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Den ganzen Weg entlang die Gebärden Christi vollziehen

Veröffentlichung:1.1.2014

Der Fachartikel ist im Heft ru-heute 01/2014 unter dem Titel „Den ganzen Weg entlang die Gebärden Christi vollziehen“ enthalten und umfasst die Seiten 18 bis 22, also 5 Seiten. Er stellt Madeleine Delbrêl als eine Frau vor, die in einer säkularisierten und politisch kommunistisch geprägten Umgebung Christsein als radikale Alltagsnachfolge Jesu gelebt hat, vor allem in der konkreten Begegnung von Mensch zu Mensch. Theologisch behandelt der Text unter anderem die Spannung von Kirche und säkularer Welt, Evangelisierung als personale Begegnung, die Einheit von Gebet und Handeln, die Option für die Armen und die Frage nach Hoffnung und Güte als Zeichen der Gegenwart Gottes. Außerdem geht es um Umkehr, Demut und Unterscheidung der Geister, damit christliches Zeugnis in Konflikt und Einsamkeit standhält.

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Der Artikel beschreibt Madeleine Delbrêl als Sozialarbeiterin Poetin und Mystikerin und deutet sie als Prophetin einer Zeit nach dem Konzil und als Pionierin christlichen Lebens in einer säkularen Welt. Ihr besonderes Charisma wird als Fähigkeit zur Begegnung gezeigt. Sie konnte Menschen so annehmen dass sie ihnen Liebe schenken konnte entsprechend ihrem Hunger und ihrer Situation. Als Schlüssel ihrer Haltung wird ihre eigene Lebenswende dargestellt. In ihrer Jugend war sie Atheistin. Eine Krise nach einer gescheiterten Liebesbeziehung und Begegnungen mit jungen Christen führten zu einem Glaubensumbruch den sie als von Gott überwältigt beschreibt. Sie entdeckte das Evangelium und Jesus Christus und lernte an ihm eine Lebensform die zugleich ganz bei Gott und ganz bei den Menschen ist.

Über dreißig Jahre lebte sie mit einigen Gefährtinnen in Ivry in der Nähe von Paris mitten im kommunistischen Arbeitermilieu. Zunächst arbeitete sie als Sozialarbeiterin und blieb später stärker im Haus um für ihre Gemeinschaft und für die vielen Ratsuchenden da zu sein. Ihr Alltag wird als Versuch beschrieben Jesus nachzufolgen indem sie den ganzen Weg entlang die Gebärden Christi vollzieht. Dieses Bild meint eine Liebe die nicht auswählt sondern in jeder Begegnung zu lieben beginnt weil sie Christus in der Welt sichtbar machen will. Darum beginnt Nachfolge in der Nachbarschaft. Dort begegnet sie Christen und Nichtchristen Menschen in sehr unterschiedlichen Lebenslagen und besonders vielen die keinen Bezug zur Kirche haben. Für sie sind gerade die Menschen die nah bei ihr leben die Nächsten und der Glaube verlangt zuerst sie als Jünger Christi zu behandeln. Deshalb sucht sie den Dialog mit Verantwortlichen der kommunistischen Partei und unterstützt Arbeiter in ihrem Einsatz für gerechtere Lebensbedingungen. Auch ihre Wohnentscheidung wird als Zeichen gedeutet. Sie mietet bewusst ein Haus neben dem kommunistisch regierten Rathaus statt sich auf kirchlichem Boden einzurichten. So versteht sie sich als Christin an einem Grenzposten der die Grenzen des eigenen Milieus überschreitet. Ihr Haus wird ein Haus der offenen Tür in dem Nachbarn täglich ein und aus gehen wo große Lebensentscheidungen besprochen werden können und wo zugleich eine Zigarette oder ein Kaffee Raum für Würde und Nähe schaffen. Ein Bild aus einem späten Foto verdichtet dies. Sie ist mit einem Kind im Gespräch beide ganz Auge und Ohr füreinander. Das Kind erkennt nach ihrem Tod im Fernsehen die Frau die es so lieb hatte. Dadurch wird deutlich dass ihr Zeugnis weniger durch große Worte als durch eine gelebte Güte wirkte.

