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Ivonne Schweitzer

Ivonne Schweitzer

Haltung zeigen - Frieden stiften

Denkanstöße und Praxisideen für Religionsunterricht, politische Bildung und demokratische Gesprächskultur

Veröffentlichung:8.9.2026

Das Materialheft entfaltet sieben Aufforderungen als Impulse für Reflexion, Gespräch und Handeln: HALTUNG ZEIGEN, FRIEDEN STIFTEN, MITGEFÜHL HABEN, FREIHEIT SCHÄTZEN, WÜRDE BEWAHREN, DISKURS SUCHEN und DEMOKRATIE STÄRKEN. Jede Aufforderung ist von der Grafikerin Cornelia Steinfeld in einer reduzierten geometrischen Formen- und Farbsprache visualisiert und wird jeweils flankiert von einem Bibeltext (Spr 4,25–27; Ps 34,15; Mk 6,34; Ex 15,20–21; Gen 1,27; Spr 18,13; Hebr 10,24), einem „Elfchen" (Fünf-Zeilen-Gedicht), einem fachlichen Begleittext, umfangreichen Denkanstößen und Praxisideen, Vorschlägen zur Weiterarbeit (Buchtipps, Lyrik, Studien, Kunstprojekte) sowie einer Rubrik „Ins Handeln kommen". Über das ganze Heft verteilt provozieren „Brain-Snacks" – Thesen und Fragen auf Kärtchen – die Auseinandersetzung.


Die Begleittexte stammen von ausgewiesenen Fachleuten: Martin W. Ramb (Eulenfisch) über Pater Richard Henkes und die Wahrheitsfrage, Hans Mendl (Passau) über Franz von Assisi und interreligiöses Friedenlernen, Ludger Verst mit einer lyrischen „Feed Version" von Mk 6,34, Gabriele von Erdmann mit einem Freiheitsgedicht, Agnieszka Maluga über Janusz Korczak, Uta Liebeskind (Siegen) über Diskurs im Anschluss an Habermas und Judith Noa (PZ Hessen) über Demokratie als Lebensform. Ergänzt wird das Heft durch aktuelle Jugendbücher (Isermeyer, Kranenburg, Nielsen, Percival, Seibert, Kaurin, Brandt), popkulturelle Anknüpfungen (Michael Patrick Kellys „Peacebell"), ein Interview mit Martin Schäuble zur Wehrpflichtdebatte, die Königsfiguren von Ralf Knoblauch sowie Befunde der DKJS-Analyse zu politischen Einstellungen junger Menschen (2025) und der Shell Jugendstudie 2024. Bewusst enthält das Heft keine fertigen Kopiervorlagen – die Impulse sind als frei kombinierbarer Baukasten angelegt.

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Einordnung und Klassenstufe

Das Material eignet sich für Sek I ab Klasse 8 und durchgängig für Sek II (Klasse 8–13), mit deutlichem Schwerpunkt auf Klasse 9–12. Einzelne Bausteine – etwa die reine Grafikbetrachtung zu MITGEFÜHL HABEN oder WÜRDE BEWAHREN – lassen sich bereits ab Klasse 6/7 einsetzen; die theologisch dichten Begleittexte (Ramb zur Wahrheitsfrage, Verst, das Lyrik-Kapitel „Heiliger Boden") und die politikwissenschaftlich grundierten Passagen (Habermas-Bezug, Grundrechtsartikel, Studienauswertung) setzen dagegen Abstraktionsvermögen der Oberstufe voraus. Über die Schule hinaus ist das Heft ausdrücklich für außerschulische Jugend- und Erwachsenenbildung, Firmkatechese, Schulpastoral und Gemeindearbeit konzipiert.


Curriculare Verortung

Die sieben Aufforderungen decken zentrale Kompetenzbereiche katholischer wie evangelischer Lehrpläne ab:

Anthropologie/Imago Dei: WÜRDE BEWAHREN verknüpft Gen 1,27 mit Art. 1 GG und leistet damit exakt das, was Lehrpläne der Sek I als „Gottebenbildlichkeit und Menschenwürde" ausweisen. Der Lyriktext „Heiliger Boden" von Raphaela Noah Soden öffnet die Gottebenbildlichkeit zusätzlich für geschlechtersensible Fragestellungen („männlich und weiblich" statt „Mann und Frau") – ein anspruchsvoller, in der Lerngruppe sorgfältig zu moderierender Zugang.

