Das Video eignet sich für den Religionsunterricht in höheren Jahrgangsstufen und für Unterrichtseinheiten zu Existenzialismus, Atheismus, Freiheit, Verantwortung, Sinn, Moral, Menschenbild und Gottesbild. Es kann außerdem mit der Religionskritik von Feuerbach, Marx, Freud und Nietzsche verglichen werden. Während Feuerbach nach der Projektion menschlicher Wünsche, Marx nach der gesellschaftlichen Funktion und Freud nach den psychischen Ursachen von Religion fragt, untersucht Sartre vor allem das Verhältnis von Gottesglaube, Freiheit und menschlicher Selbstbestimmung.
Als Einstieg können die Lernenden zu den beiden Aussagen „Mein Leben besitzt einen vorgegebenen Sinn“ und „Ich muss meinem Leben selbst einen Sinn geben“ Stellung beziehen. Dabei sollte keine sofortige Entscheidung verlangt werden. Die Lernenden sammeln vielmehr mögliche Argumente und Fragen. Anschließend kann die Formulierung „Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt“ präsentiert werden. Die Lerngruppe klärt, weshalb Freiheit zugleich als Chance und als Belastung erfahren werden kann.
Vor der Betrachtung sollten die Begriffe Existenz, Essenz, Existenzialismus, Freiheit, Verantwortung, Selbstbestimmung und Lebenssinn geklärt werden. Zur Erklärung von Existenz und Essenz eignet sich das im Video verwendete Beispiel eines hergestellten Gegenstandes. Ein Stuhl wird nach einem Plan und für einen bestimmten Zweck hergestellt. Seine vorgesehene Funktion steht bereits vor seiner konkreten Herstellung fest. Beim Menschen verhält es sich nach Sartre anders. Es gibt keinen göttlichen Plan, der sein Wesen im Voraus festlegt. Der Mensch entwickelt seine Identität erst durch Entscheidungen und Handlungen. Die Lehrkraft sollte darauf hinweisen, dass das Beispiel Grenzen besitzt, da Menschen keine Gegenstände sind und ihre Lebensmöglichkeiten von Beziehungen und gesellschaftlichen Bedingungen geprägt werden.
Das Video kann in drei Abschnitten betrachtet werden. Der erste Abschnitt führt in Sartres Existenzialismus und den Vorrang der Existenz vor der Essenz ein. Der zweite behandelt Freiheit, Verantwortung, Sinn und die Kritik an Religion. Der dritte würdigt Sartres Position und formuliert Einwände. Nach jedem Abschnitt halten die Lernenden eine Kernaussage, einen zentralen Begriff und eine offene Frage fest. Anschließend rekonstruieren sie Sartres Argumentation in eigenen Worten.
Eine mögliche Argumentationsfolge beginnt mit der Annahme, dass Gott nicht existiert. Daraus folgt, dass es keinen göttlich festgelegten Plan für den Menschen gibt. Der Mensch besitzt daher keine vorgegebene Essenz, sondern gestaltet sich durch sein Handeln. Diese Freiheit macht ihn für seine Entscheidungen verantwortlich. Versucht er, seine Verantwortung vollständig an Gott, gesellschaftliche Rollen oder äußere Autoritäten abzugeben, flieht er nach Sartre vor seiner Freiheit. Die Lernenden können diese Schritte ordnen und prüfen, ob die Übergänge zwingend sind.
Die Begriffe Freiheit und Verantwortung sollten an konkreten Entscheidungssituationen erschlossen werden. Geeignet sind Fragen nach Berufswahl, Freundschaft, politischem Engagement, Konsum oder dem Umgang mit Ungerechtigkeit. Die Lernenden untersuchen, welche Handlungsmöglichkeiten bestehen, welche Grenzen vorhanden sind und wer die Folgen einer Entscheidung trägt. Dabei wird deutlich, dass menschliche Freiheit weder vollständige Unabhängigkeit noch grenzenlose Wahlmöglichkeit bedeutet.
Das Video spricht teilweise von absoluter Freiheit. Diese Formulierung sollte differenziert werden. Auch Sartre weiß, dass Menschen in konkrete Situationen hineingeboren werden. Sie wählen weder ihre Herkunft noch sämtliche körperlichen, sozialen oder historischen Bedingungen. Freiheit besteht bei ihm nicht darin, jede beliebige Möglichkeit verwirklichen zu können. Sie zeigt sich vielmehr darin, dass Menschen zu den gegebenen Umständen Stellung beziehen und innerhalb ihrer Situation Entscheidungen treffen. Für den Unterricht ist daher die Unterscheidung zwischen Bedingungen, Möglichkeiten, Entscheidung und Verantwortung hilfreich.
