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Fachverband Ethik Baden Württemberg

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Martin Schulz: Warum wir jetzt kämpfen müssen

Veröffentlichung:1.1.2016

Das Medium „Warum wir jetzt kämpfen müssen“ ist ein 2014 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschienener Beitrag von Martin Schulz, der zu diesem Zeitpunkt Präsident des Europäischen Parlaments und Mitglied der SPD war. Schulz setzt sich darin aus seiner damaligen politischen Perspektive kritisch mit den gesellschaftlichen Folgen der Digitalisierung auseinander. Dabei vertritt er ausdrücklich keine grundsätzliche Ablehnung technischen Fortschritts, sondern fragt danach, wie die digitale Entwicklung zum Nutzen der Gesellschaft gestaltet werden kann. Im Zentrum stehen Freiheit, Selbstbestimmung, Datenschutz, Überwachung, Arbeitswelt, Sicherheit und Demokratie. Besondere Bedeutung besitzt das von Schulz entworfene Bild des „determinierten Menschen“. Er warnt davor, den Menschen zunehmend als Summe messbarer Daten, Gewohnheiten und Präferenzen zu betrachten. Begriffe wie „gläserner Konsumbürger“, „digitaler Zwilling“ und „quantifizierter Mensch“ verdeutlichen dieses Menschenbild. Schulz thematisiert dabei mögliche Spannungen zwischen technischer Bequemlichkeit und Freiheit, zwischen Sicherheit und Überwachung sowie zwischen Personalisierung und Selbstbestimmung. Seine zentrale normative Position besteht darin, Digitalisierung nicht als zwangsläufige Entwicklung hinzunehmen, sondern sie gesellschaftlich und politisch so zu gestalten, dass Freiheit und menschliche Selbstbestimmung erhalten bleiben.

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Das Medium eignet sich besonders für den Religionsunterricht in der Sekundarstufe II und in ausgewählten Passagen auch für höhere Jahrgangsstufen der Sekundarstufe I. Sein besonderer religionspädagogischer Wert liegt in der Verbindung von Digitalisierung und Anthropologie. Der Text fragt letztlich danach, welches Verständnis vom Menschen eine zunehmend datenorientierte Gesellschaft prägt. Damit eröffnet er einen unmittelbaren Zugang zu zentralen Themen des Religionsunterrichts wie Menschenbild, Menschenwürde, Freiheit, Verantwortung, Gewissen und Personalität. Als Leitfrage kann formuliert werden: „Ist der Mensch mehr als die Summe seiner Daten?“ Diese Frage ermöglicht einen Vergleich zwischen dem im Text problematisierten Bild eines berechenbaren Menschen und christlichen Vorstellungen vom Menschen als freier, verantwortlicher und mit unverfügbarer Würde ausgestatteter Person.

Für einen problemorientierten Einstieg kann der Begriff „digitaler Zwilling“ verwendet werden. Die Lernenden sammeln zunächst, welche Daten im Verlauf eines gewöhnlichen Tages über eine Person entstehen können. Dazu gehören beispielsweise Suchanfragen, Aufenthaltsorte, Einkäufe, Kommunikationsverhalten, Interessen, Kontakte, Nutzungszeiten oder Gesundheitsdaten. Anschließend kann die Frage gestellt werden, ob aus der Summe solcher Informationen tatsächlich ein zutreffendes Bild eines Menschen entstehen kann. Die Lernenden können diskutieren, was durch Daten erfasst werden kann und welche Dimensionen menschlicher Existenz sich einer solchen Erfassung möglicherweise entziehen. Auf diese Weise wird unmittelbar zur anthropologischen Kernfrage des Textes geführt.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, mit den drei Menschenbildern des Textes zu arbeiten: dem gläsernen Konsumbürger, dem digitalen Zwilling und dem quantifizierten Menschen. Die Lernenden können in Gruppen untersuchen, welche Vorstellungen jeweils mit diesen Begriffen verbunden sind. Anschließend entwickeln sie zu jedem Begriff eine Definition und stellen mögliche Chancen und Probleme dar. In einem weiteren Schritt können diese Vorstellungen mit einem christlichen Menschenbild verglichen werden. Dabei können Menschenwürde, Gottebenbildlichkeit, Freiheit, Gewissen, Verantwortung und die Unverfügbarkeit der Person als Vergleichskategorien dienen. Entscheidend ist dabei, nicht vorschnell einen Gegensatz zwischen Religion und Technik zu konstruieren. Vielmehr sollen die Lernenden prüfen, unter welchen Bedingungen digitale Technologien der Entfaltung menschlicher Freiheit dienen und wann sie diese einschränken könnten.