Ethik/Handlungsorientierung: MITGEFÜHL HABEN (Mk 6,34) trifft die Unterrichtsreihen zu Nächstenliebe, Compassion und Diakonie; die Unterscheidung Mitleid–Mitgefühl ist didaktisch präzise ausgearbeitet.

Kirchengeschichte/Zeitgeschichte: Richard Henkes, Janusz Korczak und der 20. Juli 1944 ermöglichen die Verbindung von Widerstandsbiografien mit der Frage nach eigener Positionierung – anschlussfähig an Geschichte und Politik/Sozialkunde.

Biblische Theologie: Die Bibeltexte sind bewusst knapp gewählt und werden nicht ausgelegt, sondern in Beziehung zur Grafik gesetzt. Das erlaubt eine produktionsorientierte Bibelarbeit, die ohne historisch-kritisches Vorwissen auskommt, dieses aber (etwa bei Ex 15 als Mirjamlied) integrieren kann.

Interreligiöses Lernen: Der Mendl-Text zu Franziskus und Sultan Melek-el-Kamil sowie das „Projekt Weltethos" bieten einen historisch fundierten, nicht harmonisierenden Zugang zum christlich-muslimischen Dialog.

Politische Bildung/Demokratiebildung: FREIHEIT SCHÄTZEN arbeitet konkret mit den Grundrechtsartikeln 2, 4, 5 und 8 GG; DEMOKRATIE STÄRKEN bringt empirische Daten zur Politikverdrossenheit junger Menschen ein. Damit ist das Heft fächerverbindend mit Politik/Sozialkunde/Ethik einsetzbar.


Methodische Stärken

Die Bildsprache als Türöffner. Das didaktische Herzstück ist die konsequente Reduktion. Weil die Grafiken abstrakt sind – Strahlenbündel, konzentrische Quadrate, ein Kreis aus bunten Punkten, gegeneinandergestellte Dreiecke –, gibt es keine falsche Deutung. Das senkt die Einstiegshürde radikal und ist ein starkes Instrument der sprachsensiblen Differenzierung: Schülerinnen und Schüler mit geringer religiöser Sprachfähigkeit oder mit Deutsch als Zweitsprache können gleichberechtigt einsteigen, weil zunächst nur Beschreibung gefragt ist. Der Impuls „Wo würdest du dich in der Grafik positionieren?" überführt die Beschreibung dann elegant in eine persönliche Positionierung, ohne dass exponiert werden muss.

Variantenarbeit statt Interpretationsdruck. Mehrfach werden Grafikvarianten angeboten (MITGEFÜHL HABEN in drei Farbfassungen, DISKURS SUCHEN in sechs). Die Frage „Wie ändert sich die Wirkung?" ist ein sehr wirksames Verfahren, um wahrnehmungsbezogene Urteilsbildung einzuüben – die Lernenden erfahren, dass Deutung von Gestaltung abhängt, ohne dass dies theoretisch erklärt werden müsste.

Elfchen und Brain-Snacks als Verdichtungsformate. Das Elfchen (1–2–3–4–1 Wörter) zwingt zur Reduktion und funktioniert hervorragend als Ergebnissicherung am Stundenende. Die Brain-Snacks („Mutig sein heißt nicht, laut zu sein.", „Wer wegschaut, entscheidet sich auch.", „Nicht jede Diskussion braucht einen Gewinner.") lassen sich als Positionierungsübung im Raum (Zustimmungslinie), als Placemat-Impuls oder als Türöffner-Karten am Stundenanfang nutzen.

Sprachliche Steuerung von Sozialform. Der Wechsel zwischen Singular und Plural in den Arbeitsaufträgen signalisiert konsequent, ob Einzel- oder Gruppenarbeit gedacht ist – eine unauffällige, aber sehr praktische Hilfe bei der Unterrichtsplanung.