Auch die Aussage, das Leben sei nach Sartre absurd, benötigt eine Einordnung. Der Begriff des Absurden wird besonders mit Albert Camus verbunden. Sartres zentraler Gedanke besteht darin, dass es keinen fertigen und objektiv vorgegebenen Lebenssinn gibt. Daraus folgt für ihn nicht, dass jede Form von Bedeutung unmöglich ist. Der Mensch schafft Sinn durch Entscheidungen, Beziehungen, Vorhaben und verantwortliches Handeln.
Die Religionskritik des Videos kann mit unterschiedlichen Formen des Glaubens verglichen werden. Ein Glaube, der jede Entscheidung an religiöse Autoritäten abgibt und menschliche Verantwortung verhindert, entspricht Sartres Kritik. Ein Glaube, der Menschen zur freien Gewissensentscheidung, zur Mitgestaltung der Welt und zur Verantwortung für andere aufruft, stellt diese Kritik infrage. Biblische Texte über die Freiheit des Menschen, die Verantwortung für die Schöpfung oder die Berufung zum Handeln können als Gegenperspektive dienen.
Dabei sollte vermieden werden, religiöse Lernende als unfrei oder nicht religiöse Lernende als orientierungslos zu charakterisieren. Sowohl religiöse als auch nicht religiöse Menschen können selbstständig oder abhängig handeln. Ebenso können beide Gruppen verantwortliche Wertorientierungen entwickeln. Entscheidend ist nicht allein die religiöse Zugehörigkeit, sondern die konkrete Weise, in der Freiheit, Moral und Verantwortung verstanden und gelebt werden.
Methodisch bietet sich ein Streitgespräch zwischen Sartre und einer christlichen Position an. Eine Gruppe vertritt Sartres Auffassung, dass ein göttlicher Plan die menschliche Freiheit gefährdet. Eine zweite Gruppe argumentiert, dass Gottesglaube Freiheit und Verantwortung ermöglichen könne. Eine dritte Gruppe beobachtet das Gespräch und prüft die Qualität der Argumente. Anschließend wechseln die Gruppen ihre Perspektive. So lernen die Lernenden, eine fremde Position sachgerecht darzustellen, bevor sie ein eigenes Urteil formulieren.
Eine weitere Möglichkeit ist ein Vergleich verschiedener Sinnmodelle. Die Lernenden untersuchen, ob Lebenssinn von Gott gegeben, durch Beziehungen erfahren, gesellschaftlich vermittelt oder persönlich geschaffen wird. Sie prüfen, ob diese Möglichkeiten einander ausschließen müssen. Ein religiöser Mensch könnte Sinn als Geschenk Gottes verstehen und ihn zugleich durch eigene Entscheidungen konkret gestalten. Ein nicht religiöser Mensch könnte Sinn aus Beziehungen, Verantwortung, Kreativität und gesellschaftlichem Engagement gewinnen.
Mögliche Fragestellungen helfen bei der Erschließung. Die Frage „Was meint Sartre mit dem Satz, die Existenz gehe der Essenz voraus?“ kann so beantwortet werden: Der Mensch besitzt nach Sartre keine von Gott oder der Natur festgelegte Bestimmung. Er existiert zunächst und entwickelt sein Wesen erst durch seine Entscheidungen und Handlungen.
Auf die Frage „Warum ist der Mensch nach Sartre zur Freiheit verurteilt?“ lautet die Antwort: Der Mensch hat sich seine Existenz nicht ausgesucht, muss aber fortwährend entscheiden. Selbst der Versuch, keine Entscheidung zu treffen, ist eine Form der Entscheidung. Der Mensch kann seiner Freiheit und der daraus entstehenden Verantwortung daher nicht vollständig entkommen.
Die Frage „Ist Freiheit für Sartre nur etwas Positives?“ wird so beantwortet: Nein. Freiheit eröffnet die Möglichkeit zur Selbstgestaltung, erzeugt aber auch Angst und Unsicherheit. Wenn keine höhere Instanz dem Menschen seine Entscheidungen abnimmt, muss er selbst Verantwortung für sein Handeln und dessen Folgen übernehmen.
Auf die Frage „Was bedeutet die Aussage, ohne Religion gebe es keinen Sinn?“ lautet die Antwort: Diese Aussage trifft Sartres Position nur teilweise. Ohne Gott gibt es für Sartre keinen vorgegebenen, objektiven und göttlich garantierten Sinn. Der Mensch kann seinem Leben jedoch selbst Sinn verleihen. Treffender wäre daher die Aussage: Ohne Gott gibt es für Sartre keinen vorgegebenen Sinn.
