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Prof. Dr. Harald Seubert

Prof. Dr. Harald Seubert

Augustinus II: Memoria und erleuchtetes Ich

Veröffentlichung:16.10.2020

Das Video vertieft zentrale Gedanken des Kirchenvaters Augustinus und widmet sich insbesondere seinen Überlegungen zu Gedächtnis, Zeit, Selbstbewusstsein und Trinität. Ausgangspunkt ist die Frage nach dem inneren Menschen und nach der Struktur menschlichen Bewusstseins. Augustinus beschreibt das Gedächtnis als einen vielschichtigen inneren Raum, in dem Erfahrungen, Erinnerungen und Erkenntnisse gespeichert und miteinander verbunden werden. Daran anschließend entwickelt er seine berühmte Zeitphilosophie, in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft als existenzielle Erfahrungen des Menschen reflektiert werden. Die Zeit erscheint dabei als schwer fassbare Wirklichkeit, die eng mit menschlichem Bewusstsein verbunden ist. Darüber hinaus wird deutlich, dass Augustinus die Suche nach Wahrheit immer als Suche nach Gott versteht. Seine Überlegungen münden schließlich in die Trinitätslehre, die nicht nur als theologisches Dogma erscheint, sondern als grundlegende Struktur von Wirklichkeit, Denken und menschlicher Existenz. Das Video verdeutlicht damit die enge Verbindung von Philosophie, Theologie und Selbstreflexion im Denken des Augustinus.

Die Identität des menschlichen Ichs bei Augustinus basiert auf der Geschichte und dem Grund des Ichs, wobei das Gedächtnis (Memoria) und das Nachdenken über die eigene Zeit entscheidend sind. Obwohl wir glauben, die Zeit zu verstehen, wird sie ungewiss, wenn wir direkt danach gefragt werden. Augustinus erklärt in seinen "Confessiones", dass die eigene Zeit in Gott steht und ruht. Sein Ansatz beeinflusst bis heute das Nachdenken über die Zeit. Dabei geht dem "cogito" ("ich denke") ein "cogitor" ("ich werde gedacht") voraus, wobei der Schöpfer und Grund des Selbst gemeint ist.



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Das Video eignet sich besonders für den Religionsunterricht der Oberstufe im Rahmen der Themen Menschenbild, Identität, Zeit, Erinnerung, Gottesfrage und Trinität. Lernende erhalten einen anspruchsvollen Zugang zu zentralen Fragen menschlicher Selbstdeutung und religiöser Orientierung. Besonders ergiebig ist die Auseinandersetzung mit Augustinus’ Verständnis des Gedächtnisses. Lernende können darüber nachdenken, welche Rolle Erinnerungen für die eigene Identität spielen und wie persönliche Erfahrungen das Selbstverständnis prägen. Methodisch bieten sich biografische Reflexionen, Erinnerungslandkarten oder kreative Schreibaufgaben an, in denen die Bedeutung von Erinnerung für das eigene Leben untersucht wird. Die Überlegungen zur Zeit eröffnen darüber hinaus vielfältige Gesprächsanlässe über Vergänglichkeit, Zukunftserwartungen und die Wahrnehmung des gegenwärtigen Augenblicks. Hier können Verbindungen zu philosophischen, psychologischen und theologischen Fragestellungen hergestellt werden. Die Beschäftigung mit der Trinitätslehre ermöglicht es, ein oft als abstrakt empfundenes theologisches Thema als Denkmodell für Beziehung, Gemeinschaft und Verbundenheit zu erschließen. Lernende können untersuchen, welche Bedeutung Beziehungen für menschliche Identität besitzen und wie sich die Vorstellung einer relationalen Wirklichkeit auf das christliche Menschenbild auswirkt. Das Video eignet sich zudem hervorragend für philosophische Gespräche über Wahrheit, Selbstbewusstsein, Gewissheit und Gotteserkenntnis. Es fördert die Fähigkeit, komplexe Gedankengänge nachzuvollziehen, eigene Erfahrungen zu reflektieren und religiöse sowie philosophische Perspektiven miteinander ins Gespräch zu bringen.

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