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Terra X Lesch & Co | ZDF

Terra X Lesch & Co | ZDF

Haben wir eine Seele?

Veröffentlichung:11.3.2026

Die Terra-X-Dokumentation „Haben wir eine Seele?" (ZDF, Terra X Lesch & Co, 2025, ca. 43 Min.) ist eine wissenschaftlich-philosophisch-religiöse Erkundung der Seelenfrage, moderiert von Harald Lesch. In einem rahmenden Faust-Motiv – Lesch spielt auf den teuflischen Seelenpakt an – entfaltet die Dokumentation die Frage, ob es etwas in uns gibt, das über den Tod hinaus existiert oder ob das Ich eine bloße Gehirnillusion ist. Folgende Themenfelder werden behandelt: Das Experiment des Arztes Duncan MacDougall (1907), der die Seele mit 21 Gramm zu wiegen versuchte, und dessen methodische Mängel; die Höhle von Lascaux als möglicher frühester Beleg für Seelenglauben in der Menschheitsgeschichte; der Seelenglauben in den Weltreligionen (Christentum, Judentum, Islam, Hinduismus mit Varanasi als heiligem Sterbeort); Nahtoderfahrungen am Beispiel der Zeitzeugin Christine Brekenfeld sowie die wissenschaftliche AWARE-Studie von Sam Parnia; die philosophischen Seelenbegriffe von Aristoteles (Seele als Lebensprinzip aller Lebewesen) und Descartes (Seele als denkendes Ich, cogito ergo sum); neuere Tierforschung zum Bewusstsein (Spiegeltest bei Elefanten, Hummelexperiment von Lars Chittka) und Pflanzenforschung (Boquila trifoliolata, Sehvermögen ohne Augen); Sigmund Freuds Entdeckung des Unbewussten und die Traumdeutung; KI-gestützte Traumvisualisierung am Kyoto-Institut von Professor Kamitani; schließlich Platons Mythos der Kugelmenschen und die Suche nach dem Seelenverwandten als Bild für tiefe menschliche Verbundenheit. Das Fazit ist offen: Die Seele lässt sich empirisch nicht beweisen – aber auch nicht widerlegen. Lesch plädiert für die Seele als gelebte innere Erfahrung, die das Ich im Innersten zusammenhält.

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Klassenstufe

Die Dokumentation ist primär für die Sekundarstufe II (Jahrgangsstufen 11–13) geeignet, da sie philosophische Argumentationsstrukturen, wissenschaftstheoretische Reflexion und religionsvergleichende Kompetenz voraussetzt. Ausgewählte Kapitel – insbesondere die Geschichte der Höhle von Lascaux, Nahtoderfahrungen, der Spiegeltest und der Platón-Mythos – lassen sich mit entsprechender didaktischer Aufbereitung auch in der Sekundarstufe I (Klassen 8–10) einsetzen, etwa in Einheiten zur Frage nach dem Sinn des Lebens, zum Tod und zur Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod. Die Gesamtlänge von ca. 43 Minuten empfiehlt sich für eine Doppelstunde oder als gezielte Ausschnittsarbeit.

Thematische Verortung im katholischen RU

Die Dokumentation berührt eine Vielzahl von Kernthemen des katholischen Religionsunterrichts in der Sekundarstufe II, die im Folgenden einzeln ausgeführt werden.

Seele und Menschenbild: Die Seelenfrage ist im katholischen Glauben und in der theologischen Anthropologie fundamental verankert. Der Katechismus der Katholischen Kirche (KKK 362–368) lehrt, dass der Mensch eine Einheit aus Leib und Seele ist, wobei die Seele als das geistige Prinzip des Menschen gilt, das von Gott erschaffen, unsterblich und zur Gottesgemeinschaft berufen ist. Die Dokumentation bietet einen hervorragenden Ausgangspunkt, um dieses Verständnis von anderen Seelenbegriffen abzugrenzen: dem aristotelischen Stufenmodell, dem cartesianischen Dualismus, dem freudschen Unbewussten sowie dem empirisch-naturwissenschaftlichen Negativbefund. Gerade der Kontrast zwischen dem naturwissenschaftlichen Unvermögen, die Seele nachzuweisen, und der religiösen Überzeugung von ihrer Realität ermöglicht eine differenzierte Diskussion über den Unterschied zwischen empirischem Wissen und Glaubensüberzeugung.

