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Fachverband Ethik Baden Württemberg

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Arthur Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung

Veröffentlichung:1.1.2007

Das Medium enthält einen zentralen Auszug aus Arthur Schopenhauers Werk „Die Welt als Wille und Vorstellung“ und behandelt die erkenntnistheoretische Grundthese „Die Welt ist meine Vorstellung“. Schopenhauer vertritt die Auffassung, dass der Mensch die Welt niemals unabhängig von seiner eigenen Wahrnehmung erkennt. Er kennt nicht unmittelbar die Sonne oder die Erde an sich, sondern immer nur die Sonne, wie sie von einem Auge gesehen wird, oder die Erde, wie sie von einer Hand gefühlt wird. Alles, was für den Menschen als Welt vorhanden ist, erscheint ihm somit als Vorstellung. Entscheidend ist dabei das Verhältnis von Subjekt und Objekt. Das Subjekt ist das erkennende und wahrnehmende Wesen, während das Objekt dasjenige ist, was erkannt und wahrgenommen wird. Ein Objekt ist für den Menschen nur insofern vorhanden, als es einem wahrnehmenden Subjekt erscheint. Auch Raum, Zeit und Kausalität gehören zu den Bedingungen, unter denen Menschen Wirklichkeit erfahren. Schopenhauer behauptet damit nicht einfach, dass die Welt überhaupt nicht existiere, sondern untersucht die Bedingungen, unter denen sie für ein erkennendes Wesen zur erfahrbaren Welt wird. Das Medium eröffnet dadurch einen anspruchsvollen Zugang zu den Fragen nach Wirklichkeit, Wahrnehmung, Erkenntnis und den Grenzen menschlichen Wissens.