Besonders geeignet ist das Medium zur Auseinandersetzung mit Freiheit und Determination. Schulz problematisiert eine Vorstellung vom Menschen, nach der Verhalten aus Daten, biologischen Reaktionen, Gewohnheiten und Präferenzen berechnet werden könne. Die Lernenden können zunächst klären, was Determination bedeutet und welche Konsequenzen ein vollständig determiniertes Menschenbild für Freiheit und Verantwortung hätte. Daraus können grundlegende Fragen entwickelt werden: Kann ein Mensch für sein Handeln verantwortlich sein, wenn sein Verhalten vollständig vorherbestimmt wäre? Ist Vorhersagbarkeit dasselbe wie Determination? Wird eine Entscheidung unfrei, wenn sie durch personalisierte Informationen beeinflusst wird? Diese Fragen ermöglichen eine Verbindung von digitaler Ethik mit klassischen Themen philosophischer und theologischer Anthropologie.

Methodisch bietet sich hierzu ein Gedankenexperiment an. Die Lernenden stellen sich ein digitales System vor, das aufgrund umfangreicher Daten zuverlässig vorhersagen kann, welchen Beruf eine Person wählen, welche Produkte sie kaufen und welche kulturellen Angebote sie nutzen wird. Anschließend wird gefragt, ob die vorhergesagten Entscheidungen dadurch weniger frei sind. In einer zweiten Variante beeinflusst das System gezielt, welche Informationen die Person erhält. Nun können die Lernenden zwischen Vorhersage, Beeinflussung, Manipulation und Kontrolle unterscheiden. Dadurch wird deutlich, dass die Frage nach digitaler Freiheit differenzierter betrachtet werden muss als durch eine einfache Gegenüberstellung von Freiheit und Unfreiheit.

Ein weiterer Unterrichtsschwerpunkt kann das Verhältnis von Sicherheit und Freiheit sein. Der Text nennt Beispiele, bei denen digitale Überwachung zunächst einen erkennbaren Nutzen verspricht, etwa bei Verkehrssicherheit oder gesundheitlicher Vorsorge. Zugleich wird die Frage aufgeworfen, ob aus freiwilliger Kontrolle gesellschaftlicher Druck oder Zwang entstehen könnte. Für eine Dilemmadiskussion kann deshalb ein fiktiver Fall entwickelt werden, in dem eine Versicherung finanzielle Vorteile anbietet, wenn Menschen freiwillig Gesundheitsdaten übermitteln. Die Lernenden bestimmen zunächst die beteiligten Interessen und Werte und entwickeln anschließend Kriterien für eine ethische Bewertung. Dabei können Selbstbestimmung, Solidarität, Gerechtigkeit, Privatheit, Sicherheit, Verantwortung und Menschenwürde berücksichtigt werden.

Auch die im Text angesprochene Entgrenzung der Arbeit besitzt einen starken Lebensweltbezug. Die Frage nach ständiger Erreichbarkeit lässt sich auf die Lebenswelt der Lernenden übertragen. Dabei kann untersucht werden, ob digitale Erreichbarkeit Freiheit vergrößert oder neue Erwartungen und Abhängigkeiten erzeugt. Diese Fragestellung ermöglicht eine weiterführende Beschäftigung mit Ruhe, Zeit, Muße und den Grenzen menschlicher Verfügbarkeit. Im Religionsunterricht können daran religiöse Vorstellungen von Ruhe und Unterbrechung angeschlossen werden. Der Sabbat und der Sonntag können beispielsweise als kulturelle und religiöse Vorstellungen betrachtet werden, nach denen der Mensch gerade nicht ausschließlich über Leistung, Produktivität und permanente Verfügbarkeit bestimmt wird.

Da es sich um einen politischen Meinungsbeitrag aus dem Jahr 2014 handelt, ist eine kritische Quellenarbeit wichtig. Die Lernenden sollten zwischen den damaligen Beobachtungen, politischen Bewertungen, Prognosen und normativen Forderungen des Autors unterscheiden. Schulz war zur Zeit der Veröffentlichung Präsident des Europäischen Parlaments und gehörte der SPD an. Diese politische Positionierung gehört zur Quellenanalyse, ohne dass daraus bereits eine Bewertung seiner Argumente folgt. Aussagen über mögliche zukünftige Entwicklungen sollten als Prognosen des Textes erkannt und nicht automatisch als eingetretene Tatsachen behandelt werden. Gerade dadurch eignet sich das Medium für eine kritische Auseinandersetzung mit politischer Argumentation.

