Das Video eignet sich besonders für den Religionsunterricht der Sekundarstufe und kann in den Themenbereichen Weltkirche, Mission, Berufung, Kirche in Lateinamerika, gelebter Glaube, Volksfrömmigkeit sowie interkulturelles Lernen eingesetzt werden. Die persönlichen Erfahrungen des Missionars ermöglichen den Lernenden einen authentischen Einblick in das Leben einer katholischen Gemeinde in Bolivien und erweitern den Blick auf die weltweite Vielfalt kirchlichen Lebens.
Als Einstieg bietet sich eine Sammlung der Vorstellungen der Lernenden zum Begriff Mission an. Anschließend können Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Kirche in Deutschland und Kirche in Bolivien vermutet werden. Während des Videos erhalten die Lernenden Beobachtungsaufträge. Sie können beispielsweise darauf achten, welche Erfahrungen den Glaubensweg von Pfarrer Christian Müssig geprägt haben, welche Aufgaben ein Missionar übernimmt und welche Bedeutung Gemeinschaft, Gastfreundschaft und Volksfrömmigkeit im Alltag der Menschen besitzen.
In der anschließenden Auswertung können zentrale Themen des Interviews gemeinsam erschlossen werden. Besonders geeignet sind Gruppenarbeiten zu den Themen Berufung, Mission heute, Kirche als Lebensraum, Migration, kulturelle Vielfalt, Volksfrömmigkeit oder Seelsorge in einer Großstadt. Ebenso bietet sich ein Vergleich zwischen den pastoralen Herausforderungen in Deutschland und Bolivien an. Die Lernenden können erarbeiten, welche Gemeinsamkeiten trotz unterschiedlicher Lebensbedingungen bestehen und welche neuen Perspektiven sich für das Verständnis von Kirche eröffnen.
Das Video fördert interkulturelle Kompetenz sowie die Wahrnehmung der Weltkirche. Die Lernenden erkennen, dass christlicher Glaube in unterschiedlichen Kulturen verschiedene Ausdrucksformen entwickelt und dennoch dieselbe Botschaft vermittelt. Kreative Arbeitsformen wie das Erstellen einer Vergleichstabelle zwischen Deutschland und Bolivien, die Gestaltung einer Mindmap zur Weltkirche, ein Rollenspiel über den Alltag eines Missionars oder das Schreiben eines fiktiven Tagebucheintrages aus Sicht des Missionars ermöglichen eine vertiefte Auseinandersetzung mit den Inhalten. Das Medium eignet sich ebenso als Grundlage für Unterrichtseinheiten über weltweite Solidarität, Entwicklungszusammenarbeit, Migration und die pastoralen Aufgaben der Kirche.
In der Sendung „Gesichter der Weltkirche“ berichtet Pfarrer Christian Müssig über seinen Lebensweg und seinen seelsorgerischen Dienst in Bolivien. Geboren 1963 in Würzburg, wuchs er in einem katholischen Milieu in Franken auf, geprägt von einer aufstrebenden Kirchengemeinde und aktiver Jugendarbeit. Schon früh engagierte er sich als Ministrant und entwickelte in einem offenen und vertrauensvollen Gemeindeleben seine Berufung zum Priester.
Ein prägender Moment war sein Aufenthalt als Student in Bolivien in den 1980er-Jahren. Trotz anfänglicher sprachlicher und organisatorischer Herausforderungen wurde er dort von großer Gastfreundschaft empfangen. Er erlebte die Armut der Menschen während einer Hyperinflation, aber auch ihren tiefen Glauben und ihre Lebensfreude.
Nach seiner Rückkehr nach Deutschland setzte er sein Theologiestudium fort, wurde Priester und beantragte mehrfach erfolglos die Entsendung in die Mission. Erst 2007 konnte er als „Fidei Donum“-Priester nach Santa Cruz de la Sierra ausreisen, wo er bis heute wirkt.