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Das Medium eignet sich für den Religionsunterricht der Jahrgangsstufe 10 besonders für die Themen Wahrheit, Wirklichkeit, Erkenntnis, Wahrnehmung, Menschenbild, Subjektivität, Vernunft sowie Glaube und Wissen. Schopenhauers Ausgangssatz „Die Welt ist meine Vorstellung“ besitzt einen hohen Aufforderungscharakter, kann von Lernenden zunächst jedoch leicht missverstanden werden. Deshalb sollte zu Beginn geklärt werden, dass Schopenhauer nicht einfach behauptet, jeder Mensch erfinde seine eigene Welt oder die Außenwelt existiere überhaupt nicht. Seine zentrale Frage lautet vielmehr, wie uns die Welt überhaupt zugänglich ist. Als Einstieg kann ein Gegenstand in die Mitte des Raumes gestellt werden. Die Lernenden beschreiben ihn aus unterschiedlichen Positionen. Dabei wird deutlich, dass derselbe Gegenstand unterschiedlich erscheint, obwohl sich die Beschreibungen auf dasselbe Objekt beziehen. Daraus kann die Frage entstehen, ob Menschen die Dinge so erkennen, wie sie unabhängig von ihrer Wahrnehmung sind, oder immer nur so, wie sie ihnen erscheinen. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, Schopenhauers Satz „Die Welt ist meine Vorstellung“ zunächst ohne Erklärung zu präsentieren. Die Lernenden formulieren Vermutungen über seine Bedeutung und überprüfen diese anschließend anhand des Textes. Bei der Texterschließung sollte zunächst die Unterscheidung von Subjekt und Objekt geklärt werden. Das Subjekt ist das erkennende Wesen. Das Objekt ist das, was erkannt wird. Beide Begriffe stehen bei Schopenhauer in einer grundlegenden Beziehung zueinander. Die Lernenden können Aussagen des Textes den Kategorien Subjekt, Objekt und Beziehung zwischen Subjekt und Objekt zuordnen. Besonders anschaulich ist Schopenhauers Beispiel von Sonne und Auge sowie Erde und Hand. Der Mensch kennt nicht einfach eine Sonne unabhängig von jeder Wahrnehmung, sondern eine Sonne, die gesehen wird. Ebenso kennt er eine Erde, die wahrgenommen und beispielsweise mit der Hand ertastet wird. Methodisch kann dieser Zusammenhang durch ein einfaches Schaubild gesichert werden. Auf der einen Seite steht das erkennende Subjekt, auf der anderen das erkannte Objekt. Zwischen beiden steht die Wahrnehmung. Als Ergebnis entsteht die Vorstellung des Objekts. Entscheidend ist, dass die für den Menschen erkennbare Welt immer in dieser Beziehung erscheint. Ein weiterer Unterrichtsschritt sollte den Begriff der Vorstellung klären. Im alltäglichen Sprachgebrauch kann Vorstellung etwas Erfundenes oder bloß Gedachtes bedeuten. Bei Schopenhauer besitzt der Begriff eine umfassendere Bedeutung. Vorstellung bezeichnet die Welt, insofern sie einem erkennenden Subjekt erscheint. Die Lernenden sollten deshalb Schopenhauers Begriff der Vorstellung ausdrücklich vom alltäglichen Begriff der Phantasie unterscheiden. Zur Vertiefung kann ein Wahrnehmungsexperiment eingesetzt werden. Ein Gegenstand wird betrachtet, ertastet oder aus verschiedenen Entfernungen wahrgenommen. Anschließend beschreiben die Lernenden, welche Rolle Auge, Hand, Perspektive und räumliche Position für ihre Erkenntnis spielen. Daraus kann die Frage entwickelt werden, ob eine Wahrnehmung ohne ein wahrnehmendes Subjekt überhaupt gedacht werden kann. Schopenhauers Aussage, dass auch Raum, Zeit und Kausalität zu den Bedingungen menschlicher Erfahrung gehören, sollte für die Jahrgangsstufe 10 behutsam erschlossen werden. Es genügt zunächst, den Lernenden deutlich zu machen, dass Menschen Gegenstände immer an einem bestimmten Ort, zu einer bestimmten Zeit und in bestimmten Zusammenhängen wahrnehmen. Die Welt wird nicht voraussetzungslos erfahren, sondern innerhalb bestimmter Formen menschlicher Erkenntnis. Besonders ergiebig ist ein Vergleich mit Descartes, Locke, Hume und Nietzsche. Descartes fragt, welche Erkenntnis selbst einem radikalen Zweifel standhält, und findet einen ersten sicheren Ausgangspunkt im denkenden Ich. Locke betont die Erfahrung und unterscheidet Sensation und Reflexion. Hume untersucht die Regeln, nach denen Vorstellungen miteinander verbunden werden. Nietzsche problematisiert die sprachliche und begriffliche Ordnung menschlicher Wirklichkeit. Schopenhauer richtet den Blick auf die grundlegende Beziehung zwischen dem erkennenden Subjekt und dem erkannten Objekt. Die Lernenden können dadurch erkennen, dass die Frage „Was können wir wissen?“ in der Philosophie sehr unterschiedlich beantwortet wird. Für den Religionsunterricht eröffnet Schopenhauers Position insbesondere die Frage, welche Folgen die Begrenztheit menschlicher Erkenntnis für Aussagen über Gott besitzt. Wenn Menschen Wirklichkeit nur unter den Bedingungen ihrer eigenen Erkenntnis erfahren, stellt sich die Frage, ob sie über eine Wirklichkeit sprechen können, die sich einer unmittelbaren sinnlichen Wahrnehmung entzieht. Dies kann mit religiöser Sprache, Offenbarung und religiöser Erfahrung verbunden werden. Die Lernenden können beispielsweise diskutieren, ob Aussagen über Gott als unmittelbare Beschreibungen verstanden werden können oder ob sie immer durch menschliche Wahrnehmungsformen, Erfahrungen, Begriffe und Sprache geprägt sind. Ein Vergleich mit religiösen Vorstellungen kann zugleich verdeutlichen, dass die Feststellung menschlicher Erkenntnisgrenzen nicht automatisch eine Aussage für oder gegen die Existenz Gottes darstellt. Erkenntnistheoretische und religiöse Fragen sollten hier sorgfältig unterschieden werden. Als lebensweltlicher Bezug eignen sich unterschiedliche Wahrnehmungen derselben Situation. Zwei Menschen können ein Ereignis unterschiedlich erleben und beschreiben. Daraus lässt sich die Frage entwickeln, ob unterschiedliche Perspektiven bedeuten, dass es keine gemeinsame Wirklichkeit gibt. Schopenhauers Ansatz kann hier zu einer differenzierten Antwort führen. Die Abhängigkeit unserer Erkenntnis vom Subjekt bedeutet nicht notwendig, dass jede Vorstellung gleichermaßen zutreffend ist. Vielmehr wird deutlich, dass der menschliche Zugang zur Wirklichkeit immer an Bedingungen der Wahrnehmung und Erkenntnis gebunden ist. Zur Ergebnissicherung können die Lernenden den Satz „Die Welt ist meine Vorstellung“ in eigenen Worten erklären. Dabei sollten die Begriffe Subjekt, Objekt, Wahrnehmung und Vorstellung verwendet werden. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, ein Schaubild zu entwickeln, das die Beziehung zwischen erkennendem Subjekt und erkanntem Objekt darstellt. Abschließend können die Lernenden beurteilen, ob Schopenhauers Position eher zu Unsicherheit führt oder zu einem bewussteren Umgang mit den Grenzen menschlicher Erkenntnis.


