Für den Religionsunterricht bietet das Medium einen anspruchsvollen Zugang zur anthropologischen und ethischen Frage nach Freiheit und Verantwortung. Besonders geeignet ist es für Lernende der Oberstufe, da Fromms Überlegungen sowohl eine intensive Textarbeit als auch die Übertragung abstrakter sozialpsychologischer Begriffe auf gesellschaftliche und persönliche Erfahrungen verlangen. Als Einstieg empfiehlt sich eine offene Auseinandersetzung mit der Frage „Was bedeutet Freiheit für mich?“. Lernende können zunächst individuell Situationen notieren, in denen sie sich frei oder unfrei erleben. Anschließend können die Ergebnisse anonym gesammelt und nach Bereichen wie Familie, Schule, Freundeskreis, Religion, Gesellschaft, Konsum und digitale Medien geordnet werden. Damit werden die Leitfragen des Materials aufgenommen, das unter anderem danach fragt, was Freiheit ist, ob Freiheit Grenzen benötigt, weshalb Freiheitsrechte nicht wahrgenommen werden und wo Menschen sich selbst einschränken. In einer folgenden Erarbeitungsphase kann Fromms Grundgedanke erschlossen werden, dass die Moderne Menschen einerseits von traditionellen Bindungen und Autoritäten befreit, ihnen andererseits aber auch Sicherheiten genommen hat. Freiheit erscheint dadurch nicht ausschließlich positiv, sondern kann mit Unsicherheit und Angst verbunden sein. Dieser Gedanke eignet sich für eine problemorientierte Diskussion: Warum kann Freiheit anstrengend sein? Warum wünschen sich Menschen klare Regeln? Wann vermittelt Autorität Sicherheit? Wann wird Unterordnung problematisch? Die drei Fluchtmöglichkeiten können anschließend arbeitsteilig erschlossen werden. Drei Gruppen beschäftigen sich jeweils mit dem Autoritären, dem Destruktiven oder dem Konformistischen und erarbeiten Definition, Ursachen, Erscheinungsformen und Folgen. Die Ergebnisse können in einem gemeinsamen Schaubild gegenübergestellt werden. Besonders lebensweltlich lässt sich die Flucht in das Konformistische behandeln. Das Material nennt Mode, Gruppenstile, Körperideale und Fankulturen als mögliche Untersuchungsfelder. Für heutige Lernende lässt sich die Grundfrage zudem auf Erfahrungen mit Gruppenzugehörigkeit, Selbstdarstellung und gesellschaftlichen Erwartungen beziehen, sofern deutlich gemacht wird, dass solche Phänomene nicht automatisch als problematische Konformität zu bewerten sind. Lernende können untersuchen, wann Anpassung für das Zusammenleben notwendig ist und wann sie die eigene Selbstbestimmung einschränkt. Ebenso produktiv ist die Beschäftigung mit Autorität. Fromm unterscheidet zwischen einer Autoritätsbeziehung, die Entwicklung ermöglicht, und einer Autoritätsbeziehung, die Menschen hemmt und ausnutzt. Lernende können dazu Beispiele aus Schule, Familie, Religion und Gesellschaft analysieren und Kriterien für verantwortbare Autorität entwickeln. Für den Religionsunterricht ist zudem die Verbindung von Freiheit, Religion und Autorität bedeutsam. Fromms Überlegungen ermöglichen die Frage, ob Religion Menschen Freiheit eröffnen, Sicherheit vermitteln oder auch zur Unterordnung beitragen kann. Dabei sollte zwischen Religion als solcher und konkreten Formen religiöser Autorität sorgfältig unterschieden werden. Eine Vertiefung kann über die Begriffe Freiheit, Verantwortung, Gewissen, Selbstbestimmung, Gehorsam und Menschenwürde erfolgen. Methodisch eignen sich neben der Textanalyse insbesondere Positionslinien, Schreibgespräche, Fallbeispiele, Gedankenexperimente, Gruppenpuzzle und strukturierte Diskussionen. Für eine abschließende Urteilsbildung können die Lernenden Fromms These prüfen, dass Menschen ihre Freiheit aufgeben können, um Unsicherheit und Einsamkeit zu überwinden. Schließlich sollte die von Fromm formulierte Alternative zur Flucht vor der Freiheit in den Mittelpunkt rücken. Lernende können diskutieren, was aktive Solidarität, Liebe, Arbeit und selbstbestimmtes Handeln für ein gelingendes Leben bedeuten. Dadurch wird Fromms Ansatz nicht nur als historische Theorie behandelt, sondern als Impuls für die persönliche und ethische Auseinandersetzung mit der Frage, wie Menschen frei sein und gleichzeitig in tragfähigen Beziehungen zu anderen leben können.
