Das Video eignet sich für den Religionsunterricht in höheren Jahrgangsstufen und für Unterrichtseinheiten zu klassischer Religionskritik, Atheismus, Nihilismus, Moral, Sinn, Freiheit, Selbstverwirklichung und Verantwortung. Wegen seiner philosophischen Begrifflichkeit sollte es abschnittsweise betrachtet werden. Vor dem Ansehen kann die Aussage „Gott ist tot“ ohne weitere Erklärung präsentiert werden. Die Lernenden formulieren Vermutungen über ihre Bedeutung und unterscheiden bereits mögliche wörtliche, religiöse, gesellschaftliche und philosophische Lesarten. Diese ersten Deutungen werden nach der Videoanalyse erneut aufgegriffen.
Zur Vorbereitung sollten die Begriffe Metaphysik, absolute Wahrheit, Nihilismus, Moral, Wert, Selbstüberwindung und Religionskritik geklärt werden. Hilfreich ist außerdem eine kurze Einführung in die kulturelle Bedeutung des Christentums im Europa des neunzehnten Jahrhunderts. Die Lernenden sollen verstehen, dass der Gottesglaube lange Zeit nicht nur eine private Überzeugung war, sondern gesellschaftliche Normen, moralische Regeln, politische Vorstellungen und Antworten auf die Sinnfrage prägte. Der von Nietzsche diagnostizierte Bedeutungsverlust betrifft daher eine gesamte kulturelle Ordnung.
Das Video lässt sich in vier Abschnitte gliedern. Der erste Abschnitt führt in Nietzsche und die Parabel vom tollen Menschen ein. Der zweite erklärt den Tod Gottes und die daraus entstehende Gefahr des Nihilismus. Der dritte behandelt die Umwertung der Werte, den Übermenschen und den Willen zur Macht. Der vierte enthält eine Würdigung und Kritik. Nach jedem Abschnitt sollten die Lernenden zentrale Aussagen notieren, offene Fragen sammeln und zwischen der Position Nietzsches und der Bewertung durch den Sprecher des Videos unterscheiden.
Für die Texterschließung sollte ein gekürzter Auszug aus der Parabel vom tollen Menschen ergänzend gelesen werden. Die Lernenden markieren Bilder von Dunkelheit, Orientierungslosigkeit, Leere und Schuld. Anschließend untersuchen sie, weshalb der tolle Mensch von „wir“ spricht und alle Menschen als Beteiligte am Tod Gottes bezeichnet. Dadurch wird deutlich, dass Nietzsche nicht nur einzelne atheistische Personen kritisiert. Er beschreibt einen kulturellen Prozess, in dem wissenschaftliches Denken, historische Kritik und gesellschaftlicher Wandel die bisherige Glaubensordnung erschüttert haben.
Methodisch bietet sich eine Wirkungskette an. Am Anfang steht der Verlust des Glaubens an Gott. Darauf folgen die Krise absoluter Wahrheiten, der Verlust verbindlicher Werte, die Gefahr des Nihilismus und die Herausforderung, neue Werte zu schaffen. Die Lernenden können diese Schritte ordnen und prüfen, ob jeder Übergang zwingend ist. Dabei lässt sich diskutieren, ob Moral tatsächlich einen Gottesglauben benötigt oder ob Menschenrechte, Vernunft, Mitgefühl und gemeinsame Erfahrungen ebenfalls moralische Orientierung begründen können.
Die Darstellung des Videos sollte an mehreren Stellen differenziert werden. Nietzsche ist nicht einfach als überzeugter Nihilist zu bezeichnen. Er diagnostiziert den heraufkommenden Nihilismus und sucht nach Möglichkeiten, ihn zu überwinden. Auch seine Begriffe Herrenmoral und Sklavenmoral dürfen nicht vorschnell mit gesellschaftlicher Herrschaft oder politischer Unterdrückung gleichgesetzt werden. Nietzsche untersucht damit unterschiedliche Entstehungsweisen moralischer Wertungen. Dennoch besitzt seine Abwertung von Demut, Mitleid und Schwäche ein erhebliches kritisches Potenzial, das im Unterricht offen geprüft werden sollte.
Der Begriff Übermensch verlangt besondere Sorgfalt. Er bezeichnet bei Nietzsche keine Rasse und keine politische Elite. Gemeint ist ein Mensch, der über bisherige Abhängigkeiten und Wertvorstellungen hinausgeht, sich selbst überwindet und neue Werte hervorbringt. Die Lernenden können untersuchen, welche Chancen und Gefahren mit diesem Ideal verbunden sind. Selbstgestaltung, Mut und persönliche Entwicklung können befreiend wirken. Ohne Verantwortung gegenüber anderen könnten Selbststeigerung und Stärke jedoch in Rücksichtslosigkeit oder Ausgrenzung umschlagen.