Für die methodische Erschließung können die Lernenden den Text farblich strukturieren und Aussagen zu Chancen der Digitalisierung, Risiken der Digitalisierung, Menschenbild, Freiheit, gesellschaftlicher Verantwortung und politischen Forderungen unterscheiden. Anschließend kann die Argumentationsstruktur in einem Schaubild dargestellt werden. Besonders geeignet ist auch eine Gegenüberstellung der Begriffe „freier Mensch“ und „determinierter Mensch“. Die Lernenden sammeln Merkmale beider Vorstellungen und prüfen anschließend, ob diese Gegenüberstellung überzeugend ist oder weitere Zwischenpositionen notwendig sind.

Als produktionsorientierter Abschluss können die Lernenden ein eigenes Manifest zur menschenwürdigen Digitalisierung verfassen. Darin formulieren sie Grundsätze dafür, wie Daten, künstliche Intelligenz und digitale Technologien eingesetzt werden sollten, damit Freiheit und Selbstbestimmung geschützt bleiben. Ebenso eignen sich ein philosophisches Streitgespräch über den quantifizierten Menschen, ein fiktiver Ethikrat, ein Kommentar oder eine Stellungnahme zur Frage „Ist der Mensch mehr als seine Daten?“. Als Klausurmaterial ist der Text besonders geeignet, da sich das zugrunde liegende Menschenbild analysieren, die Argumentation rekonstruieren und anschließend mit christlicher Anthropologie, Freiheitstheorien oder verantwortungsethischen Ansätzen vergleichen lässt.


Aufgabe 1

Operator: zusammenfassen

Fasse die zentralen Aussagen des Textes von Martin Schulz in eigenen Worten zusammen. Berücksichtige dabei seine Einschätzung der Chancen und Risiken der Digitalisierung sowie seine Vorstellung vom determinierten Menschen.

Musterantwort

Martin Schulz betrachtet die Digitalisierung weder ausschließlich positiv noch grundsätzlich negativ. Er sieht große Chancen für Innovation, Wohlstand und gesellschaftliche Entwicklung, warnt jedoch davor, technischen Fortschritt automatisch mit gesellschaftlichem Fortschritt gleichzusetzen.

Er untersucht verschiedene Bereiche, in denen digitale Technik Vorteile und Risiken zugleich hervorbringen kann. Digitale Kommunikation kann beispielsweise die Arbeit flexibler gestalten, aber auch dazu führen, dass die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit verschwindet. Digitale Überwachung kann Sicherheit erhöhen, gleichzeitig aber persönliche Freiheit einschränken.

Besonders kritisch betrachtet Schulz die Sammlung und Auswertung persönlicher Daten. Wenn das Verhalten eines Menschen immer umfassender erfasst wird, kann ein digitales Profil entstehen, aus dem zukünftige Interessen und Entscheidungen vorhergesagt werden sollen.

Dadurch entsteht nach Schulz die Gefahr des determinierten Menschen. Menschen könnten zunehmend aufgrund ihrer bisherigen Daten bewertet werden und nur noch Möglichkeiten erhalten, die zu ihrem berechneten Profil passen.

Schulz fordert deshalb eine aktive gesellschaftliche und politische Gestaltung der Digitalisierung. Freiheit, Demokratie, Sicherheit und Lebensqualität entstehen seiner Ansicht nach nicht automatisch durch technische Entwicklung.


Aufgabe 2

Operator: erläutern

Erläutere, was Schulz unter dem „determinierten Menschen“ versteht.

Musterantwort

Mit dem Begriff des determinierten Menschen beschreibt Schulz die Gefahr, dass eine Person zunehmend auf vorhandene Daten und daraus berechnete Eigenschaften reduziert wird.

Digitale Systeme sammeln Informationen über Verhalten, Interessen, Kontakte, Konsum und andere Lebensbereiche. Aus diesen Daten können Profile erstellt werden.

Auf Grundlage solcher Profile können Algorithmen versuchen vorherzusagen, welche Produkte, Informationen oder Möglichkeiten zu einer Person passen.