Dazu werden drei Textausschnitte von Erich Fromm erarbeitet zu Autorität, Zerstörung und Konformismus in Gesellschaften erarbeitet. Aus Wikipedia, Zeitungsartikeln und anderen Webquellen werden diese Texte von 1941 mit aktuellen Beispielen wie Neonazis, Vandalismus und Fußballfans aktuell unterlegt. Fromm betrachtet die Entwicklung der deutschen Gesellschaft von der Renaissance bis zur NS Zeit. Es sieht eine Entwicklung der Befreiung von Autorität, Angst und Ausbeutung durch Selbststeuerung und Individualisierung. Diese Entwicklung kehrt sich jedoch um und die Gesellschaft akzeptiert unter dem Druck vieler Ängste erneut die absolute Unterwerfung unter Autoritäten und der eigenen Ausbeutung durch sie. Der erste Text erschließt die anderen drei. In ihm legt Fromm seine Gedanken zur deutschen Angst vor der Freiheit dar. Diese führt zu drei Fluchtmöglichkeiten vor der eigenen Freiheit: Autoritarismus, Destruktion und Konformismus. Sie können auch zusammen auftreten. Die drei werden definiert und sollten aus dem Geschichts- und Politikunterricht bekannt sein. In einem ersten Schritt nach diesem Einstieg wird der Autoritäre Aspekt durch eine Webrecherche in angegebenen Wikipedia-Einträgen zum Aufbau von NS Jugend Organisationen. Dabei wird besonders die Vereinnahmung der bündischen Jugend durch die Hitler-Jugend untersucht. Jugendverbände gaben teils freiwillig ihre Selbstständigkeit auf, um Teil von Hitlers Gesellschaftsaufbau zu werden. Es wird untersucht, warum Autorität für Jugendliche so attraktiv war und auch heute noch sein kann. Ein Text der TAZ zur Gruppe Freie Nationalisten Berlin Mitte (FN) thematisiert Neonazis in Berlin. In einem weiteren Schritt wird Destruktion anhand von Autodestruktion durch Alkoholismus, Drogen, Ritzen, Selbstmord untersucht. Ein zweites Feld stellt die Fremddestruktion durch Vandalismus, Amoklauf, Sprayer dar. Ein drittes Feld wird mit exzessiver Risikobereitschaft z.B. durch Auto, Sport untersucht. Auch hierzu findet eine Webrecherche von Wikipedia-Artikeln statt. Wege in die Destruktion und Gründe für diesen Weg bei Jugendlichen werden diskutiert. Ein Auszug aus Fromms Werk wird dazu erarbeitet. Ein letzter Schritt behandelt den Konformismus als Fluchtmechanismus vor der eigenen Freiheit. Konformismus wird mit den zwei anderen Fluchtwegen verglichen und über Gruppendruck und Verneinung von Individualität als ein Teil davon erkannt. Als Beispiele werden in Quellentexten Modezwänge und Fußballfans herangezogen. Abschließend stellt Fromm seine Diagnose zur Gesellschaftsentwicklung.
Diese wird anhand der heutigen Gesellschaft auf ihre Validität geprüft. Dazu stellen die Lerner/innen persönliche Erfahrungen mit Flucht aus Entscheidungssituationen dar. Möglichkeiten des Menschen zur Freiheit werden anhand von Fromms These geprüft. Kann es den freien Menschen geben? Welche charakterlichen Voraussetzungen hätte er? Fromms These dazu lautet: Seine [des Menschen] aktive Solidarität mit allen Mitmenschen und sein spontanes Tätigsein, Liebe und Arbeit, die ihn wieder mit der Welt einen, nicht durch primäre Bindungen, sondern als freies, unabhängiges Individuum. Dies gibt das christliche Menschenbild der Gottesebenbildlichkeit und Nächstenliebe wieder. Hier besteht ein Anschluss an Unterrichtseinheiten zum christlichen Menschenbild.