Tod, Auferstehung und Eschatologie: Das Kapitel zu Nahtoderfahrungen ist für den kath. RU besonders fruchtbar, weil es die Spannung zwischen wissenschaftlicher Erklärung (Hirnaktivität in Extremsituationen) und religiöser Deutung (Seele verlässt den Körper) unmittelbar erfahrbar macht. Die AWARE-Studie von Sam Parnia ist ein hervorragendes Beispiel für den ernsthaften wissenschaftlichen Umgang mit religiös bedeutsamen Phänomenen. Im kath. RU kann daran die Frage nach der Auferstehung des Leibes und dem Leben nach dem Tod angeknüpft werden (KKK 988–1019): Was meint christliche Auferstehungshoffnung – und wie unterscheidet sie sich von einer bloßen Unsterblichkeit der Seele? Das Zeugnis von Christine Brekenfeld ist dabei als persönlicher Erfahrungsbericht besonders bewegend und geeignet, die existenzielle Dimension der Frage zu erschließen.

Interreligiöser Vergleich: Das Kapitel zu den Weltreligionen bietet in kompakter Form einen vergleichenden Überblick über unterschiedliche Jenseits- und Seelenvorstellungen. Die hinduistische Vorstellung von der Seele als unsterblichem Kern (Atman) und dem Kreislauf der Wiedergeburt (Samsara) sowie dem Befreiungsziel (Moksha) lässt sich produktiv mit dem christlichen Auferstehungsglauben vergleichen. Die Sequenz in Varanasi bietet dazu eindrückliche Bilder. Im kath. RU kann dieser Vergleich für eine Einheit zum interreligiösen Dialog genutzt werden, etwa im Sinne der konziliaren Erklärung Nostra Aetate, die die spirituellen Reichtümer anderer Religionen würdigt.

Gottebenbildlichkeit und Würde des Menschen: Die philosophischen Seelenbegriffe von Aristoteles und Descartes eröffnen eine Diskussion über das, was den Menschen auszeichnet. Dabei ist besonders interessant, dass neuere Tierforschung (Spiegeltest, Hummeln, Boquila-Pflanze) die klassische Sonderstellung des Menschen in Frage stellt. Für den kath. RU bietet das die Gelegenheit, das Konzept der Gottebenbildlichkeit (imago Dei, Gen 1,26–27) nicht als biologische Überlegenheitsbehauptung, sondern als relationale Bestimmung zu entfalten: Der Mensch ist zur Beziehung mit Gott berufen – das ist seine besondere Würde, nicht seine kognitive Überlegenheit gegenüber anderen Lebewesen.

Schöpfungstheologie und Naturwissenschaft: Die Boquila-Sequenz und das Hummelexperiment bieten einen faszinierenden Ausblick auf die Komplexität der belebten Welt, der theologisch als Zeichen der Fülle und Weisheit der Schöpfung gedeutet werden kann. Der forschende Zugang der Wissenschaft und die staunende Haltung des Glaubens werden in der Dokumentation als komplementär und nicht als widersprüchlich dargestellt – eine wichtige Botschaft für den RU.

Psychologie, Traumdeutung und Selbsterkenntnis: Das Kapitel zu Freud und der KI-gestützten Traumvisualisierung ist anschlussfähig an Fragen nach Selbstwahrnehmung, Identität und dem Verhältnis von bewusstem und unbewusstem Erleben. Im kath. RU kann es theologisch vertieft werden durch Augustinus' Diktum „Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in Dir" (Confessiones I,1) – die Seele als jener innere Ort, der über das Bewusste hinausgeht und sich letztlich nur in der Gottesbeziehung findet.

