Das Medium eignet sich besonders für den Religionsunterricht der Sekundarstufe und lässt sich ebenso im Ethikunterricht oder in fächerübergreifenden Projekten einsetzen. Es bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte zu den Themen Menschenbild, Einzigartigkeit des Menschen, Inklusion, Nächstenliebe und christliche Verantwortung. Nach dem Ansehen des Films können die Lernenden zunächst ihre Eindrücke und Gefühle austauschen und überlegen, welche Situationen sie besonders bewegt haben. Anschließend bietet sich eine Analyse der Erfahrungen Carlottas an, bei der Ursachen von Ausgrenzung, Vorurteilen und Mobbing herausgearbeitet werden. Die kreativen Aufgaben der Arbeitshilfe ermöglichen Perspektivwechsel, indem Lernende selbst Portraits ohne Blick auf das Gesicht anfertigen oder Wahrnehmungsübungen durchführen und dadurch erfahren, wie unterschiedlich Menschen ihre Umwelt wahrnehmen. Besonders gewinnbringend ist die Verbindung mit biblischen Aussagen zur Menschenwürde und zur Gottebenbildlichkeit, die verdeutlichen, dass jeder Mensch unabhängig von Fähigkeiten, Einschränkungen oder Äußerlichkeiten eine unverlierbare Würde besitzt. Ebenso können Gespräche über Respekt, Anerkennung, Empathie und die Verantwortung für ein gelingendes Miteinander geführt werden. Rollenspiele, kreative Schreibaufgaben, Diskussionen sowie kooperative Lernformen fördern soziale Kompetenzen, Empathiefähigkeit und die Bereitschaft, Vielfalt als Bereicherung wahrzunehmen. Das Medium unterstützt damit die Entwicklung einer inklusiven Haltung und stärkt die Fähigkeit der Lernenden, Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen wertschätzend zu begegnen.
„Carlotta’s Face“ (2018) ist ein etwa fünfminütiger animierter Kurzfilm von Valentin Riedl und Frédéric Schuld. Der Film erzählt die Geschichte von Carlotta, einer jungen Frau mit Prosopagnosie (Gesichtsblindheit). Carlotta kann Gesichter – auch ihr eigenes – nicht erkennen. Diese neurologische Besonderheit führt dazu, dass sie sich von anderen Menschen isoliert fühlt. Erst durch ihre Leidenschaft für Kunst gelingt es ihr, einen Weg zu finden, sich selbst zu begreifen und anderen ihre Perspektive verständlich zu machen.
Der Film eröffnet einen einfühlsamen Zugang zu Themen wie Identität, Selbstwahrnehmung und Gemeinschaft. Er regt zur Auseinandersetzung mit Fragen an:
- Wie finden wir heraus, wer wir sind, wenn unsere Wahrnehmung uns fehlt?
- Wie kann Kunst helfen, das Eigene und das Andere zu verstehen?
- Was bedeutet „gesehen werden“ – und warum ist das wichtig für unser Menschsein?
Der Einsatz von „Carlotta’s Face“ eignet sich hervorragend, um im Religionsunterricht über das menschliche Miteinander, den Umgang mit Verschiedenheit sowie über Inklusion und Empathie nachzudenken. Dabei bietet der Film eine Brücke zu biblischen Themen wie dem Wert jedes Menschen als Ebenbild Gottes oder dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter, der die Perspektive eines anderen Menschen einnimmt.