Auch der Wille zur Macht sollte nicht lediglich als Herrschaft über andere erklärt werden. Er kann als Drang zur Entfaltung, Gestaltung und Selbstüberwindung verstanden werden. Der Begriff ist innerhalb der Forschung jedoch umstritten und besitzt bei Nietzsche unterschiedliche Bedeutungen. Im Unterricht bietet es sich an, Beispiele danach zu unterscheiden, ob jemand die eigene Person entwickelt, eine schwierige Situation bewältigt oder Macht über andere Menschen ausübt. So erkennen die Lernenden, dass Selbstüberwindung und Fremdbeherrschung nicht dasselbe sind.
Die christliche Moral sollte nicht nur aus der Perspektive Nietzsches beurteilt werden. Biblische Texte zu Nächstenliebe, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, Freiheit und Verantwortung ermöglichen eine Gegenperspektive. Die Lernenden können prüfen, ob Demut und Mitgefühl Menschen tatsächlich klein halten oder ob sie Ausdruck von innerer Stärke und verantwortlichem Handeln sein können. Zugleich sollte selbstkritisch gefragt werden, ob christliche Moral in bestimmten historischen Situationen Gehorsam, Schuldgefühle oder die Unterordnung von Menschen gefördert hat.
Für eine Diskussion kann die Lerngruppe drei Positionen untersuchen. Eine Position behauptet, dass verbindliche Moral einen Glauben an Gott benötigt. Eine zweite begründet Moral ohne Religion durch Vernunft, Menschenwürde und Mitgefühl. Eine dritte fragt, ob religiöse und nicht religiöse Begründungen einander ergänzen können. Die Lernenden sammeln Argumente, wechseln die Perspektive und formulieren danach ein eigenes Urteil. Persönliche religiöse oder nicht religiöse Überzeugungen sollen dabei respektiert und nicht bewertet werden.
Die nationalsozialistische Instrumentalisierung Nietzsches sollte historisch genau eingeordnet werden. Einzelne Begriffe wurden aus ihrem philosophischen Zusammenhang gelöst und für rassistische sowie totalitäre Zwecke verwendet. Nietzsche selbst äußerte sich kritisch gegenüber Nationalismus und Antisemitismus. Zugleich sollten problematische Aussagen seines Werkes nicht verschwiegen werden. Ziel ist weder eine nachträgliche Verurteilung noch eine unkritische Verteidigung, sondern die Unterscheidung zwischen Nietzsches Texten, ihrer späteren Bearbeitung und ihrer politischen Verwendung.
Mögliche Fragestellungen unterstützen die Erschließung. Die Frage „Was meint Nietzsche mit der Aussage, Gott sei tot?“ kann so beantwortet werden: Er meint nicht den körperlichen Tod eines göttlichen Wesens, sondern den Verlust der gesellschaftlichen und kulturellen Überzeugungskraft des Gottesglaubens. Gott trägt für viele Menschen nicht mehr selbstverständlich Wahrheit, Moral und Lebenssinn.
Auf die Frage „Warum sagt Nietzsche, wir hätten Gott getötet?“ lautet die Antwort: Der Tod Gottes ist nach Nietzsche das Ergebnis einer kulturellen Entwicklung, an der die moderne Gesellschaft beteiligt ist. Wissenschaft, historische Kritik, Aufklärung und veränderte Lebensformen haben die bisherige religiöse Weltdeutung zunehmend unglaubwürdig gemacht. Der Mensch hat damit selbst die Grundlagen seiner bisherigen Ordnung erschüttert.
Die Frage „Warum ist der Tod Gottes für Nietzsche nicht nur eine Befreiung?“ wird so beantwortet: Mit dem Verlust des Gottesglaubens verschwinden nicht automatisch nur religiöse Verbote. Auch bisherige Grundlagen für Wahrheit, Moral und Sinn werden unsicher. Der Mensch gewinnt Freiheit, muss aber selbst Verantwortung für seine Werte und seine Lebensgestaltung übernehmen.
Auf die Frage „Was bedeutet Nihilismus?“ lautet die Antwort: Nihilismus bezeichnet einen Zustand, in dem bisherige Werte und Sinnvorstellungen ihre Geltung verlieren. Der Mensch findet keine verbindliche Antwort mehr darauf, was wahr, gut oder sinnvoll ist. Nietzsche diagnostiziert diese Gefahr und sucht nach einer Überwindung des Nihilismus.