Zentrale Argumentation Schopenhauers


Schopenhauers Ausgangspunkt lautet „Die Welt ist meine Vorstellung“. Damit meint er, dass die Welt, soweit sie Gegenstand menschlicher Erkenntnis ist, immer in Beziehung zu einem erkennenden Subjekt steht. Der erste Schritt seiner Argumentation besteht darin, auf die Bedingungen der Wahrnehmung hinzuweisen. Der Mensch kennt nach Schopenhauer keine Sonne unabhängig von jeder Wahrnehmung, sondern ein Auge, das die Sonne sieht. Ebenso kennt er keine Erde unabhängig von jeder Wahrnehmung, sondern eine Hand, die die Erde fühlt. Damit macht Schopenhauer deutlich, dass jeder erkannte Gegenstand einem erkennenden Subjekt gegeben sein muss. Im zweiten Schritt verallgemeinert er diese Beobachtung. Alles, was Gegenstand menschlicher Erkenntnis werden kann, ist Objekt für ein Subjekt. Die Welt, wie sie dem Menschen zugänglich ist, ist deshalb Vorstellung. Im dritten Schritt erklärt Schopenhauer die Unterscheidung von Subjekt und Objekt zu einer grundlegenden Form der Erkenntnis. Jede mögliche Erfahrung setzt voraus, dass etwas wahrgenommen oder erkannt wird und dass es jemanden gibt, der wahrnimmt oder erkennt. Im vierten Schritt bezieht Schopenhauer auch Raum, Zeit und Kausalität ein. Alles, was Menschen erfahren, erscheint ihnen räumlich, zeitlich und in bestimmten Zusammenhängen. Auch diese Formen gehören zur Welt, wie sie dem Subjekt erscheint. Im fünften Schritt gelangt Schopenhauer zu seiner grundlegenden These: Die gesamte für uns erkennbare Welt ist Objekt in Beziehung auf ein Subjekt und damit Vorstellung. Seine Argumentation lässt sich zusammenfassen: Erkennendes Subjekt / Wahrnehmung / erkanntes Objekt / Beziehung zwischen Subjekt und Objekt / Vorstellung / die erkennbare Welt als Vorstellung


Prüfungsfragen für eine Klausur der Jahrgangsstufe 10 mit Musterantworten


Aufgabe 1: Beschreiben Sie Schopenhauers Grundgedanken, der mit dem Satz „Die Welt ist meine Vorstellung“ ausgedrückt wird. Operator: Beschreiben. Musterantwort: Schopenhauer geht davon aus, dass Menschen die Welt niemals unabhängig von ihrer eigenen Erkenntnis wahrnehmen. Alles, was ein Mensch erkennt, erscheint ihm als Gegenstand seiner Wahrnehmung. Die Welt ist deshalb für ihn immer Welt für ein erkennendes Subjekt. Mit dem Satz „Die Welt ist meine Vorstellung“ beschreibt Schopenhauer somit die grundlegende Abhängigkeit der erkannten Welt von der Beziehung zwischen Subjekt und Objekt. 

Aufgabe 2: Erläutern Sie Schopenhauers Unterscheidung zwischen Subjekt und Objekt. Operator: Erläutern. Musterantwort: Das Subjekt ist bei Schopenhauer dasjenige, das erkennt oder wahrnimmt. Das Objekt ist dasjenige, was erkannt oder wahrgenommen wird. Beide stehen in einer grundlegenden Beziehung zueinander. Ein Gegenstand ist für den Menschen nur insofern Gegenstand seiner Erkenntnis, als er von einem Subjekt wahrgenommen wird. Die für den Menschen erkennbare Welt besteht deshalb immer in einer Beziehung zwischen dem erkennenden Subjekt und den erkannten Objekten. 

