denkmal, bei dem die Lernenden untersuchen, welches Geschichtsbild vermittelt wird und welche religiösen Deutungen erkennbar sind.
Eine weitere Möglichkeit bietet die Arbeit mit historischen Medien. Chroniken und Leichenpredigten ermöglichen einen Einblick darin, wie Menschen des 17. Jahrhunderts Krieg, Leid, Tod und göttliches Handeln interpretierten. Die Lernenden können herausarbeiten, wie stark die Perspektive historischer Autoren durch ihren kulturellen und konfessionellen Hintergrund geprägt war. Das Medium regt ausdrücklich dazu an, Konfession und Religion als kulturelle Faktoren einer historischen Perspektive wahrzunehmen und anschließend zu fragen, inwiefern auch heutige Wahrnehmungen durch religiöse oder andere weltanschauliche Voraussetzungen beeinflusst werden. Dies eröffnet im Religionsunterricht eine wichtige Ebene der Selbstreflexion: Nicht nur historische Menschen betrachten ihre Wirklichkeit aus bestimmten Perspektiven, sondern auch heutige Lernende bringen eigene Wertvorstellungen, religiöse Einstellungen und gesellschaftliche Prägungen in ihre Urteile ein.
Besonders geeignet für die ethische Urteilsbildung ist die Beschäftigung mit den Erfahrungen der Zivilbevölkerung. Quellen über Plünderungen, Hunger, Krankheit, Vertreibung und Zerstörung können mit der Frage verbunden werden, welche Folgen entstehen, wenn politische und religiöse Ziele mit Gewalt durchgesetzt werden. Die Lernenden können Kriterien für die ethische Bewertung von Gewalt entwickeln und anschließend auf historische Situationen anwenden. Wichtig ist dabei, historische Akteure zunächst aus ihrem zeitlichen Kontext heraus zu verstehen und erst anschließend ein eigenes begründetes Urteil zu formulieren.
Der Westfälische Friede bietet sich schließlich als Abschluss einer Unterrichtssequenz an. Ausgangspunkt kann die Frage sein, was Frieden eigentlich bedeutet. Die Lernenden können zwischen dem Ende unmittelbarer Kampfhandlungen und einem umfassenderen Verständnis von Frieden unterscheiden. Anschließend lässt sich untersuchen, welche Bedeutung religiöse und konfessionelle Regelungen für den Frieden von 1648 hatten. Besonders produktiv ist die Frage, ob Frieden voraussetzt, dass Konfliktparteien ihre religiösen oder weltanschaulichen Unterschiede überwinden, oder ob Frieden gerade darin bestehen kann, dauerhaft mit Unterschieden leben zu lernen. Damit eröffnet das historische Thema einen unmittelbaren religionspädagogischen Zugang zu Pluralität, Toleranz und gesellschaftlichem Zusammenleben.
Methodisch kann die gesamte Arbeit durch Lernprodukte abgeschlossen werden. Möglich sind ein fiktives Friedensmanifest, eine historische Nachrichtensendung, ein Streitgespräch zwischen verschiedenen konfessionellen Positionen, eine Ausstellung zum Thema Religion und Krieg, ein Podcast zum Westfälischen Frieden oder eine begründete Stellungnahme zur Frage „War der Dreißigjährige Krieg ein Religionskrieg?“. Die Lernenden sollten dabei historische Quellen als Belege verwenden und zwischen historischer Rekonstruktion und eigener Bewertung unterscheiden. Das entspricht dem grundlegenden Ansatz des Mediums, Wissen und Kompetenzen nicht gegeneinander auszuspielen, sondern historisches Wissen als notwendige Grundlage kompetenten Urteilens zu verstehen.
In einem ersten Schritt werden die Positionen der Kontrahenten anhand des Kartenmaterials festgestellt. Die Eskalation durch den Eingriff des schwedischen Königs Gustav Adolf wird anhand einer Quelle erarbeitet. Die Kriegsgründe werden erfasst. Mit dem Überschreiten des Rheins setzen die Schweden ihre Siegesserie fort. Ein Denkmal wird in Bildform analysiert, welches diese Ereignisse darstellt. Quellen evangelischer und katholischer Pfarreien stellen die Kriegserlebnisse in mehreren Orten dar. Beide Seiten leiden entsetzlich, dennoch wird der Krieg fortgeführt. Die Motivation dazu wird erarbeitet. Hier stehen besonders die Zerstörungen von Kirchengut und Gebäuden im Vordergrund. Auch die Ernährungslage war katastrophal und dennoch wurde weitergekämpft. Plünderungen beider Seiten schadeten der Zivilbevölkerung aller Konfessionen. Während die Bauern hungerten zeigen sich Generäle in Bildquellen in Prachtentfaltung. Eine Vertiefung zu den Kriegsgründen vergleicht Perspektiven anhand von Videos und Quellen. Einer der Protagonisten war Wallenstein. Sein Lebenswerk und Ende werden in einem Filmkommentar, einem Gerichtskommentar und einem Nachruf dargestellt. Dabei werden die Perspektiven katholischer Quellen und evangelischer quellen verglichen. Die Folgen des Krieges werden anhand von Statistiken erarbeitet. Der westfälische Friede markiert das Ende des aktiven Kriegszustandes. Parallelen zu heutigen Konflikten sind möglich.