Der Artikel skizziert danach Haltungen die aus dieser Lebensform herauswachsen. Eine erste Haltung ist die Bereitschaft zur Unterbrechung. Nachfolge heißt dem Menschen von Angesicht zu Angesicht zugewandt zu sein der den eigenen Weg kreuzt. Diese alltägliche Zuwendung wird als Ort der Evangelisierung verstanden weil Christen in der Welt wie mit Gott geladen sind und als Scharnier der Gnade wirken können. Wo Gottes Augen in den unsrigen erwachen und sein Herz sich in unserem Herzen öffnet verändert sich das Klima zwischen Menschen. Das Reich Gottes erscheint dabei als personale Liebe Gottes in Christus für jeden Menschen und als die Liebe der Menschen zueinander. Madeleine lernt von Jesus den einzelnen Menschen liebevoll anzuschauen ihn beim Namen zu rufen und Grenzen von Milieus zu überschreiten. Darum ist Evangelisierung vor allem Begegnung in der Sprache der Güte. Der Text schildert eine Welt in der Zynismus Grausamkeit und Verachtung das Herz ersticken lassen und beschreibt Güte als eine Art Sauerstoff für das Herz. Ein Akt wahrer Güte kann Menschen auf eine tiefe Weise zu Gott hin bewegen weil die von Christus kommende Herzensgüte für Glaubende Vorahnung Gottes ist und für Unglaubende den unbekannten Geschmack Gottes haben kann.

Eine zweite Haltung ist das Lauschen auf das Hoffen der Menschen. Als Delbrêl nach Ivry kommt begegnet sie Elend und Ungleichheit und engagiert sich leidenschaftlich für Benachteiligte. Nachfolge Jesu muss sich im Kampf gegen Elend und Unrecht konkretisieren. Die christliche Hoffnung übersteigt zwar die Welt aber darf keine billige Vertröstung sein sondern muss sich hier und jetzt als Zuwendung Gottes erweisen besonders für Arme. Hoffnung wird so gelernt dass man mit Leidenden weint und dass man das Unrecht enden sehen will. Daraus entsteht eine Hoffnung die dem Herzen Jesu ähnlicher wird.

Eine dritte Haltung ist die Begegnung auf Augenhöhe. Gerade Menschen die helfen wollen sind in Gefahr sich über andere zu stellen. Delbrêl kritisiert eine Liebe die bemuttert erzieht verbessert und dadurch den Boden der Wirklichkeit verlässt. Wirkliche Begegnung setzt voraus sich selbst als Geschöpf Gottes zu begreifen das auf Erbarmen angewiesen ist. Nur wer sich diesem Erbarmen aussetzt und Christus Zugang zum eigenen Herzen gewährt kann ohne Überlegenheit begegnen. Man kommt nicht als Gerechte zu Sündern nicht als Wissende zu Unwissenden sondern als Menschen die von einem gemeinsamen Vater sprechen den einige kennen und andere noch nicht kennen. Dazu braucht es eine lebenslange Herzenserneuerung. Gefordert ist ein sanftes Herz das nicht vergewaltigt nicht herabfährt und keine paternalistische oder besserwisserische Liebe lebt sondern einfache geschwisterliche Liebe.

Eine vierte Linie ist die Einheit von Gebet und Handeln. Delbrêl sprengt die übliche Alternative zwischen Welt und Rückzug zwischen Aktivität und Kontemplation. In Jesus erkennt sie dass Beten und Handeln untrennbar verbunden sind weil Jesu Gebet im göttlichen Leben verankert ist und zugleich Bewegung der Liebe zu jedem Menschen ist. Nächstenliebe ist wie eine Brücke in einem einzigen Bogen zwischen Gott und Mensch. Darum ist es für sie keine echte Entschuldigung wenn Gebet und Aktion als unvereinbar gelten. Wer ehrlich im Gebet Kurs auf Gott nimmt erfährt dass Handeln selbst Gebet sein kann und Gebet eine Aktion. In kleinen Taten in denen man nicht mehr sortiert entsteht eine Einheit von Gottesliebe und Geschwisterliebe und das Leben kann als Fest erfahren werden weil das Paradies in kleinen Unternehmungen geschenkt werden kann oder weitergegeben werden darf.

Eine fünfte Haltung ist die Unterscheidung der Geister und die Bereitschaft zur Einsamkeit. Wer Gottes Liebe bezeugen will muss die Spannung aushalten bei aller Nähe zu Menschen fremd zu bleiben Anstoß zu erregen und abgelehnt zu werden. Es geht nicht nur darum anzukommen oder zu gefallen sondern darum dass die Botschaft intakt bleibt. Diese Treue kann in Einsamkeit führen. Der Artikel deutet die letzten Jahre Delbrêls als von Einsamkeit geprägt die sie als missionarische Kraft im Verborgenen bejaht. Neben der Mission in der Weite gibt es die Mission in der Dichte. Sie geschieht dort wo Menschen still stellvertretend da sind und eine Insel göttlicher Anwesenheit werden. Das wird beschrieben als Gott einen Ort sichern als Anbetung die das göttliche Leben auf sich lasten lässt als Leuchtpunkte der Bewusstwerdung Gottes in allgemeiner Unwissenheit und als Glauben Hoffen Lieben im Namen der Welt. So erscheint Delbrêl als Mystikerin und zugleich als Zeugin einer Hoffnung die den Alltag verwandelt und ihm heilsgeschichtliche Tiefe gibt.

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