Müssig beschreibt Santa Cruz als dynamisch wachsende, multiethnische Metropole, in der zahlreiche Binnenmigranten leben. Seine Gemeinde ist geprägt von Menschen, die aus ländlichen Regionen zugewandert sind und ihre religiösen Traditionen mitgebracht haben. Als Seelsorger begegnet er einem sehr lebensnahen und alltagsbezogenen Glauben. Seine Pfarrgemeinde ist lebendig, besonders getragen von Jugendlichen, die Musik und Gestaltung übernehmen. Auch indigene Spiritualität und Volksfrömmigkeit fließen in die kirchliche Praxis ein.
In seinem Blick auf die Kirche in Deutschland zeigt sich Müssig kritisch. Er beobachtet eine depressive Grundstimmung, mangelnde Freude und übermäßiges Strukturdenken. Sein Gegenrezept ist einfach: „Man muss Menschen mögen“ – das gelte in Bolivien wie in Deutschland. Für seine eigene Zukunft ist er offen, spürt aber auch die körperliche Belastung der Jahre. Noch fühlt er sich in Bolivien zu Hause.
Fazit für den Religionsunterricht:
Das Gespräch mit Pfarrer Müssig zeigt eindrucksvoll, wie interkulturelle Begegnungen und gelebte Weltkirche Glauben verändern und vertiefen können. Es liefert authentische Einblicke in Mission, globales Christsein, Volksfrömmigkeit und das seelsorgerliche Arbeiten in anderen kulturellen Kontexten.
Fragestellungen zum Video mit Antworten
Wer ist Pfarrer Christian Müssig?
Er ist Priester der Diözese Würzburg und arbeitet seit vielen Jahren als Missionar in Santa Cruz de la Sierra in Bolivien.
Wie beschreibt er seinen Weg zum Priestertum?
Er wuchs in einer engagierten katholischen Familie auf und fand über Ministrantenarbeit, Jugendarbeit und positive Erfahrungen in der Gemeinde zu seiner Berufung.
Warum entschied er sich für einen Einsatz in Bolivien?
Während seines Studiums ergab sich die Möglichkeit zu einem Auslandsaufenthalt. Die Begegnungen mit den Menschen und die Erfahrungen vor Ort prägten ihn nachhaltig und führten später zu seinem dauerhaften missionarischen Einsatz.
Welche Herausforderungen erlebt die Kirche in Bolivien?
Die starke Migration in die Großstadt, kulturelle Vielfalt, soziale Probleme und die Begleitung vieler unterschiedlicher Menschen prägen die pastorale Arbeit.
Welche Aufgaben übernimmt ein Missionar in seiner Gemeinde?
Er begleitet Menschen in Glaubensfragen, feiert Gottesdienste, spendet Sakramente, unterstützt Hilfesuchende, begleitet Familien und arbeitet eng mit ehrenamtlich Engagierten zusammen.
Welche Rolle spielt die Volksfrömmigkeit in Bolivien?
Hauspatrone, Wallfahrten, religiöse Feste und familiäre Glaubenstraditionen besitzen einen hohen Stellenwert und prägen den Alltag vieler Menschen.
Wie beschreibt Pfarrer Christian Müssig den Glauben der Menschen in Bolivien?
Er erlebt den Glauben als sehr lebensnah, gemeinschaftlich und von großer Offenheit geprägt. Gefühle, Gemeinschaft und Vertrauen spielen eine wichtige Rolle.
Welche Unterschiede sieht er zwischen der Kirche in Deutschland und der Kirche in Bolivien?
Er nimmt wahr, dass in Deutschland häufig strukturelle Fragen im Mittelpunkt stehen, während in Bolivien die Begegnung mit den Menschen, Gemeinschaft und gelebter Glaube stärker im Vordergrund stehen.
Welche Botschaft richtet er an die Kirche in Deutschland?
Er ermutigt dazu, Menschen wertschätzend zu begegnen, ihre Stärken wahrzunehmen und Kirche als Ort der Hoffnung, des Vertrauens und der Gemeinschaft zu gestalten.
Welche zentrale Botschaft vermittelt das Video?
Mission bedeutet gegenseitiges Lernen, gemeinsames Wachsen im Glauben und die Bereitschaft, Menschen mit Offenheit, Respekt und christlicher Nächstenliebe zu begegnen. Die Weltkirche bereichert alle ihre Mitglieder durch unterschiedliche Erfahrungen und Ausdrucksformen des Glaubens.