Aufgabe 3: Erklären Sie Schopenhauers Beispiel von Sonne und Auge sowie Erde und Hand. Operator: Erklären. Musterantwort: Schopenhauer erklärt, dass der Mensch keine Sonne kennt, die völlig unabhängig von seiner Wahrnehmung gegeben wäre. Er kennt vielmehr eine Sonne, die durch ein Auge gesehen wird. Ebenso kennt er die Erde als etwas, das beispielsweise mit einer Hand gefühlt wird. Die Beispiele sollen zeigen, dass menschliche Erkenntnis immer an ein wahrnehmendes Subjekt gebunden ist. Wir erfahren Gegenstände nur so, wie sie uns durch unsere Wahrnehmung erscheinen. 

Aufgabe 4: Arbeiten Sie heraus, welche Bedeutung die Beziehung zwischen Subjekt und Objekt für Schopenhauers Erkenntnistheorie besitzt. Operator: Herausarbeiten. Musterantwort: Die Beziehung zwischen Subjekt und Objekt bildet für Schopenhauer die grundlegende Voraussetzung jeder Erkenntnis. Das Subjekt ist der Erkennende, während das Objekt das Erkannte ist. Alles, was für den Menschen zur Welt gehört, erscheint ihm als Objekt seiner Erkenntnis. Ohne ein erkennendes Subjekt könnte etwas nicht als Gegenstand einer menschlichen Vorstellung auftreten. Deshalb bezeichnet Schopenhauer die gesamte erkennbare Welt als Vorstellung. 

Aufgabe 5: Analysieren Sie die Argumentation, mit der Schopenhauer zu der Aussage „Die Welt ist Vorstellung“ gelangt. Operator: Analysieren. Musterantwort: Schopenhauer beginnt mit der Feststellung, dass Menschen Gegenstände niemals unabhängig von ihrer Wahrnehmung kennen. Dies verdeutlicht er am Beispiel der Sonne, die durch ein Auge gesehen wird, und der Erde, die durch eine Hand gefühlt wird. Anschließend verallgemeinert er diese Beobachtung. Jeder Gegenstand der Erkenntnis ist Objekt für ein erkennendes Subjekt. Die Unterscheidung zwischen Subjekt und Objekt betrachtet Schopenhauer als grundlegende Form jeder möglichen Erfahrung. Auch Raum, Zeit und Kausalität gehören zu den Bedingungen, unter denen Menschen die Welt erfahren. Daraus folgt für Schopenhauer, dass die gesamte Welt, soweit sie erkannt werden kann, Vorstellung für ein Subjekt ist. 

Aufgabe 6: Erläutern Sie, weshalb Schopenhauers Satz „Die Welt ist meine Vorstellung“ nicht einfach bedeutet, dass die Welt nur erfunden ist. Operator: Erläutern. Musterantwort: Schopenhauer möchte nicht lediglich behaupten, dass Menschen sich die Welt willkürlich ausdenken. Sein Begriff der Vorstellung bezeichnet vielmehr die Welt, insofern sie einem erkennenden Subjekt erscheint. Der Mensch kann die Welt nur durch seine Wahrnehmung und unter den Bedingungen seiner Erkenntnis erfahren. Schopenhauer untersucht damit die Form unseres Zugangs zur Wirklichkeit. Die Aussage, dass die Welt Vorstellung ist, bedeutet daher nicht automatisch, dass außerhalb des Bewusstseins überhaupt nichts existiert. 

Aufgabe 7: Vergleichen Sie Schopenhauers Auffassung von Erkenntnis mit Descartes’ Überlegungen zum denkenden Ich. Operator: Vergleichen. Musterantwort: Sowohl Schopenhauer als auch Descartes betonen die Bedeutung des erkennenden beziehungsweise denkenden Subjekts. Descartes gelangt durch seinen methodischen Zweifel zur Gewissheit des eigenen Denkens und damit zur Gewissheit der eigenen Existenz. Schopenhauer untersucht dagegen die Struktur jeder möglichen Erkenntnis und betont, dass jedem erkannten Objekt ein erkennendes Subjekt gegenübersteht. Eine Gemeinsamkeit besteht somit in der besonderen Bedeutung des Subjekts. Ein Unterschied besteht darin, dass Descartes nach einer unbezweifelbaren Gewissheit sucht, während Schopenhauer die Beziehung zwischen Subjekt und Objekt als Grundform der erfahrbaren Welt beschreibt. 