Grenzen und Hinweise

Kein fertiges Unterrichtsmaterial. Das Heft verzichtet bewusst auf Kopiervorlagen und Verlaufsplanungen. Das ist konzeptionell begründet, bedeutet aber realen Vorbereitungsaufwand: Aus über 200 Einzelimpulsen muss eine Lehrkraft eine tragfähige Auswahl treffen und didaktisch rahmen. Für Berufseinsteiger oder fachfremd Unterrichtende ist das eine echte Hürde.

Impulsdichte als Risiko. Die Fülle der Denkanstöße verführt zum Abarbeiten. Der Einleitungstext warnt selbst davor – dieser Hinweis sollte ernst genommen werden. Drei bis fünf gut gewählte Impulse pro Doppelstunde tragen weiter als fünfzehn.

Voraussetzungsreiche Lehrerrolle. Der Begleittext zu HALTUNG ZEIGEN formuliert explizit, dass Lehrkräfte ihre eigene Position geklärt haben müssen, und relativiert das häufige Missverständnis eines Neutralitätsgebots. Das ist fachlich richtig und für die Praxis hilfreich, verlangt aber Vorbereitung – wer die Impulse ohne eigene Standortbestimmung einsetzt, kommt in schwierige Gesprächssituationen.

Konfessionelle Rahmung. Die Impulse sind erkennbar katholisch grundiert (Pallottinerpater Henkes, kirchliche Stellungnahmen, DBK-Erklärung zum völkischen Nationalismus). In konfessionell-kooperativen oder gemischten Lerngruppen ist das gut handhabbar, in Ethikgruppen sind die Bibeltexte als kulturhistorische Quellen einzuführen. Umgekehrt tragen die Grafiken, Brain-Snacks und Jugendbuchbezüge auch ohne religiösen Rahmen.

Aktualitätsgebundene Passagen. Der Schäuble-Auszug zur Wehrpflichtdebatte und die Studienzitate (DKJS 2025, Shell 2024) sind tagespolitisch verankert und veralten schneller als der übrige Bestand. Vor dem Einsatz lohnt eine Aktualitätsprüfung.

Sensible Inhalte. Der Korczak-Text (Treblinka), der Henkes-Text (Dachau) und die Jugendbücher zu Rechtsextremismus, Mobbing und Kinderarmut berühren belastende Themen. Der Korczak-Text reflektiert die Gefahr der Heroisierung selbst sehr sorgfältig – diese Reflexionsebene sollte im Unterricht nicht verlorengehen. Bei Armuts- und Mobbingthemen ist zu bedenken, dass Betroffene in der Lerngruppe sitzen können; die Impulse „Hast du Mobbing erfahren?" sind entsprechend behutsam zu setzen, besser schriftlich-anonym als im Plenum.


Konkrete Unterrichtsszenarien

Einzelstunde (Klasse 9, Doppelstunde, „Würde"): Stiller Einstieg über die Grafik (drei weiße Kreise) – Beschreibung ohne Deutung, Think-Pair-Share. Dann Gen 1,27 und Art. 1 GG nebeneinander legen: Was sagt das eine, was das andere nicht sagt? Anschließend Korczak-Text in arbeitsteiliger Lektüre. Sicherung als Elfchen oder als eigene Grafikvariante mit Begründung.

Projektwoche/Studientag „Demokratie" (Sek II, 5–6 Zeitstunden): Sieben Stationen zu den sieben Aufforderungen, jede mit Grafik, Bibeltext, Brain-Snack und einem Weiterarbeitsimpuls. Gruppen durchlaufen drei bis vier Stationen und gestalten je ein Plakat. Abschluss: Podiumsgespräch zu „Was heißt Haltung zeigen in unserer Schule?" mit konkreter Aktionsplanung aus „Ins Handeln kommen".

