Das Video eignet sich für den Religionsunterricht der Jahrgangsstufe 10 besonders für Unterrichtseinheiten zu Glück, Sinn, gelingendem Leben, Menschenbild, Verantwortung und ethischer Urteilsbildung. Es ermöglicht den Lernenden, unterschiedliche Bedeutungen von Lust, Glück und Wohlergehen voneinander zu unterscheiden und kritisch zu hinterfragen. Besonders geeignet ist das Medium für eine Unterrichtssequenz, in der bereits Grundkenntnisse zu Hedonismus oder Utilitarismus vorhanden sind. Es kann aber ebenso als problemorientierter Zugang zur Frage eingesetzt werden, was ein gutes und gelungenes menschliches Leben auszeichnet.
Als Einstieg bietet sich eine einfache Positionierungsfrage an: „Ist ein vollkommen glückliches Leben automatisch ein gutes Leben?“ Die Lernenden können zunächst spontan Stellung beziehen und Kriterien für ein gutes Leben nennen. Begriffe wie Freundschaft, Liebe, Gesundheit, Erfolg, Freiheit, Wahrheit, Gerechtigkeit, Familie, Religion, Sinn und Freude können gesammelt werden. Anschließend kann gefragt werden, welche dieser Dinge um ihrer selbst willen wertvoll sind und welche vor allem deshalb wertvoll erscheinen, weil sie Glück oder Lust erzeugen. Damit wird bereits die im Video behandelte Unterscheidung zwischen intrinsischem und instrumentellem Wert vorbereitet. Das Video erklärt beispielsweise Freundschaft und Gesundheit aus der Perspektive einer bestimmten Form des Hedonismus als instrumentelle Güter, sofern sie das Wohlergehen durch Lustgewinn oder Schmerzvermeidung fördern.
Für die Erarbeitung sollte das Video nicht vollständig ohne Unterbrechung gezeigt werden. Die fünf Kritikpunkte eignen sich für eine abschnittsweise Betrachtung. Die Lernenden erhalten zu jedem Abschnitt einen Beobachtungsauftrag. Sie sollen herausarbeiten, gegen welche Form oder Annahme des Hedonismus sich die Kritik richtet, welches Beispiel oder Gedankenexperiment verwendet wird, wie die Kritik begründet wird und welche mögliche Antwort aus hedonistischer Perspektive gegeben werden kann. Dadurch wird das Video nicht nur zur Informationsvermittlung genutzt, sondern zum Ausgangspunkt philosophischer Argumentationsarbeit.
Besonders ergiebig ist die Erlebnismaschine von Robert Nozick. Vor der Auflösung des Gedankenexperiments sollte das Video unterbrochen werden. Die Lernenden entscheiden zunächst selbst, ob sie sich an eine solche Maschine anschließen lassen würden. Entscheidend ist nicht die Entscheidung selbst, sondern deren Begründung. Anschließend können die Argumente geordnet werden. Wer sich gegen die Maschine entscheidet, könnte beispielsweise Wirklichkeit, echte Beziehungen, persönliche Freiheit oder tatsächliches Handeln als bedeutsam ansehen. Das Video nennt drei zentrale Überlegungen: Menschen wollen Dinge nicht lediglich erleben, sondern tatsächlich tun, sie wollen tatsächlich eine bestimmte Person sein und sie wollen mit der Wirklichkeit verbunden bleiben.
Das Gedankenexperiment eignet sich besonders zur Förderung ethischer Urteilskompetenz. Die Lernenden erkennen, dass eine philosophische Theorie nicht allein durch Definitionen verstanden werden kann, sondern anhand ihrer Konsequenzen geprüft werden muss. Gleichzeitig sollte deutlich gemacht werden, dass das Gedankenexperiment den Hedonismus nach Darstellung des Videos nicht automatisch widerlegt. Das Video nennt selbst mögliche Einwände gegen die Kritik. Beispielsweise könnte die Ablehnung der Maschine auf irrationaler Angst beruhen oder die von Nozick genannten Werte könnten wiederum Mittel zur Erlangung von Lust sein. Die Lernenden können dadurch lernen, Argument, Gegenargument und mögliche Erwiderung voneinander zu unterscheiden.
