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Propheten und Prophetie in Israel und im Alten Orient

Veröffentlichung:1.1.2014

Der Fachartikel ist im Heft ru-heute 01 2014 unter dem Titel „Propheten und Prophetie in Israel und im Alten Orient“ erschienen und umfasst die Seiten 5 bis 9. Er behandelt zentrale theologische Probleme wie das Verhältnis von Prophetie und Tora, die Eigenständigkeit der Propheten gegenüber dem Königtum, die Frage nach Gericht und Heil, die Bedeutung des Exils sowie die Weiterentwicklung prophetischer Botschaft im Kanon. Zudem wird die Prophetie Israels im Vergleich mit altorientalischen Formen gedeutet und ihre besondere Ausrichtung auf Gottesbeziehung, Sozialkritik und Bundesverständnis herausgearbeitet.

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Der Prophetenkanon ist nach der Tora als zweiter Teil der dreiteiligen hebräischen Bibel entstanden. In dieser kanonischen Ordnung erscheinen die Propheten als Ausleger der Tora. Die Bibelwissenschaft des 19 Jahrhunderts stellte jedoch fest dass die Tora jünger ist als viele prophetische Überlieferungen. Damit wird deutlich dass die Prophetie in Israel eine eigenständige und ältere Größe darstellt. Sie ist tief in der Geschichte Israels verwurzelt und steht zugleich im Zusammenhang mit prophetischen Phänomenen des Alten Orients.

Der Begriff Prophet betont im Griechischen besonders die Verkündigung zukünftiger Ereignisse. Diese Zukunftsorientierung wurde durch die Septuaginta verstärkt die die Propheten auf das Neue Testament hin anordnet. Dennoch ist biblische Prophetie keine Wahrsagerei. Die Zukunft wird vielmehr aus der Gegenwart heraus gedeutet und zwar aus der Perspektive Gottes. Während es im Alten Orient auch gelehrte Formen der Zukunftsdeutung wie Omenkunde, Leberschau und Astrologie gab, ist die israelitische Prophetie eher mit einer intuitiven Eingebung verbunden. Bemerkenswert ist dass unter den Propheten auch Frauen auftreten im Unterschied zu den ausschließlich männlichen Spezialisten der induktiven Mantik.

Propheten treten häufig als befragbare Spezialisten auf etwa im Umfeld des Königtums. Die Erzählung von Micha ben Jimla zeigt wie Propheten politische Entscheidungen begleiten. Prophetie konnte erlernt werden wie die Schüler des Elischa belegen. Ekstatische Erfahrungen spielten ebenfalls eine Rolle wie die Begegnung Sauls mit einer Prophetengruppe zeigt. Propheten konnten auch als Wundertäter auftreten.

Zugleich gibt es Gestalten wie Amos die sich bewusst von berufsmäßigen Propheten abgrenzen und ihre Sendung ausschließlich auf einen unmittelbaren Ruf Gottes zurückführen. Auch Jeremia Jesaja und Ezechiel berichten von persönlichen Berufungserfahrungen. Die Bezeichnungen nabi Seher oder Mann Gottes verweisen auf unterschiedliche Aspekte ihres Offenbarungsempfangs. Träume und Visionen bilden wichtige Medien prophetischer Gotteserfahrung.

Prophetie ist kein ausschließlich israelitisches Phänomen. Texte aus Mari im 18 Jahrhundert vor Christus belegen prophetische Botschaften an Könige die sowohl warnend als auch legitimierend sein konnten. Auch aus dem neuassyrischen Reich sind Orakel überliefert die Königen göttliche Unterstützung zusichern. Diese Texte zeigen Parallelen zur israelitischen Prophetie insbesondere in der Verbindung von göttlicher Legitimation und sozialer Gerechtigkeit.

In Israel besteht eine enge und zugleich spannungsreiche Beziehung zwischen Prophetie und Königtum. Samuel und Natan begleiten die Einführung des Königtums. Propheten legitimieren Herrscher wie Jerobeam Jehu oder Serubbabel. Gleichzeitig üben sie scharfe Kritik wie Natan gegenüber David oder Elija gegenüber Ahab. Propheten bilden eine eigenständige Instanz gegenüber politischer Macht. Ihre Botschaft richtet sich nicht nur an Könige sondern an das ganze Volk.

Ein zentrales Thema ist das Verhältnis Israels zu seinem Gott. Elija kämpft für die ausschließliche Verehrung JHWHs. Hosea beschreibt Gottes Liebe zu Israel und dessen Untreue. Dabei wird deutlich dass Gottes Gericht immer mit seiner Barmherzigkeit ringt. Die Sozialkritik des 8 Jahrhunderts etwa bei Amos Jesaja und Micha prangert Ungerechtigkeit und Ausbeutung an.

Die Ankündigung des Gerichts Gottes stellt eine zentrale und schwierige Dimension der prophetischen Botschaft dar. Amos ringt selbst mit der Unausweichlichkeit dieses Gerichts. Das Jonabuch eröffnet demgegenüber die Perspektive der Umkehr und Vergebung auch für fremde Völker. Mit der Zerstörung Jerusalems 586 vor Christus gewinnt die tröstende Botschaft an Gewicht. Deuterojesaja verkündet Trost und neue Hoffnung.

In der Fortschreibung der prophetischen Bücher werden ältere Traditionen neu ausgelegt. Die Hoffnung auf ein gerechtes Königtum wandelt sich zur messianischen Erwartung. Jeremia und Ezechiel sprechen von einem neuen Bund bei dem Gottes Gesetz ins Herz geschrieben wird. So wachsen die prophetischen Schriften weiter und bleiben theologisch bedeutsam. Die Propheten werden zu entscheidenden Deutern der Geschichte Israels und zu prägenden Gestalten seines Gottesglaubens.

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