Aufgabe 8: Vergleichen Sie Schopenhauers Position mit Lockes Auffassung von der Erfahrung. Operator: Vergleichen. Musterantwort: Locke und Schopenhauer beschäftigen sich beide mit den Bedingungen menschlicher Erkenntnis. Locke fragt insbesondere nach dem Ursprung unserer Vorstellungen und erklärt, dass diese aus Sensation und Reflexion hervorgehen. Schopenhauer richtet den Blick stärker auf die grundlegende Struktur jeder Erfahrung. Für ihn setzt jede Erkenntnis ein Subjekt voraus, dem ein Objekt erscheint. Gemeinsam ist beiden, dass menschliche Erkenntnis nicht losgelöst von Wahrnehmung betrachtet werden kann. Während Locke jedoch nach den Quellen unserer Vorstellungen fragt, untersucht Schopenhauer die Beziehung zwischen erkennendem Subjekt und erkanntem Objekt. 

Aufgabe 9: Vergleichen Sie Schopenhauers Erkenntnistheorie mit Nietzsches Überlegungen zum Verhältnis von Wahrheit und Wirklichkeit. Operator: Vergleichen. Musterantwort: Sowohl Schopenhauer als auch Nietzsche stellen einen unmittelbaren und voraussetzungslosen Zugang des Menschen zur Wirklichkeit infrage. Schopenhauer betont, dass die erkennbare Welt immer Vorstellung für ein Subjekt ist. Nietzsche hebt dagegen hervor, dass Menschen ihre Erfahrungen durch Metaphern und Begriffe sprachlich ordnen und diese Ordnungen schließlich für selbstverständlich halten. Schopenhauer konzentriert sich somit stärker auf die Struktur von Wahrnehmung und Erkenntnis, Nietzsche stärker auf Sprache und Begriffsbildung. Gemeinsam ist beiden die kritische Frage, ob der Mensch Wirklichkeit unabhängig von seinen eigenen Erkenntnisformen erfassen kann. 

Aufgabe 10: Beurteilen Sie die Aussage: „Wenn die Welt Vorstellung ist, gibt es keine objektive Wirklichkeit.“ Operator: Beurteilen. Musterantwort: Die Aussage geht über das hinaus, was Schopenhauer im vorliegenden Text unmittelbar begründet. Er zeigt zunächst, dass die Welt, soweit sie für uns Gegenstand der Erkenntnis ist, immer in Beziehung zu einem erkennenden Subjekt steht. Daraus folgt, dass wir Wirklichkeit nicht unabhängig von den Bedingungen unserer Wahrnehmung erfahren. Es folgt jedoch nicht unmittelbar, dass überhaupt keine vom einzelnen Menschen unabhängige Wirklichkeit existiert. Die Aussage müsste deshalb differenziert werden. Schopenhauer beschreibt in diesem Abschnitt vor allem die Bedingungen, unter denen Welt für ein erkennendes Subjekt gegeben ist. 

Aufgabe 11: Erörtern Sie, ob unterschiedliche Wahrnehmungen derselben Situation bedeuten, dass es keine Wahrheit gibt. Operator: Erörtern. Musterantwort: Für diese Annahme könnte sprechen, dass Menschen dieselbe Situation aus unterschiedlichen Perspektiven wahrnehmen und unterschiedlich beschreiben. Schopenhauers Ansatz verdeutlicht, dass Erkenntnis immer an ein wahrnehmendes Subjekt gebunden ist. Gegen die Annahme spricht jedoch, dass unterschiedliche Perspektiven miteinander verglichen und anhand von Beobachtungen überprüft werden können. Subjektgebundenheit bedeutet nicht automatisch, dass jede Aussage gleichermaßen zutreffend ist. Vielmehr macht Schopenhauer darauf aufmerksam, dass menschliche Erkenntnis immer unter bestimmten Bedingungen stattfindet. Die Suche nach Wahrheit bleibt deshalb möglich, muss aber die Bedingungen und Grenzen menschlicher Erkenntnis berücksichtigen. 