Die Frage „Ist Nietzsche selbst ein Nihilist?“ verlangt eine differenzierte Antwort: Nietzsche beschreibt und verschärft die Krise überlieferter Werte. Er will jedoch nicht dauerhaft in Sinnlosigkeit verharren. Seine Forderung nach neuen Werten und Selbstüberwindung kann als Versuch verstanden werden, den Nihilismus zu überwinden.
Die Frage „Was versteht Nietzsche unter der Umwertung aller Werte?“ wird so beantwortet: Überlieferte moralische Maßstäbe sollen auf ihre Herkunft und ihre Wirkung geprüft werden. Werte, die Leben, Stärke und schöpferische Entfaltung behindern, sollen ihre bisherige Geltung verlieren. An ihre Stelle sollen vom Menschen neu geschaffene Wertorientierungen treten.
Auf die Frage „Was kritisiert Nietzsche an der christlichen Moral?“ lautet die Antwort: Er wirft ihr vor, Demut, Gehorsam, Mitleid und Selbstverzicht zu verherrlichen. Dadurch würden Stärke, Lebensfreude und schöpferische Entfaltung geschwächt. Ob diese Beurteilung der christlichen Moral gerecht wird, muss anhand konkreter Texte und Beispiele geprüft werden.
Die Frage „Was meint Nietzsche mit Sklavenmoral?“ kann so beantwortet werden: Sklavenmoral entsteht nach Nietzsche aus der Perspektive der Schwachen und Unterdrückten. Eigenschaften wie Demut, Gehorsam und Mitleid werden zu moralischen Idealen erklärt, während Stärke, Stolz und Selbstbehauptung als böse gelten. Nietzsche betrachtet diese Umwertung als Ausdruck von Ressentiment.
Auf die Frage „Was ist der Übermensch?“ lautet die Antwort: Der Übermensch ist ein philosophisches Ideal eines Menschen, der über überlieferte Begrenzungen hinausgeht, sich selbst überwindet und eigene Werte hervorbringt. Er ist weder ein Superheld noch das Mitglied einer angeblich überlegenen Rasse.
Die Frage „Was bedeutet der Wille zur Macht?“ kann so beantwortet werden: Er bezeichnet einen grundlegenden Drang nach Entfaltung, Steigerung, Gestaltung und Selbstüberwindung. Er darf nicht ausschließlich als politischer Wille zur Herrschaft über andere verstanden werden. Gleichwohl muss geprüft werden, welche Folgen ein stark auf Macht und Selbststeigerung ausgerichtetes Menschenbild für Schwächere haben kann.
Auf die Frage „Benötigt Moral den Glauben an Gott?“ gibt das Video keine endgültige Antwort. Religiöse Menschen können moralische Werte in Gott begründet sehen. Nicht religiöse Menschen können sich auf Menschenwürde, Vernunft, Empathie, Freiheit und gemeinsame Regeln beziehen. Entscheidend ist, ob eine Begründung nachvollziehbar ist und die gleiche Würde aller Menschen schützt.
Die Frage „Wurde Nietzsches Philosophie vom Nationalsozialismus verwendet?“ wird so beantwortet: Ja, einzelne Begriffe wie Übermensch und Wille zur Macht wurden für nationalsozialistische Zwecke vereinnahmt und entstellt. Daraus folgt jedoch nicht, dass Nietzsche selbst Nationalsozialist gewesen sei. Er starb bereits 1900 und wandte sich gegen Nationalismus und Antisemitismus.
Die abschließende Frage „Welche Bedeutung besitzt Nietzsches Religionskritik heute?“ kann so beantwortet werden: Sie fordert Menschen dazu heraus, überlieferte Autoritäten und Werte kritisch zu prüfen. Sie stellt die Frage, wie Sinn und Moral in einer zunehmend nicht religiösen Gesellschaft begründet werden können. Zugleich erinnert sie daran, dass Freiheit ohne Verantwortung, Rücksicht und Schutz der Menschenwürde problematisch werden kann.
Als Ergebnissicherung können die Lernenden eine Stellungnahme zur Aussage „Der Tod Gottes macht den Menschen frei“ schreiben. Eine weitere Möglichkeit ist ein fiktives Gespräch zwischen Nietzsche und einer christlichen, humanistischen oder atheistischen Position. Bewertet werden die sachgerechte Verwendung der Begriffe, die Unterscheidung von Darstellung und Urteil sowie die nachvollziehbare Begründung der eigenen Position.