Reihe Sek II „Wahrheit, Haltung, Verantwortung" (6–8 Stunden): Ramb-Text als Ausgangspunkt (Wahrheit als Person, Joh 14,6, Tugend als eingeübte Haltung), dazu Brandt „Nein sagen" und der 20. Juli 1944. Leistungsnachweis: begründeter Essay „Verpflichtet der Glaube zur politischen Positionierung?"

Fächerverbindend Religion/Kunst: Die Aufforderung wählen, Formensprache analysieren, eigene grafische Umsetzung entwickeln, Ausstellung im Schulgebäude mit erläuternden Legenden. Der Impuls, den Bibeltext in die Grafik hineinzuschreiben, verbindet Typografie und Textverständnis.

Fächerverbindend Religion/Musik/Deutsch: „Symphony of Peace" und die Peacebell-Aktion, dazu Verst' „Feed Version" als Rap-Umsetzung mit Vierer-Beat und Echo-Zeile („Wer sieht mich? Wer nennt mich?") – ein starker Zugang für Lerngruppen, die über Sprache und Rhythmus besser erreichbar sind als über Sachtexte.

Schulpastoral/Andacht: Grafik großformatig projiziert, Bibeltext, ein Brain-Snack als Impulsfrage, Stille, Elfchen als gemeinsames Gebet. Trägt auch ohne Unterrichtskontext.


Differenzierung

Sprachlich schwächere Lerngruppen / DaZ: Ausschließlich mit Grafik, Farbe und Form arbeiten; Beschreibungswortschatz vorgeben (Kreis, Strahl, Dreieck, hell, dunkel, Mitte, Rand). Der Impuls „Wenn du der weiße Halbkreis wärst – was würde in dir vorgehen?" funktioniert vollständig ohne Textlektüre und ist zugleich anspruchsvoll.

Inklusive Settings / Förderschwerpunkt Lernen: Grafiken als laminierte Karten zum Sortieren; Positionierung im Raum statt schriftlicher Antwort; Brain-Snacks als Ja/Nein-Abstimmung mit anschließender Begründungsrunde.

Leistungsstarke Lerngruppen / Oberstufe: Habermas-Bezug im Liebeskind-Text vertiefen (Diskursethik, idealer Sprechakt); Spannung zwischen Ramb (Wahrheit als bindend) und Liebeskind (Wahrheit als gemeinsam zu suchende) als eigenständige Erörterung; die DKJS-Empfehlungen kritisch prüfen und ein eigenes Positionspapier an kommunale Entscheidungsträger formulieren.

Produktionsorientiert: Eigene Aufforderung entwickeln (achte Grafik) – Formensprache, Bibeltext, Elfchen und Brain-Snack selbst gestalten. Das ist die anspruchsvollste und zugleich lohnendste Aufgabe des gesamten Materials, weil sie alle Ebenen integriert.

Digital: Grafikvarianten in Canva o. ä. nachbauen; Brain-Snacks als digitale Abstimmung (Mentimeter); Wortcluster kollaborativ auf einem digitalen Board; Podcast- oder Erklärvideoproduktion zu einer Aufforderung.


Anschlussmaterial

Das Heft ist Teil des Werkbuchs „Auf den Punkt" (Cornelia Steinfeld, 2026, ISBN 978-3-911403-16-0) und steht in der Reihe der Bände „Die Bibel in Formen und Farben" I/II, „Trauer in Formen und Farben" und „Der Kreuzweg in Formen und Farben" (Schnell & Steiner). Die Motive sind als Poster, Leinwand und Postkarten bestellbar, was den Einsatz als dauerhafte Raumgestaltung in Klassenräumen, Meditationsräumen oder Gemeindehäusern ermöglicht. Die Materialien dürfen für den eigenen Unterricht und die außerschulische Bildungsarbeit als Kopiervorlagen genutzt werden; jede Weitergabe oder Veröffentlichung in anderen Medien bedarf der schriftlichen Genehmigung des Verlags.

Text, Bild

urheberrechtlich geschützt

8.9.2026

Schulpastoral ,konfessionelle Kooperation ,Interreligiöser Dialog

Anregung

Menschen & Welt ,Religionen

Problemlösen und Handeln

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