Problematisch wird dies, wenn vergangenes Verhalten zunehmend bestimmt, welche Möglichkeiten ein Mensch in Zukunft erhält. Wenn einer Person beispielsweise nur bestimmte berufliche Angebote oder Informationen gezeigt werden, weil diese ihrem berechneten Profil entsprechen, können andere Entwicklungsmöglichkeiten unsichtbar werden.

Der Begriff der Determination bezeichnet damit eine Einschränkung menschlicher Offenheit. Der Mensch erscheint nicht mehr als Person, die sich verändern und neue Entscheidungen treffen kann, sondern als Wesen, dessen zukünftiges Verhalten aus vergangenen Daten berechnet werden soll.


Aufgabe 3

Operator: analysieren

Analysiere das Menschenbild, das Schulz mit den Begriffen „gläserner Konsumbürger“, „quantifizierter Mensch“, „digitaler Zwilling“ und „determinierter Mensch“ kritisiert.

Musterantwort

Die vier Begriffe beschreiben unterschiedliche Aspekte eines Menschenbildes, das Schulz kritisch betrachtet.

Der gläserne Konsumbürger bezeichnet einen Menschen, dessen Interessen und Konsumverhalten für Unternehmen zunehmend sichtbar werden. Persönliche Informationen werden wirtschaftlich verwertbar.

Der quantifizierte Mensch wird durch messbare Daten beschrieben. Verhalten, Interessen und körperliche Reaktionen werden in Zahlen und Informationen übersetzt.

Der digitale Zwilling bezeichnet ein digitales Abbild einer Person, das aus unterschiedlichen Informationen zusammengesetzt wird. Dieses Abbild kann von Institutionen zur Einschätzung der Person verwendet werden.

Der determinierte Mensch stellt schließlich die weitreichendste Konsequenz dar. Aus den vorhandenen Daten werden zukünftige Interessen und Entscheidungen abgeleitet. Die Vergangenheit einer Person droht dadurch ihre Zukunft zu bestimmen.

Schulz kritisiert somit ein Menschenbild, das die Person zunehmend als berechenbares Objekt betrachtet. Menschliche Freiheit, Veränderungsfähigkeit und Individualität können dadurch in den Hintergrund treten.


Aufgabe 4

Operator: vergleichen

Vergleiche das von Schulz kritisierte Bild des quantifizierten Menschen mit dem christlichen Verständnis des Menschen als Ebenbild Gottes.

Musterantwort

Der quantifizierte Mensch wird anhand messbarer Daten beschrieben. Interessen, Verhalten, Leistungen und Gewohnheiten können erfasst und miteinander verglichen werden.

Das christliche Menschenbild setzt einen anderen Schwerpunkt. Nach Genesis 1,26 bis 27 wird der Mensch als Ebenbild Gottes verstanden. Daraus wird eine besondere Würde jedes Menschen abgeleitet.

Diese Würde hängt nicht davon ab, welche Leistungen ein Mensch erbringt oder wie er durch Daten bewertet wird. Ein Mensch besitzt deshalb einen Wert, der sich nicht vollständig messen oder berechnen lässt.

Außerdem wird der Mensch als freie und verantwortliche Person verstanden. Menschen können Entscheidungen treffen, Fehler erkennen und ihr Verhalten verändern.

Ein digitales Profil basiert dagegen wesentlich auf bereits vorhandenen Informationen. Es besteht deshalb die Gefahr, dass vergangenes Verhalten zu stark auf zukünftige Möglichkeiten übertragen wird.

Der zentrale Unterschied besteht somit darin, dass das Bild des quantifizierten Menschen die Messbarkeit betont, während das christliche Menschenbild die unverfügbare Würde, Freiheit und Offenheit der Person hervorhebt.


Aufgabe 5

Operator: in Beziehung setzen

Setze Schulz’ Kritik an der digitalen Vermessung des Menschen in Beziehung zur christlichen Vorstellung von Freiheit und Verantwortung.

Musterantwort

Schulz befürchtet, dass umfassende Datensammlung die Freiheit des Menschen einschränken kann. Wenn digitale Systeme aus vergangenen Daten zukünftiges Verhalten ableiten, können Menschen auf bestimmte Möglichkeiten festgelegt werden.

Die christliche Vorstellung von Freiheit betont dagegen, dass Menschen Entscheidungen treffen und Verantwortung für ihr Handeln übernehmen können.