Der zweite Kritikpunkt ermöglicht eine vertiefende Beschäftigung mit menschlicher Motivation. Die Lernenden können untersuchen, ob Menschen tatsächlich immer deshalb helfen, weil ihnen das Helfen selbst Freude bereitet. Das Video verwendet hierzu unter anderem das Beispiel eines Elternteils, das für das Wohlergehen des eigenen Kindes persönliche Belastungen auf sich nimmt. Im Religionsunterricht kann daran die Frage angeschlossen werden, ob Nächstenliebe vollständig durch das eigene Glücksgefühl erklärt werden kann. Damit eröffnet sich ein religionspädagogischer Zugang zu Motiven wie Liebe, Hingabe, Barmherzigkeit und Verantwortung.
Methodisch bietet sich hierzu eine anonyme Abstimmung mit anschließender Argumentationsphase an. Die Lernenden reagieren beispielsweise auf die Aussage: „Auch wenn wir anderen helfen, handeln wir letztlich immer aus eigenem Interesse.“ Anschließend müssen beide Positionen mit Beispielen begründet werden. Die Aufgabe besteht nicht darin, möglichst schnell eine richtige Antwort festzulegen, sondern unterschiedliche Erklärungen menschlicher Motivation argumentativ zu prüfen.
Der Abschnitt über den ethischen Hedonismus ermöglicht die wichtige Unterscheidung zwischen beschreibenden und normativen Aussagen. Der psychologische Hedonismus beschreibt nach der Darstellung des Videos, wodurch Menschen tatsächlich motiviert werden. Der ethische Hedonismus formuliert dagegen eine Aussage darüber, wonach Menschen streben sollen. Diese Unterscheidung sollte im Unterricht ausdrücklich gesichert werden, da sie für das Verständnis ethischer Theorien grundlegend ist.
Das Gedankenexperiment mit den zwei Welten kann anschließend genutzt werden, um nach weiteren moralisch relevanten Werten zu fragen. Die Lernenden vergleichen zwei Welten mit gleicher Gesamtmenge an Lust und Schmerz, in denen Freude und Leid jedoch unterschiedlich auf tugendhafte und boshafte Menschen verteilt sind. Das Beispiel soll die Frage aufwerfen, ob Gerechtigkeit neben Lust und Schmerz einen eigenen moralischen Wert besitzt. Methodisch eignet sich hierzu eine begründete Einzelentscheidung mit anschließender Diskussion in Kleingruppen. Jede Gruppe muss ihre Entscheidung mit mindestens zwei ethischen Kriterien begründen.
Die hedonistische Tretmühle bietet einen unmittelbaren lebensweltlichen Zugang. Die Lernenden können Erfahrungen sammeln, bei denen ein zunächst stark gewünschtes Gut nach einiger Zeit selbstverständlich geworden ist. Das Video verwendet hierfür alltägliche Beispiele und beschreibt die Gewöhnung an lustvolle Erfahrungen. Im Unterricht kann daraus die Frage entwickelt werden, ob dauerhaftes Glück überhaupt durch die fortlaufende Steigerung angenehmer Erlebnisse erreicht werden kann. Dabei sollte allerdings berücksichtigt werden, dass das Video selbst die hedonistische Tretmühle nicht als besonders starkes Argument gegen den Hedonismus bewertet, sondern eher als Hinweis auf Schwierigkeiten seiner praktischen Umsetzung.
Für den Religionsunterricht bietet sich an dieser Stelle eine weiterführende Gegenüberstellung mit religiösen Vorstellungen eines gelingenden Lebens an. Die Lernenden können untersuchen, ob Glück aus christlicher Perspektive ausschließlich als angenehmes Empfinden verstanden werden kann oder ob Beziehungen, Nächstenliebe, Hoffnung, Gemeinschaft, Verantwortung und die Beziehung zu Gott weitere Dimensionen eröffnen. Dieser Vergleich ist eine religionspädagogische Weiterführung und wird im Video selbst nicht ausgearbeitet.
Der letzte Kritikpunkt eignet sich besonders für eine anthropologische Vertiefung. Die Lernenden können diskutieren, ob der Mensch nach mehr als Lust und Glück strebt. Dabei können Begriffe wie Wahrheit, Freiheit, Gerechtigkeit, Liebe, Würde, Verantwortung und Sinn gesammelt werden. Das Video verweist in diesem Zusammenhang auch auf die Kritik, der Mensch sei zu höheren Zwecken bestimmt als lediglich zum Streben nach Glückseligkeit. Gleichzeitig sollte die Gegenposition berücksichtigt werden. Eine hedonistische Theorie muss menschliche Lust nicht auf einfache körperliche Vergnügungen reduzieren. Das Video verweist auf Mills Unterscheidung zwischen qualitativ unterschiedlichen Formen von Lust.