Die Frage „Warum kritisiert Sartre die Religion?“ kann so beantwortet werden: Religion kann nach Sartre dazu dienen, Freiheit und Verantwortung an Gott oder religiöse Regeln abzugeben. Der Mensch könnte behaupten, lediglich einem göttlichen Plan zu folgen, statt anzuerkennen, dass er selbst entscheidet. Religion erscheint dann als Flucht vor der Freiheit.
Auf die Frage „Trifft Sartres Kritik auf jede Form von Religion zu?“ lautet die Antwort: Nein. Sie trifft besonders auf Formen von Religion zu, die Menschen entmündigen oder ihnen jede persönliche Verantwortung abnehmen. Religiöser Glaube kann Menschen aber auch zur Gewissensbildung, zur Mitgestaltung der Welt und zum verantwortlichen Handeln ermutigen.
Die Frage „Kann ein göttlicher Plan mit menschlicher Freiheit vereinbar sein?“ lässt unterschiedliche Antworten zu. Sartre würde einen vorgegebenen göttlichen Plan als Begrenzung menschlicher Selbstbestimmung betrachten. Eine christliche Position kann dagegen argumentieren, dass Gottes Wille den Menschen nicht festlegt, sondern Freiheit ermöglicht und zu verantwortlichem Handeln einlädt. Entscheidend ist das jeweils zugrunde liegende Gottesbild.
Die Frage „Sind Menschen tatsächlich vollkommen frei?“ wird so beantwortet: Menschen sind durch Herkunft, Körper, Gesundheit, Beziehungen, Kultur, wirtschaftliche Verhältnisse und politische Bedingungen begrenzt. Sie verfügen dennoch häufig über Möglichkeiten, zu diesen Bedingungen Stellung zu beziehen und innerhalb ihrer Situation zu handeln. Menschliche Freiheit ist daher wirklich, aber nicht grenzenlos.
Auf die Frage „Woher kommen moralische Werte, wenn es keinen Gott gibt?“ kann aus existentialistischer Perspektive geantwortet werden: Menschen entwickeln Werte durch ihre Entscheidungen und übernehmen Verantwortung für die Welt, die sie damit mitgestalten. Andere nicht religiöse Ansätze begründen Moral mit Vernunft, Menschenwürde, Mitgefühl oder gemeinsamen Regeln. Religiöse Ansätze führen moralische Orientierung zusätzlich auf Gott zurück.
Die Frage „Kann Selbstbestimmung selbst zur Belastung werden?“ wird so beantwortet: Ja. Wenn ein Mensch glaubt, sein gesamtes Leben allein planen, kontrollieren und rechtfertigen zu müssen, kann Freiheit überfordern. Menschen sind auf Beziehungen, Unterstützung und gemeinsame Orientierung angewiesen. Selbstbestimmung bedeutet deshalb nicht völlige Unabhängigkeit von anderen.
Auf die Frage „Was kann der Religionsunterricht von Sartre lernen?“ lautet die Antwort: Sartre fordert dazu auf, religiöse Überzeugungen nicht als Entschuldigung für passives oder verantwortungsloses Handeln zu verwenden. Glaube muss sich daran messen lassen, ob er Freiheit, Mündigkeit und Verantwortung fördert. Zugleich fordert Sartre religiöse Menschen heraus, ihr Gottesbild kritisch zu prüfen.
Die abschließende Frage „Kann der Mensch seinem Leben allein Sinn geben?“ verlangt ein begründetes persönliches Urteil. Menschen können durch Entscheidungen, Beziehungen und Aufgaben Bedeutung schaffen. Zugleich erfahren viele Sinn als etwas, das ihnen begegnet oder geschenkt wird. Religiöse Menschen beziehen diese Erfahrung auf Gott. Im Unterricht sollte deshalb zwischen selbst geschaffenem, gemeinsam entwickeltem und empfangenem Sinn unterschieden werden.
Als Ergebnissicherung können die Lernenden eine Stellungnahme zur Aussage „Freiheit ohne Gott ist Chance und Last zugleich“ verfassen. Alternativ können sie ein Gespräch zwischen Sartre und einer religiösen Position entwickeln oder eine persönliche Sinnlandkarte erstellen. Private Erfahrungen müssen dabei nicht offengelegt werden. Bewertet werden die sachgerechte Verwendung der Begriffe, die nachvollziehbare Darstellung von Sartres Position, die Berücksichtigung von Gegenargumenten und die Begründung des eigenen Urteils.