Verantwortung setzt Freiheit voraus. Nur wenn ein Mensch tatsächlich zwischen unterschiedlichen Möglichkeiten entscheiden kann, kann er für seine Entscheidung verantwortlich gemacht werden.

Eine vollständige Vorstellung vom determinierten Menschen würde dieses Verständnis infrage stellen. Wenn jede Entscheidung vollständig aus Daten und früherem Verhalten vorherbestimmt wäre, würde der Raum für freie Entscheidungen kleiner.

Gleichzeitig bedeutet christliche Freiheit nicht völlige Unabhängigkeit. Galater 5,13 verbindet Freiheit mit Verantwortung gegenüber anderen Menschen.

Auf die Digitalisierung übertragen bedeutet dies, dass sowohl einzelne Menschen als auch Unternehmen und staatliche Institutionen Verantwortung dafür tragen, technische Möglichkeiten so zu gestalten, dass menschliche Freiheit erhalten bleibt.


Aufgabe 6

Operator: erörtern

Erörtere folgende Aussage: „Je mehr ein digitales System über einen Menschen weiß, desto besser kann es ihm dienen.“

Beziehe Schulz’ Argumentation und christlich ethische Gesichtspunkte ein.

Musterantwort

Für die Aussage spricht, dass persönliche Daten digitale Angebote verbessern können. Ein Navigationssystem kann beispielsweise passende Routen anbieten und medizinische Systeme können Gesundheitsdaten nutzen, um Risiken frühzeitig zu erkennen.

Personalisierung kann dadurch Komfort, Sicherheit und Effizienz erhöhen.

Gegen die Aussage spricht, dass umfangreiches Wissen über eine Person auch Macht erzeugt. Unternehmen oder andere Institutionen können persönliche Daten für eigene Interessen verwenden.

Schulz warnt besonders davor, dass Menschen nur noch Informationen und Möglichkeiten erhalten könnten, die ihrem bisherigen Profil entsprechen. Dadurch könnte die persönliche Entwicklung eingeschränkt werden.

Aus christlich ethischer Perspektive ist außerdem die Menschenwürde zu berücksichtigen. Ein Mensch darf nicht ausschließlich als Sammlung verwertbarer Daten betrachtet werden.

Auch Selbstbestimmung ist wichtig. Menschen sollten wissen können, welche Daten verwendet werden und welche Entscheidungen daraus entstehen.

Mehr Wissen über einen Menschen kann bessere Unterstützung ermöglichen. Es kann jedoch auch Kontrolle und Abhängigkeit verstärken. Entscheidend sind deshalb Zweck, Transparenz, Zustimmung, Kontrolle und die Möglichkeit, algorithmische Entscheidungen zu hinterfragen.


Aufgabe 7

Operator: beurteilen

Eine Versicherung bietet deutlich günstigere Beiträge an, wenn Versicherte dauerhaft ihre Bewegungsdaten und Gesundheitsdaten übermitteln. Wer dies ablehnt, muss höhere Beiträge bezahlen. Beurteile dieses Modell aus christlich ethischer Perspektive.

Musterantwort

Für das Modell spricht zunächst, dass gesundheitsbewusstes Verhalten gefördert werden könnte. Versicherungen könnten außerdem argumentieren, dass Menschen mit geringeren Risiken niedrigere Beiträge zahlen sollten.

Problematisch ist jedoch die Frage nach der tatsächlichen Freiwilligkeit. Wenn Menschen erhebliche finanzielle Nachteile haben, sobald sie ihre Daten nicht übermitteln, entsteht wirtschaftlicher Druck.

Dadurch kann aus einem freiwilligen Angebot schrittweise ein faktischer Zwang werden. Genau vor einer solchen Entwicklung warnt Schulz.

Aus christlich ethischer Perspektive ist außerdem die Gerechtigkeit wichtig. Nicht alle gesundheitlichen Risiken können Menschen selbst beeinflussen. Krankheiten können beispielsweise unabhängig vom individuellen Verhalten entstehen.

Ein ausschließlich auf individuellen Daten beruhendes Versicherungsmodell könnte dadurch das Prinzip gesellschaftlicher Solidarität schwächen.

Auch die Menschenwürde ist betroffen, wenn Menschen zunehmend anhand körperlicher Daten bewertet und wirtschaftlich eingeordnet werden.