Zur abschließenden Sicherung bietet sich eine strukturierte Urteilsaufgabe an. Die Lernenden beantworten die Leitfrage: „Reicht Lust als Grundlage für ein gutes Leben aus?“ Dazu formulieren sie zunächst die hedonistische Grundannahme, stellen mindestens zwei Kritikpunkte aus dem Video dar, berücksichtigen mögliche Gegenargumente und entwickeln anschließend ein begründetes eigenes Urteil. Dadurch werden Sachkompetenz, Argumentationskompetenz und ethische Urteilskompetenz miteinander verbunden.
Prüfungsfragen für eine Klausur der Jahrgangsstufe 10 mit Musterantworten
Aufgabe 1, Operator: Beschreiben
Beschreiben Sie die grundlegende Bedeutung von Lust und Schmerz im Hedonismus, wie sie im Video dargestellt wird.
Musterantwort: Im Hedonismus besitzt Lust eine zentrale Bedeutung. Eine im Video behandelte Form geht davon aus, dass Lust das Wohlergehen eines Menschen intrinsisch verbessert und Schmerz es intrinsisch verschlechtert. Andere Güter wie Freundschaft, Gesundheit oder Hobbys besitzen nach dieser Auffassung einen instrumentellen Wert, sofern sie Lust ermöglichen oder Schmerz vermindern.
Aufgabe 2, Operator: Erläutern
Erläutern Sie das Gedankenexperiment der Erlebnismaschine von Robert Nozick.
Musterantwort: Bei der Erlebnismaschine wird angenommen, dass ein Mensch an eine Maschine angeschlossen werden könnte, die ihm ein vollkommen lustvolles Leben vorspielt. Die Person würde diese künstliche Welt für wirklich halten. Wenn Lust tatsächlich das einzige Gut für das menschliche Wohlergehen wäre, müsste ein Leben in dieser Maschine besonders erstrebenswert erscheinen. Viele Menschen würden sich dennoch dagegen entscheiden. Nozicks Überlegungen weisen darauf hin, dass Menschen Dinge tatsächlich tun, wirklich eine bestimmte Person sein und mit der Realität verbunden bleiben möchten. Das Gedankenexperiment stellt deshalb die Frage, ob neben Lust weitere Dinge einen eigenständigen Wert besitzen.
Aufgabe 3, Operator: Erklären
Erklären Sie den Unterschied zwischen intrinsischen und instrumentellen Gütern.
Musterantwort: Ein intrinsisches Gut besitzt seinen Wert um seiner selbst willen. Ein instrumentelles Gut ist dagegen wertvoll, weil es dazu beiträgt, etwas anderes zu erreichen. Nach der im Video dargestellten Form des Hedonismus ist Lust intrinsisch wertvoll. Freundschaft könnte dagegen instrumentell wertvoll sein, wenn sie vor allem deshalb zum Wohlergehen beiträgt, weil sie angenehme Empfindungen hervorruft.
Aufgabe 4, Operator: Vergleichen
Vergleichen Sie den psychologischen Hedonismus mit dem ethischen Hedonismus.
Musterantwort: Der psychologische Hedonismus ist eine beschreibende Theorie. Er behauptet nach der Darstellung des Videos, dass Menschen tatsächlich ausschließlich durch den Wunsch nach eigener Lust und der Vermeidung eigenen Schmerzes motiviert werden. Der ethische Hedonismus ist dagegen eine normative Theorie. Er macht eine Aussage darüber, wie Menschen handeln sollen. Lust soll demnach maximiert werden, weil sie als intrinsisch gut betrachtet wird.
Aufgabe 5, Operator: Analysieren
Analysieren Sie das Beispiel eines Menschen, der einer fremden Person hilft, im Hinblick auf den psychologischen Hedonismus.
Musterantwort: Zunächst müsste untersucht werden, aus welchem Motiv die Person hilft. Wenn sie hilft, weil ihr das Helfen selbst Freude bereitet oder weil sie dadurch ein unangenehmes Schuldgefühl vermeiden möchte, könnte das Verhalten mit dem psychologischen Hedonismus erklärt werden. Hilft sie dagegen unabhängig von ihrem eigenen Lustgewinn, beispielsweise weil sie die Hilfe moralisch für richtig hält, könnte dies als Einwand gegen den psychologischen Hedonismus verstanden werden. Entscheidend ist deshalb nicht allein die sichtbare Handlung, sondern das Motiv der handelnden Person.
Aufgabe 6, Operator: Erläutern
Erläutern Sie die hedonistische Tretmühle und ihre Bedeutung für die Frage nach einem glücklichen Leben.