Aufgabe 12: Setzen Sie Schopenhauers Erkenntnistheorie in Beziehung zur Frage nach religiösen Aussagen über Gott. Operator: In Beziehung setzen. Musterantwort: Schopenhauers Erkenntnistheorie macht darauf aufmerksam, dass menschliches Erkennen an ein erkennendes Subjekt und an bestimmte Formen der Wahrnehmung gebunden ist. Für religiöse Aussagen über Gott entsteht daraus die Frage, wie Menschen über eine Wirklichkeit sprechen können, die nicht wie ein gewöhnlicher Gegenstand sinnlich wahrgenommen wird. Religiöse Aussagen verwenden deshalb häufig Bilder, Symbole und Metaphern. Schopenhauers Ansatz kann dazu anregen, zwischen Gott und den menschlichen Vorstellungen von Gott zu unterscheiden. Aus der Begrenztheit menschlicher Erkenntnis folgt jedoch für sich genommen weder, dass Gott existiert, noch dass Gott nicht existiert. 

Aufgabe 13: Erörtern Sie, ob Schopenhauers Erkenntnistheorie religiösen Glauben eher infrage stellt oder Möglichkeiten für religiösen Glauben eröffnet. Operator: Erörtern. Musterantwort: Schopenhauers Erkenntnistheorie kann religiöse Überzeugungen kritisch herausfordern, weil sie deutlich macht, dass menschliche Vorstellungen an die Bedingungen menschlicher Erkenntnis gebunden sind. Aussagen über Gott können deshalb nicht ohne Weiteres als unmittelbare Beschreibungen einer von uns unabhängigen Wirklichkeit verstanden werden. Zugleich kann diese Erkenntnis eine differenzierte Form religiösen Denkens fördern. Religiöse Sprache kann als symbolisch, metaphorisch und deutend verstanden werden. Schopenhauers Ansatz entscheidet damit nicht unmittelbar über die Wahrheit des Glaubens, sondern verschärft die Frage, unter welchen Bedingungen Menschen überhaupt Aussagen über eine transzendente Wirklichkeit formulieren können. 

Aufgabe 14: Nehmen Sie begründet Stellung zu der Aussage: „Wir sehen die Welt niemals einfach so, wie sie ist.“ Operator: Stellung nehmen. Musterantwort: Für die Aussage spricht Schopenhauers Hinweis darauf, dass jede Wahrnehmung ein wahrnehmendes Subjekt voraussetzt. Menschen sehen, hören und fühlen die Welt mit ihren jeweiligen Wahrnehmungsmöglichkeiten und ordnen ihre Erfahrungen räumlich, zeitlich und begrifflich. Deshalb ist menschliche Erkenntnis immer an bestimmte Bedingungen gebunden. Dennoch bedeutet dies nicht, dass zuverlässige Erkenntnis unmöglich ist. Menschen können Wahrnehmungen vergleichen, Beobachtungen wiederholen und Aussagen kritisch überprüfen. Die Aussage macht daher sinnvoll auf die Grenzen menschlicher Perspektiven aufmerksam, ohne daraus zwangsläufig schließen zu müssen, dass Erkenntnis oder Wahrheit grundsätzlich unmöglich wären. 

Aufgabe 15: Beurteilen Sie die Bedeutung von Schopenhauers Aussage „Die Welt ist meine Vorstellung“ für die Frage nach menschlicher Erkenntnis. Operator: Beurteilen. Musterantwort: Schopenhauers Aussage lenkt die Aufmerksamkeit auf eine grundlegende Voraussetzung menschlicher Erkenntnis. Menschen erkennen die Welt nicht unabhängig von sich selbst, sondern immer als wahrnehmende und denkende Subjekte. Dadurch werden die Bedingungen und Grenzen menschlicher Erkenntnis sichtbar. Die Aussage kann dazu beitragen, eigene Wahrnehmungen nicht vorschnell mit einer vollständig objektiven Sicht auf die Wirklichkeit gleichzusetzen. Gleichzeitig sollte sie nicht so verstanden werden, als seien alle Wahrnehmungen beliebig oder als existiere überhaupt keine Wirklichkeit. Ihre besondere Bedeutung liegt darin, das Verhältnis zwischen erkennendem Menschen und erkannter Welt kritisch zu reflektieren.

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