Das Modell besitzt deshalb zwar mögliche Vorteile, ist aber ethisch problematisch, wenn wirtschaftlicher Druck die freiwillige Entscheidung einschränkt und Solidarität durch eine vollständige Bewertung individueller Risiken ersetzt wird.


Aufgabe 8

Operator: erörtern

Erörtere die Frage: „Kann ein Mensch durch seine Daten vollständig beschrieben werden?“

Beziehe Schulz’ Vorstellung des digitalen Zwillings und das christliche Menschenbild ein.

Musterantwort

Für die Vorstellung spricht zunächst, dass digitale Daten viele Bereiche eines Menschen erfassen können. Aufenthaltsorte, Interessen, Einkäufe, Kontakte und Mediennutzung können Hinweise auf Gewohnheiten und Vorlieben geben.

Mit zunehmender Datenmenge können digitale Systeme möglicherweise immer genauere Muster erkennen.

Gegen die Vorstellung einer vollständigen Beschreibung spricht jedoch, dass Daten immer nur bestimmte Aspekte einer Person erfassen. Gedanken, Hoffnungen, Beziehungen, moralische Überzeugungen und zukünftige Entscheidungen lassen sich nicht vollständig aus vergangenen Verhaltensdaten ableiten.

Schulz kritisiert deshalb die Vorstellung, der digitale Zwilling könne mit dem tatsächlichen Menschen gleichgesetzt werden.

Aus christlicher Perspektive besitzt der Mensch als Ebenbild Gottes eine Würde, die sich einer vollständigen Messung entzieht. Die Person ist nicht mit ihrer wirtschaftlichen Leistung, ihren Interessen oder ihren Daten identisch.

Außerdem gehört zum Menschen die Fähigkeit zur Veränderung. Menschen können bisherige Verhaltensweisen hinterfragen und neue Entscheidungen treffen.

Daten können deshalb bestimmte Seiten eines Menschen beschreiben, aber nicht seine gesamte Identität erfassen.


Aufgabe 9

Operator: Stellung nehmen

Nimm begründet zu folgender Aussage Stellung: „Der Mensch muss das Recht haben, anders zu werden, als seine Daten es erwarten lassen.“

Beziehe Schulz’ Text sowie das christliche Verständnis von Freiheit, Menschenwürde und Veränderungsfähigkeit ein.

Musterantwort

Die Aussage trifft einen zentralen Gedanken von Schulz. Digitale Systeme können aus vergangenen Daten Wahrscheinlichkeiten für zukünftiges Verhalten berechnen. Problematisch wird dies, wenn diese Berechnungen darüber entscheiden, welche Möglichkeiten ein Mensch erhält.

Ein Mensch, der aufgrund seiner Vergangenheit dauerhaft auf bestimmte Eigenschaften festgelegt wird, verliert einen Teil seiner Entwicklungsmöglichkeiten.

Aus christlicher Perspektive besitzt jeder Mensch eine unverfügbare Würde. Diese hängt nicht von seiner bisherigen Lebensgeschichte, seiner Leistung oder einem digitalen Profil ab.

Außerdem gehört die Möglichkeit zur Veränderung wesentlich zum christlichen Menschenbild. Menschen können ihr bisheriges Verhalten überdenken, Schuld erkennen, Entscheidungen korrigieren und einen neuen Weg einschlagen.

Auch Verantwortung setzt voraus, dass Menschen nicht vollständig determiniert sind. Wer Verantwortung übernehmen soll, muss grundsätzlich die Möglichkeit besitzen, anders zu handeln.

Digitale Daten können Informationen über die Vergangenheit liefern. Sie sollten jedoch nicht darüber bestimmen, welche Zukunft einem Menschen offensteht.

Das Recht auf Veränderung kann deshalb als wichtige Konsequenz aus Menschenwürde und Freiheit verstanden werden. Eine menschenwürdige digitale Gesellschaft muss gewährleisten, dass Menschen nicht dauerhaft auf die Erwartungen eines digitalen Profils festgelegt werden.

Hessen

Hessen

Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 10

10.1 Verantwortung für das Leben. Menschenwürde und Gottesebenbildlichkeit.

Sekundarstufe II | E1 Religion und Mensch in einer pluralen Welt

E1.2 Anthropologie und Religion.

Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz

Sekundarstufe II | 11/1 Was ist der Mensch?

11.1 / 3. Der Mensch und seine Verantwortung.

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