Musterantwort: Die hedonistische Tretmühle bezeichnet im Video das Phänomen, dass Menschen nach positiven oder negativen Ereignissen relativ schnell wieder zu einem vergleichbaren Glücksniveau zurückkehren. Außerdem können sie sich an angenehme Erfahrungen gewöhnen, sodass diese mit der Zeit weniger Freude hervorrufen. Wer deshalb ständig neue angenehme Erfahrungen sucht, kann trotz seiner Bemühungen langfristig auf einem ähnlichen Glücksniveau bleiben. Das Video versteht dies eher als Problem bei der praktischen Umsetzung hedonistischer Vorstellungen als als eindeutige Widerlegung des Hedonismus.
Aufgabe 7, Operator: Beurteilen
Beurteilen Sie die Aussage: „Wenn ein Leben möglichst viel Lust enthält, ist es automatisch ein gutes Leben.“
Musterantwort: Für die Aussage spricht die hedonistische Vorstellung, dass angenehme Erfahrungen wesentlich zum menschlichen Wohlergehen beitragen. Gegen die Aussage kann das Gedankenexperiment der Erlebnismaschine angeführt werden. Ein Mensch könnte darin sehr viel Lust erleben und dennoch keine echten Beziehungen führen oder tatsächlich selbst handeln. Werte wie Wahrheit, Wirklichkeit, Freiheit, Freundschaft oder persönliche Entwicklung könnten daher ebenfalls für ein gutes Leben bedeutsam sein. Ein begründetes Urteil muss deshalb klären, ob Lust allein als Maßstab für ein gutes Leben ausreicht.
Aufgabe 8, Operator: Erörtern
Erörtern Sie die These: „Menschen helfen anderen letztlich immer nur, weil sie sich dadurch selbst besser fühlen.“
Musterantwort: Für die These spricht, dass Hilfe häufig positive Gefühle auslöst. Menschen können Anerkennung erfahren, Zufriedenheit empfinden oder ein schlechtes Gewissen vermeiden. Solche Handlungen lassen sich mit dem psychologischen Hedonismus erklären. Gegen die These spricht, dass Menschen mitunter erhebliche persönliche Nachteile auf sich nehmen, um anderen zu helfen. Das Video nennt beispielsweise Eltern, die für ihr Kind persönliche Belastungen und Leid in Kauf nehmen. Entscheidend ist daher die Frage, ob auch solche Handlungen letztlich vollständig durch das eigene Luststreben erklärt werden können.
Aufgabe 9, Operator: Vergleichen
Vergleichen Sie eine hedonistische Vorstellung des guten Lebens mit einer christlichen Vorstellung eines gelingenden Lebens.
Musterantwort: Eine hedonistische Vorstellung betont die Bedeutung von Lust, angenehmen Erfahrungen und der Vermeidung von Schmerz. Eine christliche Perspektive kann ein gelingendes Leben darüber hinaus mit Nächstenliebe, Gemeinschaft, Verantwortung, Hoffnung und der Beziehung zu Gott verbinden. Gemeinsam ist beiden Perspektiven, dass menschliches Wohlergehen und ein erfülltes Leben bedeutsam sind. Unterschiede bestehen insbesondere in der Frage, welche Güter einen eigenständigen Wert besitzen und worin letztlich Sinn und Ziel menschlichen Lebens liegen. Dieser christliche Vergleich stellt eine religionspädagogische Erweiterung des Videoinhalts dar.
Aufgabe 10, Operator: Stellung nehmen
Nehmen Sie begründet zu der Aussage Stellung: „Wahrheit und Gerechtigkeit sind für ein gutes Leben wichtiger als möglichst viel Lust.“
Musterantwort: Für die Aussage spricht, dass Menschen offenbar nicht ausschließlich angenehme Empfindungen anstreben. Das Gedankenexperiment der Erlebnismaschine zeigt, dass Wirklichkeit und Wahrheit für Menschen bedeutsam sein können, selbst wenn eine künstliche Welt mehr Lust ermöglichen würde. Das im Video behandelte Gedankenexperiment über zwei Welten wirft außerdem die Frage auf, ob Gerechtigkeit unabhängig von der gesamten Lustmenge einen moralischen Wert besitzt. Gegen die Aussage könnte aus hedonistischer Perspektive eingewendet werden, dass Wahrheit und Gerechtigkeit gerade deshalb wertvoll erscheinen, weil sie zum menschlichen Glück beitragen. Ein begründetes Urteil muss daher entscheiden, ob Wahrheit und Gerechtigkeit lediglich Mittel für ein glückliches Leben oder eigenständige Werte darstellen.