Methodische Einsatzmöglichkeiten

Für den Gesamteinsatz in einer Doppelstunde empfiehlt sich folgender Aufbau: Als Einstieg eignet sich eine stille Reflexionsaufgabe: „Was verstehst du unter Seele – und woher kommt diese Vorstellung?" Die Antworten können auf Karten gesammelt und an der Tafel geclustert werden. Dann folgt die Sichtung der Dokumentation mit einem arbeitsteiligen Beobachtungsauftrag: Gruppe 1 notiert naturwissenschaftliche Positionen zur Seele, Gruppe 2 philosophische Positionen, Gruppe 3 religiöse Positionen. Die Auswertung erfolgt in einem Strukturlegemodell oder einer Tafelsystematik, die die drei Zugänge gegenüberstellt. Als Transferaufgabe bietet sich die Frage an: „Welches der vorgestellten Seelenkonzepte steht dem christlichen Verständnis am nächsten – und wo liegen die Unterschiede?"

Für die Ausschnittsarbeit bieten sich folgende Sequenzen besonders an. Das Kapitel zu Nahtoderfahrungen und Christine Brekenfeld (ca. 13:24–19:22) eignet sich als Einstieg in eine Einheit zu Tod, Auferstehung und Jenseitsvorstellungen. Es ist emotional berührend, ohne reißerisch zu sein, und ermöglicht eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Frage, was beim Sterben geschieht. Das Kapitel zu den Weltreligionen (ca. 10:59–13:08) bietet sich als kompakter Einstieg in eine Einheit zum interreligiösen Vergleich von Jenseitsvorstellungen an. Das Kapitel zu Aristoteles und Descartes (ca. 19:50–23:20) eignet sich für eine philosophieorientierte Vertiefung in der Oberstufe, etwa im Zusammenhang mit dem Thema Menschenwürde und theologischer Anthropologie. Der Platón-Mythos der Kugelmenschen (ca. 39:09–41:14) ist ein besonders gesprächsanregender Abschluss für eine Unterrichtsstunde zur Frage nach Liebe, Verbundenheit und Seelenverwandtschaft – mit klarem Bezug zur christlichen Vorstellung von der Sehnsucht nach Gott als dem letzten Seelenverwandten.

Als kreative Methode kann das Lesch-Fazit aufgegriffen werden: Schüler*innen formulieren ihren eigenen „Seelenbrief" – eine kurze Selbstreflexion, was für sie die Seele ist, ob sie glauben, eine zu haben, und was sie als ihren tiefsten inneren Kern erleben. Dieser Brief kann theologisch angereichert werden durch einen Kurztext aus Augustinus oder aus dem Buch der Psalmen (z. B. Ps 42: „Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so lechzt meine Seele, Gott, nach dir.").

Hinweise zur Differenzierung

Für leistungsstärkere Kurse empfiehlt sich die philosophische Vertiefung des Leib-Seele-Problems (Dualismus vs. Monismus), etwa durch einen ergänzenden Text von Thomas von Aquin zur forma corporis oder einen Kurztext aus Karl Rahners Grundkurs des Glaubens zur transzendentalen Erfahrung. Für leistungsschwächere Gruppen eignet sich die narrative Arbeit mit Christine Brekenfelds Erfahrungsbericht sowie die Bild-zu-Text-Aufgabe zur Höhle von Lascaux: Was könnten die Menschen damals gedacht haben, als sie das Vogel-Bild malten?

Hinweis zum Einsatz im Unterricht

Die Dokumentation ist auf YouTube über den Kanal Terra X Lesch & Co frei zugänglich. Die Kombination mit der anderen Terra-X-Dokumentation zur Schicksalsfrage (ebenfalls Lesch, 2025) liegt thematisch nahe und kann für eine kohärente Unterrichtsreihe zu den „großen Fragen" genutzt werden: Schicksal – Seele – Sinn des Lebens.

Video

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11.3.2026

konfessionelle Kooperation ,Interreligiöser Dialog

Anregung

Menschen & Welt ,Religionen

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